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Rausch

21.11.2018

Wenn Teenager mit Drogen handeln

Eine 14-Jährige aus dem Landkreis Dillingen hat Marihuana konsumiert und weiterverkauft. Der Fall kam in der vergangenen Woche im Rahmen eines Gerichtsverfahrens am Amtsgericht Dillingen zur Sprache, bei dem das Mädchen als Zeugin aussagte.
Bild: Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Eine 14-Jährige aus dem Landkreis konsumiert und verkauft Marihuana. Ist so etwas in diesem Alter normal? Das sagen Polizei und Suchtberatung.

Das Geschäft sollte in Schwenningen über die Bühne gehen. Die 14-Jährige hatte fertig gedrehte Joints dabei, die sie verkaufen wollte. Doch der Deal ging nach hinten los. Die Polizei erwischte das Mädchen. Die Strafe: 40 Sozialstunden.

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Die Geschichte der 14-Jährigen kam in der vergangenen Woche bei einem Prozess am Amtsgericht Dillingen zur Sprache. Angeklagt war eine 37-Jährige, die Marihuana an mehrere Minderjährige verkauft hatte – unter anderem an die 14-Jährige aus dem Landkreis, die als Zeugin aussagte. Diese hatte sich Drogen zuvor bei ihrem damaligen Freund, dem Sohn der Angeklagten, besorgt. Als dieser dem Mädchen nichts mehr verkaufen wollte, verwies er es an seine Mutter. Die gab der 14-Jährigen gegen Geld mehrfach Marihuana, für 12,50 Euro das Gramm. Bis zu knapp fünf Gramm kaufte der Teenager pro Besuch ein.

Vor Gericht schilderte das Mädchen, wie die Treffen abgelaufen sind. In der Regel habe man sich vorher über WhatsApp verabredet. Dann besuchte das Mädchen die Frau bei ihr zu Hause. Man ging in den Schuppen, um das Gras abzuwiegen. In einer Alufolie bekam das Mädchen die Drogen mit nach Hause. Nach ihrem Alter sei sie nie gefragt worden. Die 14-Jährige konsumierte das Marihuana selber. Und sie verkaufte es weiter. Bis zu jenem Geschäft in Schwenningen, als die Polizei dazwischen kam.

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Handeln viele Teenager im Kreis Dillingen mit Drogen?

Ein Teenager, der mit 14 Jahren Drogen konsumiert und auch noch mit ihnen handelt – ist das normal? „In diesem Alter ist es eher die Ausnahme, dass ein Teenager schon mit Marihuana handelt“, sagt der Wertinger Polizist Peter Jurida, der über ein Jahrzehnt lang verstärkt Drogendelikte verfolgt hat. In Wertingen ist Kriminalität mit Cannabis eher eine Randerscheinung. Allerdings gibt die Chefin der Wertinger Polizeistation, Hauptkommissarin Martina Guß, auf Anfrage zu: „Die Dunkelziffer ist mit Sicherheit enorm, die Verfolgung oft schwierig.“

Die Polizei will Jugendliche vor den Gefahren durch Drogen warnen, unter anderem durch Präventionsmaßnahmen an Schulen. Von der Polizeiinspektion Dillingen, der auch Wertingen angehört, heißt es, dass man auf die Leute „einwirken wolle“. Denn scheitert die Prävention, wird es für die Ermittler zunehmend schwierig hinterherzukommen. Jugendliche bekommen die Rauschmittel nicht mehr nur im Freundes- und Bekanntenkreis, sondern einfach und diskret über das Internet. Oft komme man Tätern durch Aussagen in einem anderen Fall auf die Schliche. Und dann gebe es, trotz Internet, die ganz klassischen Übergabegeschäfte.

Die Drogenszene hat die vergangenen Jahre einen Wandel durchgemacht. Vor etwa zehn Jahren erlangten Drogen wie „Spice“, legal verkauft als Raumdüfte oder Badezusätze, unter Konsumenten große Beliebtheit. Doch hier haben sich die Vorlieben scheinbar gewandelt. „Das war selbst vielen regelmäßigen Cannabis-Konsumenten zu unsicher. Sie wussten ja nie, was sie da eigentlich rauchten“, sagt Peter Jurida. Bei den auf den ersten Blick harmlos erscheinenden Substanzen handele es sich nämlich keinesfalls nur um Kräutermischungen oder Salze, sondern um synthetische Drogen, die im Ausland teils in Betonmischern zubereitet würden, sagt Jurida. Diese chemischen Cocktails wurden dann hoch dosiert auf die Kräuter und Salze aufgetragen und, genau wie Cannabis, in Joints geraucht. Diese Substanzen haben nach Erfahrung der Beamten massiv an Beliebtheit verloren, während der Konsum von Marihuana wieder zunimmt. Zurück zum „Naturprodukt“, heißt die Devise bei den Konsumenten. „Cannabis ist keineswegs harmlos. Aber diese neuen Drogen waren noch deutlich schlimmer“, sagt Jurida.

Cannabis ist weniger gefährlich als Kräutermischungen - nach Expertenmeinung aber nicht harmlos

Auch Sabine Schmidt, die Leiterin der Caritas-Suchtfachambulanz in Dillingen, sagt über die Abkehr von Kräutermischungen wie „Spice“: „Zum Glück! Offenbar ist die Erkenntnis angekommen, wie gefährlich diese Drogen sind.“ Stattdessen sei Cannabis derzeit auf dem Vormarsch. „Unter Jugendlichen ist die Droge derzeit ein sehr aktuelles Thema“, beobachtet Schmidt. Dazu trage auch die momentane Legalisierungsdebatte bei, die zu einer höheren Akzeptanz in der Gesellschaft führe. Den Trend zum Gras dürfe man laut Schmidt nicht zu stark kriminalisieren, aber eben auch nicht vernachlässigen. „Je früher man damit anfängt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, psychisch zu erkranken“, sagt Schmidt. Es drohen beispielsweise Psychosen. Und mit dem Gras fängt so mancher ziemlich früh an. Im Gegensatz zur Polizei bezeichnet Schmidt 14 als „typisches Einstiegsalter“ – für den Konsum, aber auch den Weiterverkauf von Drogen im kleinen Stil. „Wer regelmäßig konsumiert, muss auch schauen, wie er an Geld kommt.“ Vereinzelt gebe es sogar jüngere Beispiele, 12, 13 Jahre. „Je nachdem, wann bei jedem Einzelnen die Pubertät einsetzt“, sagt Schmidt. In dieser schwierigen Zeit der Entwicklung seien Drogen eine Form, um mit den Problemen umzugehen und sich abzugrenzen. Meistens würden Teenager über das Rauchen einsteigen. Über den Tabak folgt dann bei manchem der Umstieg auf Gras. Probleme, das Material zu bekommen, gebe es auch im ländlichen Raum keine. „Wenn jemand sucht, findet er alles.“ Behilflich sind Freunde, Schulkameraden, bestimmte Lokalitäten und Plätze sowie das Internet. Bei manchem Jugendlichen sei es nur eine Phase. Nach einigen Monaten oder Jahren wendet er Drogen wieder den Rücken zu, erklärt Schmidt. Andere bleiben daran hängen.

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