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Klezmer

07.03.2015

Wie Musik Kulturen verbindet

Musiker Andreas Arnold hat sächsische Wurzeln.
Bild: Verene Gremmer

Bayerisch-sächsische Musiker spielen in der Synagoge in Binswangen

Klezmer vom Feinsten - das liefert das Duo „Die Shtetlmusikanten“ seit ihrer Gründung 1994 mit ihren Auftritten in ganz Europa, und am 7. Mai 2015 in der Alten Synagoge in Binswangen. Andreas Arnold gilt als einer der besten Klezmer-Klarinettisten in Deutschland, der Gitarrist und Sänger Ecco Meineke ist seit den 70er Jahren eine feste Größe in der deutschen Jazz- und Soulszene.

Was bringt Musiker mit bayerischen (Meineke) bzw. sächsischen (Arnold) Wurzeln zu der Musik der aschkenasischen Juden? In Zeiten, in denen der Zentralrat der Juden seinen Glaubensgenossen davon abrät, in manchen Gegenden Deutschlands die traditionelle Kopfbedeckung – Kippa – zu tragen, kann dies als Gegenbeispiel dienen für das Zusammenwachsen der Kulturen. Ecco Meineke kann die Frage nach den Anfängen auf Anhieb gar nicht beantworten. Als Allroundtalent beschäftigt er sich seit Jahrzehnten mit den unterschiedlichsten Musikrichtungen: Folk, Blues, Soul und Jazz spielt er mit verschiedenen Bands, die Auftritte der Soul-Bigband Innersoul unter seinem Künstlernamen Ecco DiLorenzo sind legendär und sorgen für volle Säle. In dieser Band spielt Andreas Arnold das Saxofon, und als dieser seine Liebe zur Klarinette entdeckte, war er die treibende Kraft Richtung Klezmer.

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Auch für den Soul-Musiker Meineke birgt dieser Schritt eine gewisse Logik, er bezeichnet den Klezmer als osteuropäischen „Soul“ der jüdischen „Shtetln“. Die beiden Musiker durchforsteten die Archive, sammelten Noten und setzten sich intensiv mit der Geschichte dieser jüdischen Volksmusik auseinander. Wenn auch im ersten Schritt für die Künstler das musikalische Interesse im Vordergrund stand, spielt der kulturelle Hintergrund des „Jiddischen“ bei den Auftritten sehr wohl eine Rolle: Obwohl als Berufsmusiker seit Jahrzehnten unterwegs, empfinden sie einen Auftritt 1998 im jüdischen Kulturzentrum im polnischen Krakau als besondere Feuerprobe. „Das war schon ein seltsames Gefühl, als eigentlich „Reingeschmeckter“ an dem Ort und vor den Menschen zu spielen, die nun wirklich wissen, worum es beim Klezmer geht“, so Meineke.

Überhaupt schwingt die speziell deutsche Geschichte bei vielen Auftritten mit: Engagements für die Shtetlmusikanten gibt es beim Jahrestag der Reichspogromnacht im KZ Dachau als musikalische Umrahmung bei den Ansprachen, unter anderem von der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth. „Natürlich lässt sich das nicht wirklich trennen“, meint Meineke, „auch weil Klezmer eine riesige Bandbreite an Gefühlen und Geschichten transportiert.“ Außergewöhnlich bewegende Momente gab es in der Geschichte des Duos einige, ein Auftritt ist den beiden besonders nahe gegangen: Bei einer Veranstaltung in der Münchner Seidlvilla durften sie Jacques Stroumsa begleiten, den „Geiger von Auschwitz“.

Der Auftritt in der Synagoge in Binswangen reiht sich für Meineke als weiteres verbindendes Element der Kulturen hier ein: „Dass die Synagoge in Binswangen die Naziherrschaft überstanden hat, ist schon ein kleines Wunder“, meint er, und weiter: „wenn wir in diesem schönen Kulturhaus die jiddische Volksmusik zum Leben erwecken, habe ich das Gefühl, dass wir gewissermaßen unsere Reverenz erweisen.“

Zeitgleich mit dem Auftritt der Shtetlmusikanten am 7. Mai in der Alten Synagoge wird dort die Ausstellung „Ma Tovu _ wie schön sind deine Zelte, Jakob“ präsentiert, konzipiert vom Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben. Wenn hier die Geschichte von 15 schwäbischen Synagogen gezeigt wird, werden die Musiker auf das Schönste zeigen, dass diese Kultur auch in unseren Zeiten äußerst lebendig ist.

Britta Wülfing

für das Konzert hat bei Schreibwaren Gerblinger in Wertingen begonnen. Alternativ können Tickets auch per E-Mail unter shtetlmusikanten@email.de reserviert werden.

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