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Zusamtal

05.08.2016

Wertingen kämpft gegen die Ausbeutung von Kindern

In der Zusamstadt dürfen nur noch fair hergestellte Grabsteine aufgestellt werden.
Bild: Ulrich Perrey, dpa (Symbolfoto)

In der Zusamstadt dürfen nur noch fair produzierte Grabsteine aufgestellt werden. Wie es dazu kam und wie das kontrolliert wird.

In Deutschland soll mehr als jeder dritte Grabstein aus Indien stammen. Dort arbeiten Tausende von Kindern in Steinbrüchen und ruinieren so ihre Gesundheit. Den Grabsteinen aus Kinderarbeit hat nun die Stadt Wertingen den Kampf angesagt. Auf dem Friedhof in der Zusamstadt sollen nur fair hergestellte Grabmale aufgestellt werden dürfen. Das hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwochabend einstimmig beschlossen.

Den Antrag zur Änderung der Friedhofssatzung hatten erneut die Grünen, die schon vor vier Jahren einen entsprechenden Vorstoß unternommen hatten, vorgelegt. Damals sei die Sache aber rechtlich umstritten gewesen, erläuterte Bürgermeister Willy Lehmeier. Vor Kurzem hat aber der Bayerische Landtag beschlossen, dass die Kommunen ihre Friedhofssatzung so ändern können, dass die Kinder- und Sklavenarbeit bekämpft wird. Die jetzt beschlossene Friedhofssatzung in Wertingen lautet so: „Es dürfen nur Grabmale aufgestellt werden, die nachweislich der gesamten Wertschöpfungskette ohne ausbeuterische Kinderarbeit ... hergestellt wurden.“ Zudem muss bei Ausschreibungen der Stadt Wertingen, bei denen Natursteine und Hölzer aus tropischen oder borealen Wäldern im Spiel sind, von den Auftragnehmern eine Zertifikation für soziale und ökologische Nachhaltigkeit verlangt werden.

In der Debatte hatte Matthias Buhl (FW), der am Ende ebenfalls zustimmte, Bedenken geäußert, dass Grabsteine-Produzenten in der Dritten Welt die Einnahmen dann ganz wegbrechen könnten. Und damit sei der Sache auch nicht gedient. Peter Seefried (BIS) hielt es grundsätzlich für unsinnig, wenn Grabsteine von Indien nach Deutschland transportiert werden. Den Grünen hielt er vor, sie seien jahrelang für die Globalisierung eingetreten – mit der Folge, dass viele heimische Produkte nicht verkauft werden können. Alfred Schneid (CSU) sprach sich für den Antrag der Grünen aus. „Es ist ein Skandal, was dort (in den Steinbrüchen) geschieht“, sagte der Wirtschaftsreferent. Aus moralischen Gründen müsse man alles dafür tun, um diese ausbeuterische Kinderarbeit zu beenden. Auch Helmut Sporer (CSU) sprach sich für die Satzungsänderung aus. Dies sei aber eher „eine symbolische Maßnahme“, die an der Wirklichkeit wenig ändern werde. Bürgermeister Lehmeier betonte, dass Wertingen eine Fair-Trade-Stadt sei, die für bestimmte Dinge einstehen müsse. Das Verbot von Grabsteinen aus Kinderarbeit sei dabei „ein Baustein“.

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Zweiter Bürgermeister Johann Bröll (CSW) und Franz Bürger (CSU) erkundigten sich, wie das Verbot in der Praxis umgesetzt werden soll. Ludwig Klingler (Grüne) informierte, dass dies über die Steinmetzbetriebe geschehe. „Die Wertinger Steinmetze stehen voll hinter uns“, sagte Klingler. Die Grabmale machten nur drei Prozent ihres Umsatzes aus, da schlage es nicht so sehr zu Buche, wenn Grabsteine etwas teurer würden und dafür unter fairen Bedingungen produziert werden. Die Steinmetze, so Klingler, kaufen nur solche Steine ein, bei denen mit Zertifikaten nachgewiesen ist, dass sie unter fairen Bedingungen hergestellt wurden.

Klinger dankte seinen Ratskollegen am Ende für das einstimmige Votum. Es gehe nicht darum, Grabstein-Verkäufern in der Dritten Welt das Geschäft kaputtzumachen. „Wir wollen damit erreichen, dass den Kindern soziale Standards gewährt werden“, sagte der Grünen-Stadtrat.

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