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Wertingen

28.08.2020

Wertingen: So kam die Kapelle in Neuschenau zu ihrem Gnadenbild

Alljährlich am Vorabend von Christi Himmelfahrt findet der Bittgang der Pfarreien Bliensbach, Hirschbach und Prettelshofen zur Marienkapelle von Neuschenau statt.
Bild: Konrad Friedrich

Plus Seit 110 Jahren steht das Kirchlein im Wertinger Stadtteil Neuschenau. Um das Marienbild ranken sich viele Geschichten

Das Gnadenbild Maria vom Blute, eine Kopie des Gnadenbildes von Re in Oberitalien, befindet sich in der kleinen Marienkapelle im Wertinger Ortsteil Neuschenau. 1910 ließ die damalige Gutsbesitzerin Anna Probst für dieses Gnadenbild eine Kapelle unmittelbar an den Gutshof erbauen. Hierin findet sich dieses wundertätige Gnadenbild. Weitere Kopien befinden sich in der ehemaligen Kapuzinerkirche in Dillingen und in der Pfarrkirche Emersacker.

Der Ort gehört von jeher zur Pfarrei Prettelshofen

Der Possenrieder Chronist Konrad Bestle hat sich eingehend mit der Geschichte des Marienbildes von Neuschenau befasst.

Der Ort ist 1280 erstmals beurkundet und gehörte von jeher zur Pfarrei Prettelshofen. Neuschenau war zeitweise ein Adelssitz, auf dem 1397 ein Zweig der Herren von Hohenreichen und 1492 die Witwe eines Vogtes zu Wertingen saßen. Später kam er an die Pappenheimer Herrschaft Wertingen-Hohenreichen. Sie unterhielten auf dem Platz des heutigen Probstgutes ein Jagdhaus.

Neuschenau als Adelssitz: Die einen jagten, die anderen beteten

Während die Herrschaft auf der Jagd war, gaben sich Ehefrauen und Töchter dieser Ritter frommen Werken hin. So besorgten sie sich direkt aus Re in Oberitalien eine Kopie des Wundergnadenbildes, ließen auf dem Platz bei der heutigen Kapelle eine Säule mit diesem Gnadenbild, das auf der Rückseite die Jahreszahl 1598 trug, errichten und pflanzten zum Schutz daneben eine Linde.

Das Gnadenbild in der Neuschenauer Kapelle (links) ist eine Abbildung des Gnadenbildes von Re
Bild: Konrad Friedrich

Das Bild ist eine Kopie des Urgnadenbildes im italienischen Ort Re bei Locarno, an dem nach einem Steinwurf eines Betrunkenen von der dadurch entstandenen Stirnwunde Mariens vom 30. April bis 15. Mai 1494 mehrmals am Tag Blut geflossen sein soll. Dieses Ereignis wurde durch eine kirchliche und weltliche Prüfungskommission urkundlich als echt anerkannt.

Als die Schweden Wertingen besetzten

Als im Sommer 1646 die schwedischen Soldaten Wertingen besetzten und es bei ihrem Abzug am 14. Oktober 1646 anzündeten, hatte man das Gnadenbild in einer Zwischendecke des Pfarrhauses in Prettelshofen versteckt. Es war wohl der damals amtierende Pfarrer, der es in seinem Haus vor dem Zugriff Fremder bewahrte. Die Schweden ruinierten auch dieses Gebäude. Nachdem das Gnadenbild nicht mehr auffindbar war, ließ man ein neues, auf einer Holztafel gemalt, an der Linde anbringen.

Im Frühjahr 1665 wurde mit dem Bau eines neuen Pfarrhofs begonnen. Durch zahlreiche Besitzerwechsel wusste bald niemand mehr von dem Bild. Der Schäfflermeister Josef Bestle wurde 1901 Eigentümer und renovierte das Gebäude. Dabei kam am 18. März 1902 das Marienbild ans Tageslicht.

Das wertvolle Bild kam nach Wertingen

Als der Postbote und Gesellenvater Johann Drießle 1903 nach Prettelshofen kam und zu dem dortigen Schäfflermeister Josef Bestle ging, zeigte der ihm das Marienbild. Die uralte Tafel war noch farbenrein und hatte noch die vier Nagelstellen, die 300 Jahre alt waren. Drießle erkannte das uralte Marienbild, das von den Pappenheimern verehrt wurde und seit dem Schwedenkrieg verborgen geblieben war.

Das Bild kam nach Wertingen, wo es zwei Kunstkenner als sehr wertvoll bezeichneten. Das wunderbare Gnadenbild sollte einen bedeutsamen Ort zur Verehrung erhalten.

Eine Stiftertafel (rechts unten) weist auf die Stifterfamilie der Kapelle Neuschenau hin.
Bild: Konrad Friedrich

Drießle setzte sich deshalb dafür ein, an der Stelle, die im 15. Jahrhundert von den Pappenheimern zu Wertingen und Hohenreichen auf das Höchste verehrt wurde, eine Kapelle zu bauen, der dieses Gnadenbild als Schmuck dienen sollte.

Gutsbesitzer Probst zu Neuschenau erbaute die Kapelle.

Da das Bild inzwischen gelitten hatte, wurde ein neues originalgetreu angefertigt. Deshalb hat es den Bildzusatz: „Wahre Abbildung des wunderbaren Gnadenbildes Maria in Re.“ Das Gnadenbild ist so ein Schmuck der Kapelle für alle Zeiten geworden. Den Plan für die prachtvolle Kapelle hat der Kunstverein in München erstellt, den Bau führte Maurermeister Ludwig Wenninger aus Rieblingen aus. Am 16. Mai 1910 fand die Einweihung der erbauten Kapelle in Neuschenau statt.

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