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Wertingen

04.05.2019

Wie frei sind die Journalisten der Wertinger Zeitung?

Normalerweise stellt Redakteur Benjamin Reif (Zweiter von rechts) die Fragen. Bei den Schülermedientagen ging es um die Herausforderungen, die den Alltag von Journalisten bestimmen.
Bild: Christian Aigner

Ein Redakteur der WZ berichtet aus seinem Berufsalltag.

Der 3. Mai ist traditionell der Tag der Pressefreiheit. Heuer wurde dieser Tag bayernweit zusammen mit dem „Schülermedientag“ begangen – Ziel war es, Schüler an die große und facettenreiche Welt der Medien heranzuführen. Zu diesem Zweck besuchte auch Redakteur Benjamin Reif von der Wertinger Zeitung das Gymnasium Wertingen und wechselte quasi die Seiten: Er stellte sich den zahlreichen Fragen der Redaktion der Schülerzeitung Echo und einiger weiterer interessierter Schüler sowie der betreuenden Lehrkräfte Sandra Bauer und Christian Aigner.

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Heraus kam ein offenes, anderthalbstündiges Gespräch, in dessen Verlauf die Schüler dem Redakteur detaillierte Informationen über die Arbeit bei der Zeitung entlockten. Gleich nach wenigen Minuten eine wichtige Frage: Ist man in der Arbeit als Lokaljournalist wirklich frei? Die kurze Antwort darauf: ja. Doch ein bisschen Ergänzung schadet hier nicht. Der Informationsfluss, das tägliche Geschehen im Einzugsbereich der Tageszeitung – im Falle der Wertinger Zeitung sind das Wertingen, Binswangen, Laugna, Villenbach, Zusamaltheim sowie Buttenwiesen und die jeweiligen Ortsteile – gebe ein Stück weit die Berichterstattung vor, sagte Reif. Was im gesellschaftlichen Leben passiert, werde von den Journalisten eingeordnet.

Über was berichtet die Wertinger Zeitung - und über was nicht?

Die reine Berichterstattung folge streng der Faktenlage – erzählen, was ist, ohne Wichtiges wegzulassen oder aus dem Zusammenhang zu reißen. „In den Kommentaren darf dann die Meinung des Verfassers zum Ausdruck kommen.“ Nachfrage aus den Reihen der Schüler: Herrscht wirklich Meinungsfreiheit? Ja, jeder Redakteur, so Reif, könne seine Meinung in den dafür vorgesehenen Rubriken einbringen, auch wenn der Rest der Redaktion eine andere Meinung hat.

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Gibt es ein Thema, über das die Redaktion nicht berichtet? Ja, Selbstmorde etwa, wenn die Öffentlichkeit davon nicht berührt ist. Die Berichterstattung über Suizide führe nachweislich dazu, dass gefährdete, depressive Menschen sich beim Lesen dieser Nachrichten vermehrt dazu entscheiden, sich das Leben zu nehmen. Generell gilt, dass bei jeder Form von Berichterstattung das öffentliche Interesse vom Redakteur als höher zu bewerten sein muss als der Einblick in die Privatsphäre der betroffenen Personen. Ein sensationslüsterner Journalismus, von der Gier nach schrecklichen Bildern getrieben, wird manchmal in Spielfilmen dargestellt. Einen solchen Ansatz verfolgt die Wertinger Zeitung nicht, betonte Reif.

Muss ein Redakteur immer erreichbar sein?

Es kam im Gespräch die Frage auf, ob dies dann nicht für Bilder von Unfallorten zutreffe. In unserer Zeitung kommen solche nur mit unkenntlich gemachten Nummernschildern vor, um die Privatsphäre der betroffenen Personen zu schützen. Es gebe allerdings, wie Reif sagte, ein berechtigtes öffentliches Interesse an Verkehrsunfällen, das nichts mit Voyeurismus zu tun habe, sondern mit der Information über Unfallorte und Schwerpunkte. So könne eine Debatte entstehen, aus der Verbesserungen resultieren. Jüngstes Beispiel ist die neue Fahrbahn zwischen Roggden und Wertingen, bei der die unfallträchtige Hesselbachkurve entschärft wurde.

Und noch eines interessierte die Wertinger Schüler: Muss ein Redakteur 24 Stunden auf Abruf bereit stehen? Reif antwortet mit „Jein“. Auch Zeitungsjournalisten verabschieden sich in den Feierabend. Aber wenn es „brennt“, im sprichwörtlichen wie im Wortsinne, dann muss der Feierabend warten. (br)

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