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Buttenwiesen

26.05.2020

Wer entscheidet, wer in der Natur überlebt?

Flächen des Wiesenbrüterschutzes wurden während der Brutzeit in der Gemeinde Buttenwiesen großflächig abgemäht. Das ruft kritische Naturschützer auf den Plan.
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Flächen des Wiesenbrüterschutzes wurden während der Brutzeit in der Gemeinde Buttenwiesen großflächig abgemäht. Das ruft kritische Naturschützer auf den Plan.
Bild: Schrallhammer

Plus Auf Buttenwiesens „Ökoflächen“ wurde gemäht. Das gefährdet die Wiesenbrüter. Gleichzeitig braucht das heute gedüngte hochwachsende Gras auch einen Schnitt. Die Situation spiegelt die Probleme des Naturschutzes wider

Während der Brutzeit wurden Flächen des Wiesenbrüterschutzes in der Gemeinde Buttenwiesen großflächig und mit schwerem Gerät vorzeitig gemäht. Das wirft Josef Schrallhammer den örtlichen Landwirten vor. Der leidenschaftliche Naturschützer will dieses Vorgehen nicht einfach hinnehmen und kritisiert es scharf. Der Buttenwiesener Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz, Gernot Hartwig, hatte sich ebenfalls gewundert, als er zufällig die Landwirte beim Mähen besagter Buttenwiesener „Ökoflächen“ im Donauried entdeckte. Wie also kam es, dass die Landwirte hier mähten? Rechtens oder verboten?

Die Natur und deren Schutz sind für Josef Schrallhammer bedeutende Themen, da sie zum Erhalt und zur Entwicklung von natürlichen Lebensräumen unserer Heimat beitragen. Mit wachen Sinnen beobachtet er daher kontinuierlich, was in seiner Heimat vor sich geht.

So bangt Schrallhammer derzeit um Bodenbrüter, Insekten und Reptilien, die durch die vorzeitig abgemähten Flächen einer erhöhten Gefährdung beziehungsweise dem Tod ausgesetzt sind.

Komplizierte Entscheidungen für den Naturschutz

Zuständig für die Mäharbeiten ist, sprich die Aufsicht darüber hat Michael Oblinger, Gebietsbetreuer des östlichen Donaurieds, angestellt vom Bund Naturschutz, finanziert vorwiegend vom Staat. Er reagierte auf Schrallhammers Brief umgehend und zeigte auf, dass hier keinesfalls „blind drauflosgemäht wurde“. Ein Teil der Flächen sei im Thürheimer Ried zwar gemäht worden. „Allerdings wurde weder in unmittelbarer Nähe des Geleges gemäht noch wurden die Vögel einer übermäßigen Störung oder Gefahr ausgesetzt“, heißt es in dem Schreiben von Michael Oblinger. Auf den nordöstlichen Flächen, auf denen sich das Gelege befinde, sei nicht gemäht worden. Ihm sei der Schlupfzeitpunkt des Geleges bekannt, weshalb er die Mahd unbedingt noch vorher durchgeführt haben wollte. „Die Flächen wurden in einem Muster gemäht, das jederzeit genügend Deckung, aber ebenfalls ein Mosaik an verschieden hohen Grasarealen bietet“, so der Gebietsbetreuer weiter. Die Jungvögel würden mit Sicherheit zu der nahe gelegenen Mulde geführt, die dauerhaft feucht sei. Diese Mulde sei aber nur durch eine lückige oder niedrig gehaltene Vegetation zugänglich. Oblinger: „Ungemäht hätten die Küken eine für sie unüberwindbare Barriere aus dichtem Gras und Klee vor sich.“

Für BN-Ortsvorsitzenden Gernot Hartwig ist diese Situation schlüssig erklärt. Er sieht das offensichtliche Problem: „Die Wiesenbrüter brauchen auf der einen Seite Deckung, auf der anderen Seite offene Flächen, wo sie Nahrung für die Jungen suchen können. Die Jungen wiederum müssen sich im Gras verstecken und gleichzeitig darin laufen können.“ Würde nicht gemäht, würde das Gras heutzutage durch die starke Düngung zu hoch wachsen.

Der Mensch kann nicht entscheiden, welches Tier "wertvoller" ist als ein anderes

Der Zwiespalt spiegelt für Hartwig gleichzeitig ein grundsätzliches Problem im Naturschutz wider. „Können wir Menschen entscheiden, ob Fuchs oder Brachvogel, Hecke oder Wiese wertvoller für die Natur im Ried sind?“, fragt er provokativ. Der Ortsvorsitzende denkt darüber nach, ob es beispielsweise nicht auch im Thürheimer Ried klüger wäre, so zu handeln wie auf Lauterbacher Flur: große Flächen zusammenlegen, in Ruhe lassen und vor der „guten fachlichen Praxis“ der Landwirte schützen. „Wenn die Flächen groß genug sind, heilt sich die Natur weitgehend wieder von selbst“, so Hartwig. Womöglich hätten dabei die Wiesenbrüter verloren, doch stelle sich auf jeden Fall wieder ein „neues, stabiles Gleichgewicht“ ein.

Die Situation in Pfaffenhofen sieht Hartwig als noch schlimmer an. Dort sei die „ökologische“ Seite bei der Flurneuordnung fast völlig verfehlt worden. Dort gebe es nun große Schläge für wenige Landwirte, insektenfeindlich und mit geringeren Wandermöglichkeiten für die Tiere. Hartwig: „Solange die Landwirte wegen Gewinnmaximierung im Ried spritzen und düngen und solange die Maschinen immer größer werden, hat die Natur da keine Chance.“ Gernot Hartwig schätzt sowohl das Engagement von Michael Oblinger als auch das von Josef Schrallhammer, der die Zustände im Ried an einzelnen, kleinen Beispielen immer wieder anprangere und den Behörden melde. Kritik übt Gernot Hartwig und mit ihm der Bund Naturschutz an jenen, die aus persönlichem Gewinnstreben Natur zerstören. Der Ortsvorsitzende bezweifelt, dass alle – Ämter und Privatpersonen – ihr Engagement und ihre Ermessensspielräume maximal für die Natur einsetzen. Und manchmal werde ihm bewusst, wie „unverantwortlich mancher ‚menschliche‘ Kompromiss vor der Kompromisslosigkeit der Natur ist“.

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