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Wertingen

11.12.2018

Wertinger Weihnachtskrippe ändert sich allwöchentlich gravierend

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5 Bilder
Der knapp zweijährige Emil beobachtet fasziniert mit seinen Eltern Kathrin und Julian Hofbaur das Jesus-Spiel. Indem er eine Münze einwirft, öffnen sich nicht nur dessen Türen. Gleichzeitig wird auch die große Wertinger Weihnachtskrippe in der Stadtpfarrkirche dadurch zusätzlich beleuchtet.
Bild: Birgit Hassan

Und auch bei den Figuren gibt es Veränderungen. Einzig Maria und Josef bleiben die gleichen. Wie fünf Männer ihre Samstagvormittage in der Stadtpfarrkirche verbringen und was den kleinen Emil am meisten fasziniert.

Maria lehnt wie vergessen am Eingang einer Höhle. Der Engel liegt bereits wieder in seiner Kiste über der Sakristei der Wertinger Martinskirche. Eine Woche lang hatten die beiden 30 Zentimeter großen Figuren die Verkündigung des Engels Gabriel an Maria gezeigt, dass sie den Sohn Gottes empfangen und gebären werde. Am Samstagmorgen des zweiten Adventswochenendes steht der erste Wechsel in der Wertinger Weihnachtskrippe an. Kurz nach 9 Uhr ist das Innenleben der aufwendigen fast zehn Quadratmeter großen Krippenlandschaft leer. Einzig grün-braunes Moos bedeckt den Boden. Herbert Hilscher (65) und Josef Färber (54) stehen am rechten Seitenaltar der Kirche und blättern in einem Fotoalbum. Die zweite Szene soll den Besuch Marias bei ihrer Base Elisabeth darstellen. Ungefähr wissen die beiden Männer bereits, was sie dafür brauchen: „Auf jeden Fall Elisabeths Häuschen und das Taubenhaus“, erinnert sich Färber. Gleichzeitig machen sich die beiden Männer auf den Weg – der eine ins alte Pfarrhaus, der andere in den Turm über der Sakristei.

Vor dem ersten Advent starten Wertinger Krippenbauer

Die Bestandteile der vielfältigen Wechselkrippe sind auf mehrere Orte verteilt. Vor etwa zehn Jahren haben die Männer – dazu gehören noch Benno Rößle, Karl Mießl und Franz Pötsch – die Aufgabe von den Ministranten übernommen. Bereits eine Woche vor dem ersten Advent beginnen sie alljährlich mit dem Aufbau des Grundgerüsts. „Die körperlich anstrengendste Arbeit“, sagt Hilscher. Die Kulissen bestehen aus nahezu 20 Einzelteilen – Holzgestellen mit Latten, verkleidet durch dunkelgrün eingelassene Rupfensäcke. Lichter müssen montiert, die Wasserquelle installiert werden. Nach dieser Grobarbeit kommt am ersten Wochenende erstmals Leben in die biblische Landschaft in und um Jerusalem.

Gefunden. Herbert Hilscher trägt das zusammengeklappte Holzhaus unterm Arm, Färber je zwei Figuren und Kartons. Achtsam klettern die beiden Männer durch die geöffnete Glastür in die Krippe. Kniend rutschen sie hin und her, vergleichen die Fotos der vergangenen Jahre mit dem Inhalt der Kartons. Josef Färber wirft eine kleine weiße Tischdecke über das runde Holztischchen in Elisabeths Haus, stellt Teller, Krug und Kerzenständer darauf. Als Elisabeth hat er dieses Jahr eine altrosa gekleidete Frauenfigur ausgewählt. „Eine andere als vergangenes Jahr“, sieht Mesner Christoph Steib, der an Weihnachten und Ostern im Dauerstress ist, beim Vorbeigehen sofort. „Frauenfiguren haben wir viele“, erzählt Färber, ebenso Könige, Hirten und Schafe. „Einzig Maria und Josef bleiben immer die gleichen, und Maria ist als einzige in jeder Szene dabei.“

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In rotem Kleid mit königsblauem Umhang und goldenen Borden war Maria in der ersten Szene gekniet. Jetzt steht sie aufrecht Elisabeth gegenüber. Hilscher hat dafür einen Sockel unter ihre Füße gesteckt. Indem er ihr Kleid hebt, zeigt der Arzt, der noch in Holzheim als Hausarzt tätig ist, auf die beweglichen Knie- und Hüftgelenke. Letzteres braucht sie, um auf dem Weg nach Bethlehem auf ihrem Esel zu reiten – die Herbergssuche in Szene drei. Schwanger ist Maria allerdings nie wirklich, jedenfalls körperlich an der Krippenfigur nie sichtbar. Liebevoll glättet Hilscher das Kleid der Maria, stellt sie auf das weiche Moos zurück, das aus den heimischen Wäldern stammt. „Karl Mießl sammelt dieses traditionell im Herbst“, erzählt der 65-Jährige. Mehrere Kisten bräuchten sie davon alljährlich.

Noch eine Holztreppe, den Übergang zu den Felsen mit einem Tuch kaschieren, einen Hirten samt Schäferkarren und mehrerer Schafe dazustellen, das Moos glätten – und fertig ist die zweite Szene. Bevor die Männer die große Glastüre endgültig schließen, wirft Hilscher zehn Cent in das Jesus-Spiel nebenan. Untermalt mit Musik öffnet sich die Tür, tritt das Jesukind heraus, gibt seinen Segen – und erleuchtet die große Weihnachtskrippe nebenan. Die Lichter funktionieren!

Emil kommt jede Woche in die Wertinger Kirche

Das hat selbst der knapp zweijährige Emil bereits mitbekommen. Kaum, dass die Männer die letzten Figuren, Drähte und Zangen weggeräumt haben, taucht er mit seinen Eltern in der Kirche auf. Mit der Münze in der Hand läuft das Kind zielstrebig zu dem Jesus-Spiel, wirft eine davon ein und beobachtet mit staunenden Augen das Schauspiel. Vor einer Woche hatten Kathrin und Julian Hofbaur mit ihrem Sohn bereits in der Kirche vorbeigeschaut. „Das gehört zum Einkaufen am Samstag mittlerweile dazu“, lacht der Vater. „Sonst will Emil immer schauen, ob der Mann – der Pfarrer – da ist.“ Seit letzter Woche fasziniert den Kleinen das Jesuskind. Der Vater nimmt seinen Sohn auf den Arm, schaut mit ihm, was sich in der Krippe verändert hat. Der Hirte und die „vielen Schafe“ fallen den beiden als Erstes auf. In die Hand nehmen darf Emil diese Figuren allerdings nicht. Manche davon sind über 100 Jahre alt.

Enden werden die Krippendarstellungen mit Szene acht, der Hochzeit zu Kana. Dafür werden – wie jedes Jahr – wieder acht echte kleine Torten auf dem Tisch stehen. „Wer sich traut“, sagt Hilscher, darf eine davon beim Abbauen verspeisen.

Anzuschauen ist die Wertinger Weihnachtskrippe täglich von 7.30 bis mindestens 17 Uhr, bei Abendmessen länger.

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