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Energiewende

15.12.2017

Wie man Strom vom Dach im Keller speichert

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Wie man den Strom von der Photovoltaik-Anlage zuhause in ausrangierten E-Auto-Batterien speichern und selbst wieder nutzen kann, erläuterte Diplom-Ingenieur Bernhard Rindt jetzt bei seinem Vortrag im Windstützpunkt in Lauingen.
Bild: Florian Eisele

E-Auto-Batterien können mehr als nur Elektroautos antreiben, erklärt ein Ingenieur in Lauingen

Was wäre wenn man als Häuslebauer, Hausbesitzer oder Mieter den Strom von der Photovoltaik-Anlage (PV) auf dem Dach selbst speichern könnte? Mehr noch: Wenn man den gespeicherten Strom auch selbst nutzen könnte, egal wann man ihn braucht? Oder ihn sogar an den Nachbarn abgibt - für dessen E-Auto?

Bernhard Rindt weiß, dass das funktioniert. Denn in Kempten macht die städtische Wohnbaugesellschaft Sozialbau beim Projekt Elsagenau das, erläuterte der Geschäftsführer der Firma Egrid im Windstützpunkt in Lauingen. Im Frühjahr habe die Kemptener Wohnbaugesellschaft drei Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 37,1 kWp (Kilowatt Spitzenleistung) auf drei ihrer Mehrfamilienhäuser installiert. 13 von 21 Mietern nehmen an dem Projekt teil, auch der Allgemeinstrom für Flur, Keller, Heizung und mehr wird so geliefert. Zusammen ergibt dies einen jährlichen Stromverbrauch von 36000 Kilowattstunden.

Der Sonnenstrom wird aber nicht ins Stromnetz eingespeist, sondern in einer nahen Trafostation in ausrangierten Batterien von Autos der Marke Renault-Kangoo gespeichert. Die fünf Autobatterien haben eine Speicherkapazität von 66 Kilowattstunden (Gewicht etwa 50 Kilogramm pro Stück). Eine dreiköpfige Familie braucht in einer Woche in etwa diese Menge Strom.

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Wenn der Energieverbrauch die Stromerzeugung übersteigt, in der Regel am Abend, geben diese Auto-Batterien den Strom – als sogenannten Mieterstrom – wieder an die Verbraucher ab. Und was passiert, wenn alle Mieter gleichzeitig den gespeicherten Strom abrufen? „Heutzutage ist der Strombedarf vor allem zwischen 17 und 22 Uhr am höchsten“, weiß Bernhard Rindt. Aber es komme genug Strom zusammen, um den Spitzenbedarf abzufedern. Unterm Strich werden die Mieterstromkunden zu 137 Prozent aus der PV-Anlage versorgt. Mit dem Batteriespeicher des Projekts ist ein theoretischer Eigenverbrauch von 100 Prozent gegeben. Und weil der Strom nicht ins Leitungsnetz eingespeist wird, fallen auch die dafür üblichen Netznutzungsgebühren weg. Der vor Ort erzeugte Strom entlastet also auch die Haushaltkasse.

Das Projekt Elsa sei das erste Mieterstromprojekt im Allgäu. Dabei können „Mieter aktiv an der Energiewende teilnehmen, weil sie regenerativen PV-Strom direkt vom „eigenen“ Dach beziehen“, so Rindt. Beim Speichermedium gibt es für ihn keine Alternative zu Lithium-Ionen. „Blei macht keinen Sinn“, war seine eindeutige Antwort auf eine der zahlreichen Fragen aus dem Publikum. Bernhard Rindt ist überzeugt, dass Stromspeicher „zum jetzigen Zeitpunkt beginnen wirtschaftlich zu werden“. Bei Nutzkapazitäten zwischen 1,7 Kilowattstunden und 28,7 Kilowattstunden lägen die Nettopreise für Lithium-Ionen Solarstromspeicher zurzeit zwischen 938 und 5270 Euro. Der Speicher mache sich inzwischen nach sechs bis acht Jahren bezahlt.

Eine detaillierte Planung der Gesamtanlage sei allerdings Grundvoraussetzung. Diese reiche von der Frage wie viel Dachfläche man tatsächlich für die PV benötigt bis hin zu dem Gedanken, dass man in Zukunft auch über einen „Strom-Nachbarschaftshandel“ nachdenken müsse. Warum sollte nicht der Strom für das E-Auto des Nachbarn von der PV-Anlage bzw. dem Batteriespeicher des anderen Nachbarn kommen? Grundsätzlich müsse man aber die Menschen „dazu kriegen, dabei auch noch ein gutes Gefühl zu haben“. Dieses „gute Gefühl“ für die Energiewende müsse nach Landrat Leo Schrell „im Kopf“ der Menschen beginnen. Jeder noch so kleine Schritt trage dazu bei, meinte der Landrat, nicht ohne sein Mantra zu wiederholen, dass der Landkreis seit 2007 den CO2-Ausstoß seiner öffentlichen Gebäude um etwa 94 Prozent reduziert habe.

Nach Einschätzung des Egrid-Geschäftsführers werden sich auch die Energieversorger von ihrer bisherigen „Denke“ verabschieden müssen. Bei einem Anteil von 60 bis 70 Prozent erneuerbarer Energie sei das höchste Zeit. Für sie gehe es nicht mehr um die Frage „wie verkaufe ich Kilowattstunden“, sondern vielmehr darum, neue Energiekonzepte zu erstellen.

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