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Mindestlohn

10.02.2015

Wenn plötzlich die Fachverkäuferin nicht hinter der Ladentheke steht

Alle Hände voll zu tun haben die Mitarbeiterinnen der Landmetzgerei Geiger in Bliensbach. Für die Minijobberinnen unter ihnen muss seit Einführung des Mindestlohngesetzes jede einzelne Arbeitsstunde genauestens protokolliert werden.
Bild: Brigitte Bunk

Am Beispiel der Landmetzgerei Geiger in Bliensbach wird deutlich, welche Auswirkungen die Aufzeichnungspflicht bei der Arbeitszeit nach sich ziehen

Wer an einem Freitag oder Samstag im Verkaufsladen der Landmetzgerei Geiger im Wertinger Stadtteil Bliensbach steht, der merkt sofort, dass hier die freundlichen Verkäuferinnen alle Hände voll zu tun haben, um die zahlreichen Kunden fachgerecht und zügig zu bedienen. Manchmal ist der Andrang im Laden so groß, dass auch Juniorchef Christian Geiger die Wurst in Scheiben schneiden oder ein Schnitzel von einem großen Fleischstück schneiden muss.

Seit Jahresbeginn hat er dafür immer weniger Zeit, wie sein Vater und Seniorchef Andreas Geiger beklagt. Schuld daran ist das neue Mindestlohn-Gesetz, welches gerade kleineren Unternehmen wie der Landmetzgerei Geiger zusätzlichen Verwaltungsaufwand aufbürdet. Es ist die Dokumentations-Pflicht über die exakte Arbeitszeit der Mini-Job-Angestellten, die dem kleinen Familienbetrieb das Arbeiten erschwert. Gemeinsam mit einer Angestellten im Büro kümmert sich Christian Geiger um diesen lästigen Mehraufwand. Die vier bis fünf Stunden, die der Juniorchef dafür pro Woche aufwenden muss, fehlt er im Schlachthaus oder im Laden. „Da bräuchten wir ihn viel notwendiger“, kritisiert Vater Andreas Geiger.

Der 64-Jährige, der 1987 die Firma im Nebenerwerb gründete, klagt wie viele andere kleine Mittelständler über die Mehrarbeit im Büro, die im Rahmen des Mindestlohngesetzes entstanden ist. Auf eine Antwort der Mitarbeiter im Büro des Bundestagsabgeordneten Ulrich Lange ( CSU) wartet Geiger, der in Berlin vorstellig geworden ist, derzeit noch. Vom Landtagsabgeordneten Johann Häusler (Freie Wähler) hat er bereits eine Zusage bekommen, sich die schwierige Situation in seinem Betrieb erklären zu lassen. Am 23. Februar kommt es zu einem Vor-Ort-Termin. Dass die CSU zu Beginn diese Woche angekündigt hat, eine umfangreiche Liste von Änderungswünschen an der Mindestlohn-Bürokratie in Koalitionskreisen vorzubringen, hat Andreas Geiger natürlich zur Kenntnis genommen: „Hoffentlich bewegt sich dann auch bald etwas“, sinniert der Metzgermeister, der allerdings nicht sehr optimistisch ist. Zu sehr werde das Handwerk seit Jahren im Vergleich zur Industrie benachteiligt. Geiger verweist auf eigene Tarifabkommen in der Fleischindustrie. Dort müssen teilweise nur 7,75 Euro pro Stunde bezahlt werden.

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Dabei geht es dem Bliensbacher gar nicht um den Stundenlohn einer fest angestellten Kraft oder eines Minijobbeschäftigten. „Wir liegen mit unseren Löhnen schon seit einigen Jahren über der 8,50 Euro-Grenze versichert der Geschäftsmann. Geiger betont, dass in einem kleineren Betrieb wie dem Seinigen mit zehn Festangestellten und acht Minijobbern die Belegschaft ohnehin das Wertvollste ist, auf was zu achten sei. Ergo müsse es auch eine ordentliche Bezahlung geben.

Bis zur Einführung des Mindestlohn-Gesetzes konnte die Landmetzgerei Geiger sehr flexibel mit den Arbeitszeiten ihrer Angestellten umgehen. Wann zum Beispiel eine 450-Euro-Kraft ihre 45 Stunden im Monat ableistete, musste nicht protokolliert werden. Seit Januar ist dies alles anders. Jede einzelne Stunde muss zeitgenau erfasst werden. Aufgrund der Dokumentationspflicht ist es nun nicht mehr möglich, eine Beschäftigte so ohne Weiteres in einem bestimmten Monat über ihr Stundenlimit hinaus zu beschäftigen, um im Monat danach die Überzeiten abzubauen. „Was sollen wir tun, wenn plötzlich eine oder gar zwei Verkäuferinnen krankheitsbedingt ausfallen und die Auftragsbücher voll sind?“, wirft Andreas Geiger eine nicht zu beantwortende Frage in den Raum.

Bestellungen nicht auszuliefern – die Landmetzgerei Geiger betreibt auch einen Cateringservice –, das könne man sich nicht leisten, sagt der Firmengründer. Auf zusätzliches Personal zurückzugreifen, sei äußerst schwierig. In der Branche mangelt es seit Jahren an Fachpersonal, weiß Metzgermeister Andreas Geiger um die Situation am Arbeitsmarkt. Die Dokumentationspflicht im Rahmen des Mindestlohngesetzes habe noch gefehlt, um die ohnehin schon vorhandenen Sorgen der kleineren Handwerksbetriebe weiter zu forcieren, sagt Andreas Geiger mit einem süffisanten Unterton.

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