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Wertingen

16.10.2020

Wertingen braucht mehr „Notwohnungen“

Die Zahl der Menschen, die sich in akuter Wohnungsnot an die Stadt Wertingen wenden, nimmt laut Bürgermeister Willy Lehmeier dramatisch zu. Der Dillinger Caritas-Geschäftsführer Stephan Borggreve bemerkt, dass die Coronakrise viele Leute in existenzielle Problemlagen bringt.
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Die Zahl der Menschen, die sich in akuter Wohnungsnot an die Stadt Wertingen wenden, nimmt laut Bürgermeister Willy Lehmeier dramatisch zu. Der Dillinger Caritas-Geschäftsführer Stephan Borggreve bemerkt, dass die Coronakrise viele Leute in existenzielle Problemlagen bringt.

Plus Das Bliensbacher Bürgerhaus wird saniert – dort sollen zwei Unterkünfte für Leute entstehen, die schnell ein Dach über dem Kopf benötigen. Das Problem wird in Wertingen immer größer.

Die Stadt Wertingen braucht neue „Notfallwohnungen“. Wie auf der jüngsten Sitzung des Bauausschusses am Mittwoch bekannt wurde, steigt die Zahl der Menschen, die sich Hilfe suchend an die Stadt wenden, da ihnen der Verlust der eigenen Wohnung bevorsteht. Bürgermeister Willy Lehmeier gab den Stadträten Auskunft, dass er derzeit „drei Zwangsräumungen auf dem Schreibtisch“. habe.

Die Stadt darf aber niemanden in die Obdachlosigkeit schicken, sondern muss dafür sorgen, dass auch bei einer Kündigung oder Zwangsräumung im Anschluss sofort für den oder die Betroffenen ein Dach über dem Kopf zur Verfügung steht. Dafür braucht es Notwohnungen. Zwei davon werden dafür im ersten Stock des Bliensbacher Bürgerhauses entstehen.

Das Bürgerhaus in Bliensbach muss saniert werden

Dazu muss einiges saniert werden, denn die Räumlichkeiten sind in einem miserablen Zustand, wie Stadtbaumeister Anton Fink mit Bildmaterial belegte. Die Fußböden sind zerkratzt, die Tapete blättert ab, in der Küche schaut aus einer Wand nur noch ein blanker Wasserhahn heraus.

Also will die Stadt nun rund 100000 Euro sowie geschätzte 800 Arbeitsstunden des Betriebshofs investieren, um hier zwei Übergangswohnungen einzurichten. Ursprünglich war der Ausbau zu einer Wohnung geplant, doch Stadtrat Tobias Kolb (KUL) schlug vor, durch den Umbau eines Abstellraums zu einer Toilette die Möglichkeit zu eröffnen, zwei Wohnungen in dem Stockwerk einzurichten. Dieser Vorschlag wurde von den übrigen Stadträten sehr positiv aufgenommen – für einen „Notfall“ brauche es etwa keine zwei Kinderzimmer, so die einhellige Meinung.

Im ersten Stock des Bliensbacher Bürgerhauses sollen zwei Notwohnungen entstehen – dafür muss tüchtig saniert werden. 100000 Euro wird das kosten.

Denn der Qualitätsstandard solcher Unterkünfte ist nicht der selbe wie der für reguläre Wohnungen. Sie sind nicht für einen echten „Einzug“ gedacht, sondern eben für eine – im Idealfall kurze – Überbrückungszeit, bis eine neue Bleibe gefunden wird. So gibt es beispielsweise Duschen, aber keine Badewannen. Die Versorgung mit Warmwasser wird über einen Münzzähler geregelt. Es werde eine Sanierung auf „niedrigem Standard“ stattfinden, kein Vollausbau, so Bürgermeister Lehmeier.

Die Anzahl der Menschen, die kurzfristig eine solche Unterkunft benötigten, habe „dramatisch zugenommen“, sagte Lehmeier. Und die Stadt habe oft kaum Vorlaufzeit, um eine neue Bleibe für die Betroffenen zu organisieren. „Wir werden meistens angerufen, wenn es schon fast zu spät ist“, sagte Lehmeier.

Der Geschäftsführer des Kreisverbands der Caritas, Stephan Borggreve, kennt das Problem nur zu gut. Er findet es toll, dass die Stadt Wertingen ihre Kapazitäten für Menschen in Not ausbaut – denn das werde eine große Herausforderung für die Kommunen in der nahen Zukunft werden. „Wir sehen jetzt die Auswirkungen, welche die Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus mit sich bringt“, so Borggreve. Und Corona treibe viele Menschen, die zuvor ein zwar niedriges, aber recht sicheres Einkommen hatten, in die Existenznot. Manche kämen mit der Miete auf dem „regulären“ Wohnungsmarkt in Verzug – wird zweimal nicht gezahlt, kann der Vermieter dann kündigen.

Wenn die Finanzen in Schieflage geraten, hilft die Caritas

Bei der Caritas gehen dann oft verzweifelte Anrufe ein. „Die Leute rufen an und sagen: ‘Ich habe meine Wohnung verloren, was soll ich tun?’, so Borggreve. Er und seine Kollegen versuchen dann, zu vermitteln. Geht es rein ums Finanzielle, einige man sich recht oft noch mit dem Vermieter, etwa auf Ratenzahlungen. Gebe es aber persönliche Gründe oder ein Fehlverhalten des Mieters, werde es oft schwierig. Ein Einzug in eine Notunterkunft kann dann manchmal nicht mehr verhindert werden. Steht allerdings keine städtische Notunterkunft mehr zur Verfügung, muss die Stadt irgendeine andere Bleibe für die Betroffenen auftreiben. Borggreve sind Fälle bekannt, in denen die Kommune Personen wieder zurück in die Wohnungen bringen musste, aus denen ihnen gerade gekündigt worden war – und dann gezwungen waren, die Miete zu übernehmen. „Manche Kommunen sind besser auf solche Fälle vorbereitet als andere“, sagt der Caritas-Geschäftsführer. Gerade deshalb findet Borggreve den Plan der Stadt Wertingen für das Bliensbacher Bürgerhaus so gut.

Der Caritas-Mann hat einen wichtigen Rat für Menschen, die mit ihrer Miete oder ihren Stromkosten in Schieflage geraten: „Suchen Sie so bald es geht das Gespräch!“. Die Caritas selbst biete eine allgemeine Sozialberatung und eine Schuldner- und Insolvenzberatung an, in denen über diese Themen gesprochen werden könne.

Die Dillinger Caritas ist unter Telefon 09071/70579-0 erreichbar.

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