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Wertingen

14.09.2018

Wertinger Napoleonstanne - welcher Baum macht das Rennen?

Welcher Baum soll der abgestorbenen Napoleonstanne folgen? Diese Frage beschäftigte die Stadt Wertingen. Hilfestellung erhielt sie von der ansässigen Baumschule Reiter. Das Bild zeigt von links: Wertingens Betriebshofleiter Johannes Deisenhofer, Johann Reiter, Gabriele Bschorr (beide von der Baumschule Reiter) und Ludwig Klingler, Referent für Umwelt und Ökologie des Wertinger Stadtrats.<b>  </b>
Bild: Bärbel Schoen

Ab sofort kann über die neue „Napoleonstanne“ im Voting der Wertinger Zeitung abgestimmt werden. Drei Bäume stehen zur Auswahl.

Auf den Plantagen der Baumschule Reiter wachsen stattliche Bäume heran, die zum Teil schon mehr als sechs Meter Höhe erreicht haben. Einer von ihnen wird in drei bis vier Wochen einen Platz neben der Napoleonstanne bekommen. Denn das „Wahrzeichen“ von Wertingen, das am 8. Oktober 1905 gepflanzt wurde, ist nicht mehr zu retten. Die einst prächtige Fichte, im Volksmund bekannt als „Napoleonstanne“, steht zwar noch und ragt hoch hinaus auf dem Bergrücken zwischen Gottmannshofen und Hohenreichen. Weil der Baum aber keinerlei Lebenszeichen mehr zeigt und nur noch braune Nadeln an traurig herunterhängenden Ästen trägt, muss er gefällt werden (wir berichteten). Für Fußgänger und Radfahrer könnte es in seiner Nähe gefährlich werden, vor allem, wenn armdicke Äste abbrechen.

Der geschichtsträchtige Platz soll aber weiter als Mahnmal dienen und daran erinnern, zu welchem Leid kriegerische Auseinandersetzungen führen. Vor 213 Jahren mussten hier Hunderte Menschen ihr Leben lassen. Im Dritten Koalitionskrieg lieferten sich Franzosen und Österreicher in Wertingen eine Schlacht. Österreich versuchte in Koalition mit Großbritannien, Russland, Schweden und Neapel die Vorherrschaft Napoleons in Italien, der Schweiz und in Norddeutschland zu brechen. Die Truppen waren damals über die Anhöhe zwischen Gottmannshofen und Hohenreichen gekommen, um das Schlachtfeld gut überblicken zu können. Kaiser Napoleon stand einen Tag nach der Schlacht an der Stelle, wo heute noch der mächtige Baum mit seinem Namen an ihn erinnert. Napoleons Sieg brachte der Zusamstadt immerhin eine Erwähnung auf dem Triumphbogen in Paris ein. Wenn dieses Gefecht vom 8. Oktober 1805 für den Ablauf der bayerischen Geschichte auch unerheblich war, so sollten die Folgen für die Wertinger umso einschneidender sein. Hunderte von Toten und Verwundeten mussten die Bürger versorgen. Die Stadt hatte zudem an den daraus resultierenden Schulden noch jahrzehntelang abzuzahlen.

Alte Wertinger Napoleonstanne wird nicht gänzlich gefällt

Die abgestorbene Napoleonstanne soll nach den Plänen der Verantwortlichen im Rathaus nicht gänzlich gefällt werden. Der Stumpf in einer Höhe von fünf bis sechs Metern würde so zu einem stummen Mahnmal, der Platz rundherum zu einer Gedenkstätte. Ein frisch gepflanzter Baum soll der Napoleonstanne folgen und ihr alle Ehre machen. Viele Jahre werden sie dann Seite an Seite stehen, Vergänglichkeit und neues Wachstum nebeneinander symbolisieren.

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Die Napoleonstanne muss gefällt werden, daran führt nun kein Weg mehr vorbei. Doch in unmittelbaren Nähe wird ein neuer Nadelbaum gepflanzt. Nur welcher? Stimmen Sie hier ab!

Große Küstentanne.jpg
3 Bilder
Was kommt nach der Napoleonstanne? Stimmen Sie ab!
Bild: Bärbel Schoen

Welcher Baum eignet sich als Nachfolger? – Ein Nadelbaum sollte auf jeden Fall wieder auf der Anhöhe gepflanzt werden. Ein Nadelbaum, der einmal dieselbe majestätische Größe wie die Napoleonstanne erreichen kann. Johann Reiter, der Seniorchef der gleichnamigen Baumschule und seine Tochter Gabriele Bschorr, standen dem Betriebshofleiter Johannes Deisenhofer und dem Umweltreferent Ludwig Klingler beratend zur Seite. Ludwig setzt auf eine heimische Art, die dem Klimawandel standhält. Für Deisenhofer war es unter anderem wichtig, dass sich der neue Baum mit dem Standort gut verträgt.

Gemeinsam haben sich die Verantwortlichen nun auf drei Baumkandidaten geeinigt: Große Küstentanne (Abies grandis), Fichte, auch Rottanne genannt (Picea abies), und Colorado-Tanne (Abies Concolor).

Egal, welcher Baum das Rennen macht – er wird bereits zehn bis 15 Jahre alt sein und eine Höhe von mindestens sechs Metern haben. Im Verpflanzen von Großbäumen sind die Gärtnermeister erfahren. Reiter: „Wir bekommen oft Aufträge von Firmen, Großbäume anzupflanzen.“ Die Bäume werden auf Plantagen großgezogen. Das bedeutet, sie alle drei bis vier Jahre zu versetzen. Der Ballen misst dann mindestens 1,20 Meter im Durchmesser. Mit Spezialmaschinen wird der Betriebshof anrücken und die neue Napoleonstanne fachgerecht setzen. Das Pflanzloch sollte, so der Tipp von Johann Reiter, mindestens 1,60 mal 1,60 Meter groß sein. Günstig wirkt sich die Auflockerung des Bodens in einem Umfang von 2,50 Metern aus. Stellt sich nur noch die Frage: „Wie sieht es in der Tiefe aus?“ Ein Kiesanteil wäre von Vorteil. Mit Humuszufuhr soll das Pflanzloch auf jeden Fall verbessert werden.

Hier geht es zum Voting: Über den Nachfolgebaum der Napoleonstanne kann ab sofort bei uns im Internet abgestimmt werden.

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