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Prozess

11.05.2011

Wertingen: 190.000 Euro mit Ekelfleisch umgesetzt

Die Immobilien der aufgelösten Firma Wertfleisch in Geratshofen gammeln seit vier Jahren ungenutzt vor sich hin. Hier wurden die Fleischgeschäfte abgewickelt, die ab dem morgigen Freitag vor dem Amtsgericht verhandelt werden.
Foto: Foto: Wandschneider

Vier Jahre nach der Tat steht der Wertinger Wolfgang L. ab Freitag in Augsburg vor Gericht. Er soll Ekelfleisch an Hersteller von Döner verkauft haben.

Am Freitag um 9 Uhr beginnt die Gerichtsverhandlung im Wertinger Dönerfleischfall vor dem Landgericht in Augsburg. Angeklagt sind neben dem Wertinger Wolfgang L. zwei seiner Geschäftspartner aus Norddeutschland, Helmut R. und Jürgen D.

Die Staatsanwaltschaft Memmingen, zuständig für alle bayerischen Fleischskandale, wirft den drei Angeklagten gewerbsmäßigen Betrug und Inverkehrbringen nicht sicherer Lebensmittel vor. Den drei Angeschuldigten werden von Staatsanwalt Andreas Rossa 22 gewerbsmäßige Betrügereien vorgeworfen. Sie sollen Material der „Kategorie 3“ (Schlachtabfälle) illegal als lebensmitteltaugliches Fleisch verkauft haben.

Bei diesen Geschäften sollen über 190.000 Euro umgesetzt worden sein. Dabei handelte sich um 150.000 Kilogramm tiefgefrorenes Ekelfleisch. Dieses Fleisch wurde zwischen Juni 2006 und August 2007 in acht Lieferungen zur Firma Wertfleisch im Wertinger Stadtteil Geratshofen gebracht. Von dort aus wurde das beanstandete Material in 22 Lieferungen hauptsächlich nach Berlin weitertransportiert.

Das genussuntaugliche Fleisch gelangte zumeist in die Döner-Produktion, was diesem überregional bekannt gewordenen Fleischbetrug den Namen Dönerfleisch-Skandal einbrachte. Diese florierenden Geschäfte mit Ekelfleisch flogen im August 2007 auf: Ein Kühlwagenfahrer, der eine Lieferung nach Geratshofen gebracht hatte, ertappte Wolfgang L., den Ehemann der Wertfleisch-Geschäftsführerin, wie er die Etiketten von den Gammelfleisch-Verpackungen abriss. Der Fahrer zeigte Wolfgang L. an.

Die Angeklagten befinden sich auf freiem Fuß

Die Verhandlung führt der Richter Wolfgang Natale. Er ist Vorsitzender der erst zu Beginn des Jahres neu eingerichteten 2. Strafkammer, einer Wirtschaftsstrafkammer, die eigens geschaffen wurde, um die auf Halde liegenden Wirtschaftsstrafsachen des Landgerichts Augsburg abzuarbeiten. Wie berichtet, sollte der Dönerfleisch-Prozess eigentlich schon seit Jahren vor der 9. Kammer des Landgerichts in Augsburg stattfinden. Deren Vorsitzender, Richter Rudolf Weigell, hatte in den vergangenen Jahren im Gespräch mit unserer Zeitung immer wieder auf die Terminzwänge seiner Geschäftsstelle hingewiesen: Routinemäßig waren alle Fälle vorgezogen worden, bei denen ein Angeklagter in Untersuchungshaft saß. Der Wertinger Wolfgang L. wartete deswegen fast vier Jahre lang als freier Mann in Wertingen auf seinen Prozess.

Richter Wolfgang Natale, 42 Jahre alt, ist ein in Wirtschaftsstraftaten erfahrener Jurist. Unter anderem war er bei den Staatsanwaltschaften in Augsburg und München mit Wirtschaftsstraftaten befasst. Richter Natale ist heute nicht nur Vorsitzender der 2., sondern auch der 4. Strafkammer (Berufungskammer). Beide sind personell nur zur Hälfte besetzt. Die 2. Kammer erhielt Verfahren aus der 9. und 10. Strafkammer überwiesen, darunter den Dönerfleisch-Fall.

Der Prozess gegen Wolfgang L. und seine beiden norddeutschen Geschäftsfreunde beginnt am morgigen Freitag, 13. Mai, 9 Uhr (im Raum 180 im 3. Stockwerk des Landgerichts Augsburg in der Gögginger Straße 101 in Augsburg). Ursprünglich waren fünf Verhandlungstermine vorgesehen, aber man hat sich nun auf vier Tage beschränkt: 13. Mai, 18. Mai, 7. Juni und 15. Juni. Es sind 14 Zeugen geladen. An allen Tagen soll ganztätig verhandelt werden. Ob man aber alle vier Tage benötigen wird, ist laut Natale nicht vorherzusehen: „Die Dauer hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Angeklagten einlassen“, meinte der Richter.

Prozess Es sind vier Verhandlungstermine anberaumt: Freitag, 13. Mai, Mittwoch, 18. Mai, Dienstag, 7. Juni, Mittwoch, 15. Juni, jeweils im Landgericht in Augsburg (Gögginger Straße 101). Beginn ist jeweils um 9 Uhr im Saal 180 im 3. Obergeschoss.

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