Kunst

09.10.2017

Wind, der nicht weht

Eine Schau zum fünfjährigen Jubiläum der Kunstschule KuK: KuK-Mitbegründerin Burga Endhardt stellt zusammen mit Eduardo Cardozo aus.
Bild: Bärbel Schoen

Von der Lust am Paradoxen und am Verlassen ausgetretener Pfade. Burga Endhardt und Eduardo Cardozo präsentieren zeitgenössische Werke in der Städtischen Galerie Wertingen

Ein Wind, der nicht weht. Eine Bachsuite im Sambarhythmus. Ein Kreis als Exklusionsmaschine. Und Pfützen, die Wunderwerke sein sollen. Die Lust am Paradoxen und an Grenzüberschreitungen schimmerte während der gestrigen Eröffnung der Ausstellung „Cerca“ mit den Malern Burga Endhardt (Frauenstetten) und Eduardo Cardozo (Montevideo) immer wieder durch.

„Cerca“, was übersetzt „nahe“ bedeutet, bezeichnete nicht nur das verwandte Denken der beiden Künstler, sondern verband sich auch mit den Musikern (Professor Daniel Mark Eberhard, Piano, Alexandrina Simeon, Gesang, Helmut Tröndle, Percussion), die mit verjazzten Interpretationen ebenfalls gewohnte Pfade verließen.

Die Laudatio hielt Wolfgang Mennel, ehemaliger Wertinger Kunstpreisträger von 2005. Zwei Tage zuvor hatte er sich die über 40 Werke betrachtet und Notizen gemacht. Vor allem über ein Bild, in dem ein Loch klaffte, das gestern nicht mehr da war. „Cardozo scheint nicht gewillt zu sein, Brüche zu kaschieren“, so Mennel. Der Betrachter gerät zwischen zwei Fronten, „bis ihn der Blitz der Erkenntnis trifft“. Und wo Kinder ihre Eltern auf die Palme bringen, findet Cardozo in der Wasserpfütze einen willkommenen Spiegel. Je nach Standpunkt taucht immer ein anderer Aspekt auf. „Wasserlachen sind Wunderwerke“: Wo eben noch nichts war, seien plötzliche neue Formen entstanden, deren klare Grenzen klar definiert sind, aber das nicht blieben, weil das Wasser verdunstet oder Kinder vorbeikommen. Cardozo, der Maler aus Uruguay, zeigt in seinen Bildern Reflexion und Reflektor in einem. So wie bei einem seiner großformatigen Werke „Wind, der nicht weht“.

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Eine experimentierfreudige und vielsprachige Erzählerin ist auch Burga Endhardt. Die frühere Lüpertz-Stipendiatin und mehrfache Preisträgerin „riskiert permanent einen Neuanfang“ und lässt Scheitern und Gelingen zu. Mennel: „Sie lässt sich kontrolliert auf den Zufall ein, indem sie das Papier mit Wasser oder feuchter Farbe vorbehandelt, bis es im Prozess von Aufweichen und Austrocknen eine innere Struktur gefunden hat.“

Hier finden sich Parallelen zu Eduardo Carcozo, der seinen Papieren und Leinwänden ebenfalls einigen Spielraum lässt, sich selbst zu formen und zu verformen. Für den Betrachter ist das Wesentliche an der Kunst nicht unmittelbar sichtbar, sondern teil sich ihm indirekt mit. Mit dem traditionellen Zeichengerät Graphit verlässt Endhardt herkömmliche Wege. In Kombination mit nasser Farbe, bringt sie eigenwillige Ergebnisse hervor. Am eindrucksvollsten ist der metallisch-schimmernde Effekt, der an Panzer erinnert. Panzer, der schützt, aber auch durch seine Schwere verletzlich macht. „Aus dieser Auseinandersetzung strömt permanent Kraft aus Endhardts Zeichnungen.“

Beide Künstler würden sich eher auf Kippfiguren als auf eindeutige Positionen konzentrieren. Freie Linien seien ihnen lieber und vertrauter als Schubladen und Kategorien. Die Version von „Cerca“ sei kein Beliebiges oder Ungefähres, sondern eine besondere Konzentration auf das Unfassbare, das Vorübergehende und ein Höchstmaß an Wahrnehmung des Verborgenen.

geht bis zum 19. November. Burga Endhardt führt am 29. Oktober und am 5. November persönlich durch die Galerieräume und gibt Einblicke in das Kunstschaffen.

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