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28.08.2018

Wie Martha Sailer gearbeitet hat

Wertvolle Klosterarbeiten von Martha Sailer, der verstorbenen Frau von Kreisheimatpfleger Alois Sailer, zeigen die Museumsfreunde Mertingen in einer Ausstellung. Im Bild Alois Sailer mit einem Fatschenkind, einer Arbeit seiner Frau.
Bild: Hertha Stauch

Ausstellung von Klosterarbeiten am Sonntag in Mertingen

Ein vielfältiges Programm bieten die Museumsfreunde Mertingen ihren Besuchern am Sonntag, 2. September, von 14 bis 17 Uhr. In der Sölde stellt die bekannte Webgruppe „KetteSchuss“ Beispiele ihrer Kunstfertigkeit aus. Auf Handwebrahmen entstehen, aus hochwertigen Materialien, Schals und Taschen. Bei der Herstellung zuzuschauen, ist allein schon Genuss für Liebhaber schöner Handarbeiten. Im Stadel gibt das traditionelle Kartoffelfest einen ersten Vorgeschmack auf den Herbst: Kartoffeln „im Hemd“, Pellkartoffeln, direkt aus dem Dampftopf mit frischer Butter gehören zu den rustikalen Genüssen. Wer es raffinierter mag, lässt sich mit Reiberdatschi (Reibekuchen) und Apfelmus verwöhnen. Zu den weiteren leiblichen Genüssen gehört das beliebte Museumsbrot, das unter der Leitung von Helene Schabert in der Alten Schule auf herkömmliche Art gebacken wird.

Besondere Kostbarkeiten erwarten die Besucher im Ausstellungsraum der Alten Schule: Martha Sailer, vor zehn Jahren verstorbene Ehefrau des Dillinger Kreisheimatpflegers Alois Sailer, beherrschte Fertigkeiten auf einem sehr speziellen Gebiet. Mit einfühlender Frömmigkeit, mehr noch aber mit hervorragender Sachkunde und technischer Perfektion widmete sie sich der Restaurierung von sogenannten Klosterarbeiten. Sie wurden vor allem im Zeitalter des Barock und Rokoko mit großer Liebe hergestellt, litten nach der Aufklärung aber zum Teil unter Missachtung und Vernachlässigung. Es handelt sich dabei zum Beispiel um „Maien“, kunstvolle Altarsträuße, die an hohen Feiertagen die Altäre zierten, nachdem sowohl aus praktischen wie aus religiösen Motiven echte Blumen verpönt waren. Gern wurden Reliquien, Originale oder durch „Anberührung“ entstandene, mit repräsentativen Fassungen verziert und zu Tafeln zusammengestellt.

Berühmt sind die „Fatschenkinder“, Darstellungen von Jesus als Kleinkind, gewickelt, „gefatscht“, wie es über Jahrhunderte in der Säuglingspflege üblich war. Fragile Materialien, Zeit, und klimatische Bedingungen setzten den empfindlichen Gebilden zu, die besonders in den Frauenklöstern geschaffen wurden. Indem sie sich der Restaurierung, das heißt hier zunächst dem handwerklichen Nachvollzug der zarten Arbeiten, widmete, erwarb sich Martha Sailer Kenntnisse und Fertigkeiten, die sie dazu befähigten, selbst auch schöpferisch tätig zu werden.

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Die Ausstellung in der Alten Schule gibt einen Einblick, in die vielfältigen Themen und die Arbeitsweise von Martha Sailer. Sie eröffnet auch einen Einblick in eine Glaubenswelt, die nicht vom Rationalismus bestimmt wird. (he)

Die Ausstellung ist auch am Sonntag, 7. Oktober, von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen.

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