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Zusamaltheim

28.06.2018

Zusamaltheims Schule wird zum Opernhaus

Das Projekt „Junge Oper Detmold“ ist eine Art Wanderbühne, die verschiedene klassische Werke und Musicals für Schüler aufbereiten. Ziel ist es, klassische Werke in die junge Generation zu tragen. Nach Zusamaltheim brachten die beiden Opernsänger Alexander Schubert und Stefan Lindemann (rechts unten) die „Zauberflöte“ mit.
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Das Projekt „Junge Oper Detmold“ ist eine Art Wanderbühne, die verschiedene klassische Werke und Musicals für Schüler aufbereiten. Ziel ist es, klassische Werke in die junge Generation zu tragen. Nach Zusamaltheim brachten die beiden Opernsänger Alexander Schubert und Stefan Lindemann (rechts unten) die „Zauberflöte“ mit.

112 Kinder von sechs bis elf Jahren führen heute Abend in Zusamaltheim Mozarts berühmte Oper „Die Zauberflöte“ auf. Geprobt wurde vorher mit professionellen Opernsängern.

 „Wir haben hier tolle Schauspieltalente entdeckt“, sagt Stefan Lindemann, Leiter der Jungen Oper Detmold nach zwei Probetagen an der Grundschule in Zusamaltheim. Während der Opernsänger und Regisseur 30 Kinder in die Schauspielkunst einweiht, stimmt sein Kollege Alexander Schubert, Musikpädagoge und Opernsänger, den 80-köpfigen Chor ein. Heute werden beide Gruppen erstmals zusammen proben. Danach heißt es „Bühne frei für das jüngste Opernensemble Deutschlands.“

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Seit Wochen schon bereitet sich die gesamte Schule auf die Zauberflöte vor. Sechs- bis Elfjährige kennen Mozarts berühmte Oper jetzt aus dem ff – den Inhalt der märchenhaften Geschichte, die Hauptdarsteller und auch den Komponisten selbst. Sollte ein Akteur wegen Bauchweh oder zu großem Lampenfieber ausfallen, dürfte es für den Ersatzspieler kein Problem sein, dessen Rolle zu übernehmen. Die Kinder kennen alle Texte auswendig. Gemeinsam mit den beiden Musikprofis wurden die wichtigsten Szenen und Melodien einstudiert. „Der Vogelfänger bin ich ja, stets lustig, heisa, hopsasa“: Wer kennt sie nicht, diese berühmte Arie aus Mozarts Zauberflöte?

Köstliche Szenen erwarten die Besucher am heutigen Abend ab 18.30 Uhr in der Mehrzweckhalle in Zusamaltheim. Die Wertinger Zeitung durfte vorab in die kleine Welt der Oper hineinschnuppern: „Was bist du für ein Vogel?“ „Ein Vogel, ich? Du hast wohl einen Vogel. Ich bin kein Vogel...“ Die Geschichte von der Zauberflöte kommt den Kindern entgegen, handelt es sich doch um einen märchenhaften Stoff – um einen Vogelfänger namens Papageno mit einer Flöte um den Hals. Der lustige Kerl gerät seit der Begegnung des Prinzen Tamino und der Schlange zunehmend in Schwierigkeiten. Er hilft Tamino dabei, die entführte Prinzessin Pamina zu befreien. Zuvor müssen sie jedoch drei Prüfungen bestehen: Tamino muss schweigen, den Sturm bezwingen und dem Feuer widerstehen. Als die Königin der Nacht und der Operpriester Sarastro auftreten, erzittert die Bühne...

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Michael Baatz besetzt die wohl wichtigste Rolle: die des Souffleurs. Der Zehnjährige darf den Faden nicht verlieren und muss immer dann einspringen, wenn es am Text hapert. Vergisst ein Schauspieler einen Satz, wird Michael ein ganz bestimmtes Geräusch erzeugen, damit der Aussetzer nicht auffällt und dann den Text zuflüstern. Genaueres soll hier nicht verraten werden.

Stefan Lindemann gibt den kleinen Akteuren zum Schluss einige Tipps mit auf den Weg: „Bestimmte Szenen werden beim Publikum Gelächter auslösen. Macht eine Pause, lasst euch Zeit und sprecht langsam und deutlich.“

Die Beschäftigung mit der Zauberflöte habe die Kinder in die Welt der Oper herangeführt, sagt Schulleiterin Katja Chromik. „Durch Selbsterfahrung konnte spielerisch eine Brücke zur Oper geschlagen werden.“ Von manchen Kindern sei sie überrascht, welche Talente in ihnen schlummerten. Die Idee, neben künstlerischen und sportlichen Veranstaltungen einmal ein musikalisches Projekt anzubieten, kam von Susanne Schwarz. Die Grundschullehrerin ist selbst passionierte Musikerin und Sängerin, spielt Klavier und Gitarre. „Musik sollte einen höheren Stellenwert in der Grundschule haben“, betont sie. Viele Kinder hätten heute keinen Zugang mehr zur Musik. Impulse könnten solche außergewöhnlichen Projekte wie die Zauberflöte geben. Bei der Aufführung gehe es nicht um Perfektionismus. „Kinder sollen spüren, dass so ein Projekt richtig Arbeit macht.“ Am Ende könnten sie auf der Bühne das Adrenalin spüren. „Das ist ein super Erlebnis, das die Kinder nicht so schnell vergessen“, weiß Susanne Schwarz aus Erfahrung. Auf alle Fälle stärke der Auftritt das Selbstbewusstsein. „Die Kinder werden mit Herzblut dabei sein.“ Mit gebastelten Vogel-Masken, mit skizzierten Steckbriefen, Konterfeis von Wolfgang Amadeus Mozart und selbst gebackenen Mozartkeksen stimmt sich die ganze Schule auf Oper ein. Der neunjährige Ibrahim Zyed aus Irak, der erst seit zwei Jahren in Zusamaltheim im Asylheim lebt, hat sich in den vergangenen Tagen als kleines Schauspieltalent entpuppt. Wenn er spricht, kommt die Schönheit der deutschen Sprache besonders zur Geltung. Gekonnt schlüpfen auch Maria-Sophie Schneider (Königin der Nacht) und Luisa Miller (Pamina 1) in ihre Rollen. Und wer weiß, welche Talente noch zum Vorschein kommen werden, wenn der Vorhang aufgeht und die Scheinwerfer die Bühne hell erleuchten...

Auf die heutige Generalprobe freuen sich die beiden Profis von der Jungen Oper Detmold. Alexander Schubert und Stefan Lindemann werden die schweren Arien und Duette singen. „Ansonsten sind wir nur schmückendes Beiwerk.“

„Die Zauberflöte“ solle von Kindern für Kinder (und natürlich für Eltern und Großeltern) aufgeführt werden. Der Applaus ist ihnen sicher.

Die Aufführung findet am heutigen Donnerstag, 28. Juni, um 18.30 Uhr in der Mehrzweckhalle in Zusamaltheim statt. Einlass ist ab 18 Uhr.

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