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Offingen

23.05.2015

Wenn der Lastwagen den ganzen Tag über brummt

Ein Anwohner ärgert sich über Lärm, der vom Grundstück der Firma Keck in Offingen ausgehe.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ein Nachbar einer Offinger Firma fühlt sich gestört. Der Lärm überschreite den zulässigen Grenzwert deutlich. Dem Landratsamt wirft der Mann Untätigkeit vor.

Der Lastwagen vor dem Haus brummt monoton und lautstark. Eine Stunde später, am Ende des Gesprächs mit Günter Wittmann, brummt der Lkw noch immer. „So geht das tagein, tagaus. Den ganzen Tag“, versichert der Offinger Möbelschreiner. „Oft auch nachts, in aller Frühe und an den Wochenenden.“ Er ist unmittelbarer Nachbar der Firma Keck Spezialitäten. Kühllastwagen, mit denen Waren angeliefert oder abgeholt werden, produzieren nach Wittmanns Angaben einen Lärm, der bis zu 40 Prozent über den zulässigen Grenzwerten liege. Seine wiederholten Bitten, für Abhilfe zu sorgen, seien beim Landratsamt auf taube Ohren gestoßen. Nun hat sich Wittmann einen Anwalt genommen: „Im Notfall werde ich klagen.“

Ort des Geschehens ist die Rappenwörthstraße im Offinger Gewerbegebiet Pfaffenbogen. Dort hat Günter Wittmann seine Möbelschreinerei. Über der Werkstatt wohnt er mit seiner Familie – in einer Betriebsleiterwohnung, wie es im Amtsdeutsch heißt. Genau gegenüber, auf der anderen Straßenseite, ist das Werksgelände der Firma Keck. Sie stellt gekochte und tiefgekühlte Pasta sowie Reisgerichte her. Viele der Lastwagen sind deshalb mit Kühlaggregaten ausgerüstet. „Die sind besonders laut“, sagt Wittmann. „Aber am lautesten ist das Entladen der Silo-Lkw.“

Im Jahr 2002 hat das Landratsamt den Bau von Keck genehmigt. Im Genehmigungsbescheid heißt es, dass die Lärmwerte tagsüber 62 Dezibel (dB) nicht überschreiten dürfen, nachts sind es nur 47 dB. In seiner Not hat Wittmann mehrmals die Burgauer Polizei gerufen. Deren Messungen im April und am vorigen Sonntag hätten Werte um 70 dB ergeben – nicht von der Straße, sondern vom Betriebsgelände ausgehend. „An Schlaf ist oft nicht zu denken“, erklärt Wittmann. „Das schädigt auf Dauer die Gesundheit.“

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Nachbar ist sauer auf das Landratsamt

Mehrfach habe er das Landratsamt als Bauaufsichtsbehörde gebeten, die Firma Keck zu veranlassen, die festgelegten Lärmwerte einzuhalten. Stets sei er abgeblitzt. Deshalb hat sich Wittmann Anfang des Jahres den Burgauer Rechtsanwalt Wolfgang Schubaur als juristischen Beistand genommen. Der habe Akteneinsicht erwirkt und festgestellt, dass bei der Baugenehmigung für Keck weder ein Schallgutachten noch eine Betriebsbeschreibung gefordert worden seien. „Bei meiner Baugenehmigung 2003 musste ich jede Maschine und das mögliche zusätzliche Verkehrsaufkommen auflisten, Sonn- und Feiertagsarbeit wurde mir untersagt“, erklärt Wittmann, der dem Landratsamt in Sachen Keck „Untätigkeit“ vorwirft.

Christian Zimmermann, der im Landratsamt mit dem Vorgang befasst ist, erklärt auf Anfrage, die Kreisbehörde sei aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage, den Forderungen Wittmanns in der gewünschten Form nachzukommen. So gebe es eine Anordnung des bayerischen Umweltministeriums, dass sich die mit Lärmmessungen befassten Umweltingenieure der Landratsämter weniger mit Baugenehmigungen, sondern mit anderen Aufgaben befassen müssten, etwa der Überwachung von (Groß-)Anlagen. Zimmermann: „Wir haben nicht mehr die personellen Ressourcen, Messungen vorzunehmen, wie Herr Wittmann sich das vorstellt.“ Abhilfe sei deshalb auf die Schnelle kaum möglich. Zumal lärmende Lastwagen auf der Straße nicht mehr in die Zuständigkeit der Bauaufsicht fielen. Von „Untätigkeit“ könne deshalb keine Rede sein.

Ämtern sind "die Hände gebunden"

Diese Einschätzung weist Anwalt Wolfgang Schubaur nicht ganz von der Hand. Vor einigen Jahren sei das bayerische Baurecht vereinfacht worden, manches werde nicht mehr so streng gehandhabt wie ehedem. In mancher Hinsicht seien den Ämtern deshalb aufgrund gesetzlicher Vorgaben „die Hände gebunden“ – finanziell und personell. Mit der Folge, dass Nachbarschaftsstreitigkeiten öfter vor Gericht landen. Schubaur: „Das ist ein allgemeines Problem, das ganz oben diskutiert werden sollte.“ Ein Politikum, das Wittmann nicht auf seinem Rücken ausgetragen haben will: „Es kann nicht sein, dass die Einhaltung von vorgeschriebenen Lärmwerten nicht kontrolliert wird.“

Möglicherweise wendet sich der Zwist in Offingen doch noch zum Guten. Wittmann und sein Anwalt sind vor einer denkbaren Klage gegen das Landratsamt, die Firma Keck oder beide noch zur Schlichtung bereit. Ein Weg, den auch Stephan Keck, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Offinger Firma, gerne einschlagen würde. Dass es Probleme mit den lauten, auf der Straße wartenden Lkw geben kann, will Keck nicht bestreiten. „Auf unserem Werksgelände aber haben wir alles im Griff.“ Durch ein Schreiben des Landratsamtes habe er erst vor drei Wochen von den Problemen erfahren. Deshalb sei er „verwundert, dass Herr Wittmann jetzt aus allen Rohren schießt“.

Firma will mit Nachbar sprechen

Er hätte sich eher vorgestellt, dass vorab das Gespräch gesucht worden wäre, etwa auch in Verbindung mit der Gemeinde. Auf Verlangen des Landratsamtes Günzburg habe er schon schriftlich zu den Vorwürfen Stellung genommen, einem Gespräch stehe aus seiner Sicht nichts im Weg, erklärt Stephan Keck.

Günter Wittmann wiederum betont, er habe auf das persönliche Gespräch mit Keck bislang verzichtet, weil ein von den gleichen Problemen geplagter Nachbar mit solchen Versuchen bereits glorios gescheitert sei. Wenn Keck ihm nun eine Aussprache anbiete, sei er dazu aber gerne bereit: „Ich hoffe, dass es zu einer Lösung kommt.“

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