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Vatertag

20.05.2020

Wie der Vater so der Sohn…

Der 38-jährige Gerhard Kaltner (links) saß bereits als Dritter Bürgermeister im Buttenwiesener Gemeinderat, als sein Vater Hans Kaltner bei außertourlichen Wahlen zum Bürgermeister gewählt wurde. Vorangegangen ist den beiden in ihrem kommunalpolitischen Engagement (Groß-)Vater Georg Kaltner.
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Der 38-jährige Gerhard Kaltner (links) saß bereits als Dritter Bürgermeister im Buttenwiesener Gemeinderat, als sein Vater Hans Kaltner bei außertourlichen Wahlen zum Bürgermeister gewählt wurde. Vorangegangen ist den beiden in ihrem kommunalpolitischen Engagement (Groß-)Vater Georg Kaltner.

Gemeinsam agieren Hans Kaltner und Gerhard Kaltner als Bürgermeister in Buttenwiesen. Nicht immer sind sie einer Meinung. Bei der Arbeit entdecken sie regelmäßig Spuren des (Groß-)Vaters

Gerade drei Jahre alt ist Hans Kaltner, als sein Vater in den Gemeinderat Lauterbach einzieht. Ab der nächsten Legislaturperiode wird Georg Kaltner Bürgermeister – zunächst zwölf Jahre in der eigenständigen Gemeinde Lauterbach, nach der Gebietsreform weitere zwölf Jahre in Buttenwiesen. Als er die Altersgrenze erreicht hat, agiert er weiter als Gemeinderat. Georg Kaltner hat über Jahrzehnte das Leben in dem Ort geprägt. Und Sohn Hans? – Der sitzt heute im Chefsessel des Buttenwiesener Rathauses und an seiner Seite Sohn Gerhard als Dritter Bürgermeister. Wie der Vater so der Sohn, so der Enkelsohn – jeder ist stolz auf seinen Vorgänger und will in dessen Fußstapfen treten. „Nein!“ Hans Kaltner widerspricht vehement. Seine eigene Kindheit haben den heute 63-Jährigen lange Zeit davon abgehalten, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren.

Mit einem großen Fotoalbum sitzt Hans Kaltner am Tisch des großen Sitzungssaals im Rathaus. Ein Foto von sich und seinem Vater und seinem Sohn? Schwierig. „Wenn wir etwas fotografierten, dann die Kläranlage“, sagt er halb scherzend, halb ernst. Dass sein Vater Bürgermeister war, empfand er als Kind vorwiegend als Belastung. Wenn jemand auf Besuch kam – zu jeder Tag- und Nachtzeit – ging es in der Erinnerung des 63-Jährigen immer um die Gemeinde. Schon als Kind kannte er jeden Kanaldeckel und jede Bank in der Gemeinde. Bei den allwöchentlichen Sonntagsspaziergängen inspizierte sein Vater – und mit ihm die ganze Familie – diese regelmäßig. „Die Aufgaben und Verantwortung waren immer in seinem Kopf“, erinnert sich Sohn Hans. Und so lehnte er es zunächst konsequent ab, sich kommunalpolitisch zu engagieren.

Von 1996 bis 2002 gab es endlich eine Zeit ohne gemeindliche Verantwortung. „Kein Kaltner im Gemeinderat.“ Wie sein Vater hatte Hans Kaltner sich beruflich dem Ingenieurwesen verschrieben, eine Familie gegründet und drei Kinder in die Welt gesetzt. Von einer Bürgermeisterkandidatur wollte er 2002 zwar immer noch nichts wissen, schnupperte aber erstmals Gemeinderatsluft. Inzwischen waren die Kinder herangewachsen. Der Älteste, Gerhard, interessierte sich für die Arbeit des Vaters und Großvaters. Bei dessen Beerdigung beeindruckte den heute 38-Jährigen die Wertschätzung, die viele gegenüber seinem Großvater zeigten – ein Bürgermeister mit großem Einsatz, der durchsetzte, was er für richtig hielt.

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Stichwort Freibad. Wo eigentlich ein Regen-Rückhalte-Becken geplant war, auf dem Platz eines Gänseweihers, ließ Georg Kaltner das Lauterbacher Freibad entstehen. Noch gut sieht Sohn Hans innerlich vor sich, wie er selbst als Wasserwachtler während des Einweihungsaktes Rettungsgriffe vorführte und Landrat Martin Schweiger sagte: „Da muss man sich schon was trauen, ohne Genehmigung zu bauen und anschließend den Landrat zur Einweihung einzuladen.“

Heute nicht mehr vorstellbar, sind sich Sohn Hans und Enkelsohn Gerhard einig. Unisono sind die beiden heute umso glücklicher, dass es das Freibad gibt. Für Lauterbach, Buttenwiesen und die Region sei dies ein Gewinn. „Bei allen Familien, die regelmäßig in das Bad gehen, können die Kinder irgendwann automatisch schwimmen – eine unbezahlbare Fähigkeit, die einem ein Leben lang bleibt.“

Als 2016 in der Gemeinde Buttenwiesen außertourlich Bürgermeisterwahlen anstehen, lässt sich Hans Kaltner dann doch als Kandidat aufstellen. Die Kinder sind mittlerweile erwachsen, Sohn Gerhard sitzt seit zwei Jahren im Gemeinderat und agiert zusätzlich als Dritter Bürgermeister. Den Großvater im Visier? „Letztendlich hat bei der Wahl zum Dritten Bürgermeister nach Gleichstand das Los entschieden“, erzählt der 38-Jährige. Dass sein Gegenüber bereits im Vorfeld designiert worden war, widerstrebte ihm. Und er wusste, dass er handeln musste. „Chancen ergeben sich im Leben oft nur einmal“, sagt er. Damit stellte er gleichzeitig die Weichen für eine Konstellation, die seinesgleichen sucht: Vater und Sohn gemeinsam als Bürgermeister. Ein Problem? Die beiden schauen sich an und schütteln den Kopf. Jeder entscheide nach seinem Wissen und Gewissen, betonen sie – und somit nicht immer gleich. Zu Konfrontationen im Familienkreis hat das bisher nicht geführt. Hier konzentrieren sich Vater und Sohn eher auf gemeinsame Hobbys: Musizieren, Reisen und Kochen. Luftlinie wohnen sie heute 800 Meter voneinander entfernt in Lauterbach – ein ähnlich „gesunder Abstand“ wie seinerzeit zwischen Hans Kaltner und seinen Eltern herrschte.

Mit Abstand betrachtet sieht Hans Kaltner heute auch, was sein Vater einst in die Wege geleitet hat. „Überall treffe ich auf Spuren von ihm.“ Nicht zuletzt sitzt er heute als Bürgermeister in einem Rathaus, das sein Vater hat errichten lassen und sieht es als seine Aufgabe, das alte Nebengebäude zu sanieren und integrieren. „Wir wollen alle das Beste für die Gemeinde“, sagen die beiden CSU-Politiker, wobei Hans Kaltner betont: „Ich war kein Parteipolitiker, bin es nicht und werde es nie werden.“

Wer weiß, wie die Ära Kaltner weitergeht. Gerhards zweijährige Tochter Amira – übersetzt „Prinzessin“ – scheint die besten Voraussetzungen zu haben für einen Geschlechterwechsel. „Unser Sonnenschein hat uns bereits jetzt alle im Griff“, scherzt der Großvater.

Doch durchs Erbe wird sie nicht ins Bürgermeisteramt kommen – ebenso wenig wie ihr Vater, Großvater und Urgroßvater. Letztendlich sind es die Wähler, die entscheiden.

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