Newsticker
RKI-Chef Wieler: "Wird noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten"
  1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Wie die Banken in der Region Wertingen mit Negativzinsen umgehen

Wertingen

21.02.2021

Wie die Banken in der Region Wertingen mit Negativzinsen umgehen

Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ist äußerst ungünstig für den deutschen Sparer. Deshalb muss ein Umdenken stattfinden, empfehlen mehrere Bankenchefs aus unserer Region.

Plus Die für die deutschen Sparer ungünstige Zinspolitik und die Inflation fordern einen anderen Umgang mit dem eigenen Vermögen. Was die Banken in der Region Wertingen ihren Kunden empfehlen.

Die Corona-Pandemie und die zugehörigen Maßnahmen verändern für uns alle den Alltag maßgeblich, auch in finanzieller Hinsicht. Zum einen fallen Gehälter aufgrund von Kurzarbeit oft geringer aus. Betriebe, die aktuell geschlossen sind oder waren, haben große Probleme, sich über Wasser zu halten.

Doch was geschieht mit dem Geld, das normalerweise dort ausgegeben würde? Aktuell fallen Ausgaben wie Urlaub, Ausflüge oder Restaurantbesuche – abgesehen von Bestellungen oder Abholungen – zum Großteil weg. Konzerte oder andere größere kulturelle Veranstaltungen, bei denen sich viele Menschen begegnen würden, können ebenfalls nicht stattfinden. Zum anderen legen sich viele, die nicht in diesem Ausmaß finanziell von den Eindämmungsmaßnahmen betroffen sind, das dadurch nicht ausgegebene Geld auf die Seite.

Ende des Negativzinssatzes ist nicht in Sicht

Seit 2014 fährt die Europäische Zentralbank einen Zinskurs im negativen Bereich – und das trifft auch Sparer in unserer Region hart. Während Banken anfangs noch versucht hätten, diesen Negativzinssatz nicht an Kunden weiterzugeben, lasse sich das mittlerweile nicht mehr vollständig vermeiden, wie Jürgen Reinthaler, Vorstandsmitglied der VR-Bank HG, sagt. „Das Thema beschäftigt die gesamte Bankenlandschaft“, erklärt er.

Doch private Anleger träfe das weit weniger als gewerbliche Anleger, da bei seiner Bank im Regelfall Freibeträge bis rund 100000 Euro gelten würden. Das sei zwar kein fester Betrag, der immer gültig sei. Seine Bank bemühe sich, für jeden Kunden eine individuelle, passende Lösung zu finden. Dazu gehöre beispielsweise, das Geld, das nicht für die „Liquidität“ notwendig sei, alternativ anzulegen. Also in Fonds, Aktien, Immobilien und ähnliche Kapitalanlagemöglichkeiten.

Reinthaler empfiehlt im allgemeinen jedem Kunden, sich mit einem Berater zusammenzusetzen, um über die Möglichkeiten nachzudenken. Denn ein Ende des Negativzinssatzes sieht er in naher Zukunft nicht am Horizont.

Auch Martin Jenewein, Vorstandsmitglied der Sparkasse Nördlingen-Dillingen, teilt die Meinung, dass der Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB) in den nächsten Jahren nicht in den positiven Bereich gelangt. „Es gibt seit Jahren keinen wirklichen Zins mehr. Wer Geld gewinnen will, kommt um ein Investment nicht herum“, meint er. Begonnen hätte das Thema Niedrigzinssatz bereits in der Finanzkrise vor über zehn Jahren. 2014 hätte die EZB den Leitzinssatz schließlich auf -0,4 Prozent gesetzt, dann auf -0,5 Prozent. Doch nicht nur der Zinssatz würde das Vermögen verringern, auch die jährliche Inflation bedeute jährlich automatischen Verlust. Bereits seit 2017 greife das „Verwahrentgelt“ ab ungefähr 250.000 Euro, 2021 wurde dieses dann auch für Privatkunden ab 100.000 Euro eingeführt, für Paare ab 200.000 Euro. Auch er empfiehlt seinen Kunden, größere Summen alternativ anzulegen.

Negativzinsen für Privatkunden kein Thema

„Wir wollen einen Mehrwert für unsere Kunden generieren und nicht versuchen, etwas zu vermeiden“, erklärt Robert Sauer, Vorstand der Raiffeisenbank unteres Zusamtal in Buttenwiesen. Auch er ist davon überzeugt, dass „Sparen“ alternativ in Form von Anlagen erfolgen sollte und nicht als Geld auf dem Konto. Negativzinsen seien auch bei seiner Bank für die meisten Privatkunden kein Thema – erst bei Großanlegern würden diese weitergegeben. Er sieht das Problem mehr in der Inflation von rund zwei Prozent jährlich.

Sauer ist ebenfalls davon überzeugt, die besten Möglichkeiten könnten mit einem Berater der Bank vor Ort besprochen werden. Mögliche Investitionen seien auch seiner Meinung nach Fonds, beispielsweise in den Bereichen Immobilien, Aktien oder einer fondsgebundenen Altersvorsorge, auf die in gleichmäßigen Abständen eingezahlt wird. Sein Motto lautet dabei in der aktuellen Situation: „Nicht sparen, sondern bewusst anlegen.“

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren