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12.03.2009

"Wir sind hier in Wertingen nicht auf einer Insel der Seligen!"

Wertingen Der Amoklauf von Winnenden schockierte gestern nicht nur die Bevölkerung, sondern vor allem auch die Schulen, die Schüler, die Lehrer. Die Wertinger Zeitung sprach mit Cornelius Brandelik, dem 2. Konrektor der Staatlichen Realschule in Wertingen:

Was kann man tun, um solche Amokmorde zu verhindern?

Brandelik: Im Endeffekt muss man präventiv tätig sein. Wir haben Schulsozialarbeit an unserer Schule.

Es gibt an Wertingens Realschule also eine Betreuung?

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Brandelik: Eben diese Schulsozialarbeit, dafür gibt es speziell ausgebildete Fachleute, das machen nicht die Lehrer nebenher. Bei uns macht diese Schulsozialarbeit Bernadette Farquhar. Sie ist neun Stunden pro Woche bei uns. Wir teilen uns diese Schulsozialarbeit mit anderen Schulen. Wir sind froh, dass wir diese Möglichkeit haben. Es ist nicht selbstverständlich, dass es diese Einrichtung an einer Realschule überhaupt gibt!

Ist diese Hilfe in Wertingen denn eigentlich nötig?

Brandelik: Wir sind hier in Wertingen nicht auf einer Insel der Seligen! Die Situation ist hier sicher nicht so wie in einer Großstadt, wie in München zum Beispiel. Aber auch hier bei uns beginnt das soziale Umfeld der Schüler zu bröckeln. Nicht immer wachsen Kinder in einer glücklichen und funktionieren Familie auf. Die Probleme nehmen auch bei uns zu.

Werden die Lehrer geschult, mit depressiven oder gewalttätigen oder auffälligen jungen Leuten umzugehen?

Brandelik: Es gibt ja keine Gebrauchsanweisung für so etwas, die man in einem schnellen Crash-Kurs erlernen könnte. Aber jeder Lehrer hat während seinem Studium auch Pädagogik gehabt und bildet sich weiter. Es gibt auch ein überregionales Kriseninterventionsteam, das bei einem Notfall an die Schule käme. Zum Beispiel bei einem Unfall oder wenn etwas Schlimmes geschieht, wo man professionelle Hilfe benötigt.

Machen sich die Schulleitungen Gedanken über Amok-Verbrechen wie in Erfurt oder nun in Winnenden?

Brandelik: Jeder macht sich da Gedanken! Jeder! Und natürlich gibt es an der Schule auch einen Notfallplan. Aber wenn so ein Unglück dann konkret eintritt, dann ist das sicher eine ganz andere Sache! So etwas wie in Winnenden ist nicht vorhersehbar! Da macht sich eine gewisse Hilflosigkeit breit. Aber, wie gesagt, man macht sich natürlich Gedanken. Und wir haben unseren eigenen Sicherheitsbeauftragten Christian Deckardt. Und natürlich gibt es einen Maßnahmenkatalog. Denken sie zum Beispiel nur an die Brand-Vorsorge. Die Evakuierung der Schule wird beim Feueralarm geübt.

Wird man diese Morde in Winnenden mit den Schülern im Unterricht diskutieren?

Brandelik: Ja, sicher! Es ist leider nicht der erste Anschlag dieser Art. Denken Sie an Erfurt oder an die Vorfälle an Schulen in Amerika. Das Thema wird bei uns sicher im Religions- und Ethikunterricht behandelt. Und auch in unseren Klassenstunden. Das ist jeden Mittwoch die siebte Stunde, in welcher der Klassleiter mit den Schülern zusammen ist.

Früher kannte man solche Schul-Amokläufe nur aus Amerika, jetzt geschehen sie auch bei uns - warum geschehen solche Dinge nun vermehrt auch in Deutschland?

Brandelik: Wir sprachen vorhin schon darüber. Ich meine, dass auch bei uns die Verhältnisse in den Familien nicht mehr so stabil sind wie früher. Und in den Medien sind solche Dinge zu sehen. Das hat anscheinend auf gewisse Menschen eine Vorbildwirkung. Mantelteil

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