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Frauen Wertingen: Kandidatinnen wollen Stadtrat vielfältiger und moderner gestalten

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Frauen für den Wertinger Stadtrat: „Ich kandidiere, weil mir aufgefallen ist, wer fehlt“

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    Ziehen nach der Stadtratswahl mehr Frauen in das Wertinger Gremium ein?
    Ziehen nach der Stadtratswahl mehr Frauen in das Wertinger Gremium ein? Foto: Soeren Stache, dpa (Symbolbild)

    Elisabeth Weiß, 39 Jahre und aus Wertingen, kandidiert für die CSU auf Platz 7

    Ich freue mich, die Liste der CSU und der Unabhängigen bei der Wertinger Stadtratswahl unterstützen zu können. Zur Kandidatur bewogen hat mich der Wunsch, mich für meine Heimatstadt Wertingen aktiv einzusetzen und relevante lokale Themen voranzubringen. Außerdem sind mir Transparenz und Bürgernähe in der Lokalpolitik wichtig.

    Elisabeth Weiß, CSU-Kandidatin.
    Elisabeth Weiß, CSU-Kandidatin. Foto: Benjamin Wilde

    „Gerechte und zukunftsfähige Stadt für alle“

    Auffallend ist, dass leider aktuell die Frauen im Wertinger Stadtrat massiv unterrepräsentiert sind. Eine politische Vertretung sollte jedoch die Zusammensetzung der Bevölkerung widerspiegeln. Dadurch können die Interessen der einzelnen Gruppen angemessen berücksichtigt werden. Damit meine ich aber nicht nur Bereiche, die Frauen unmittelbar betreffen, wie zum Beispiel Bildung, Pflege oder Kinderbetreuung. Auch andere wichtige Themen, beispielsweise im Finanzbereich, können durch weibliche Hand vorangebracht werden, da Frauen hier nicht minder qualifiziert sind.

    Zudem motivieren sichtbare Frauen in Politik und Führungspositionen andere Frauen zur politischen Teilnahme. Es wäre schön, wenn Frauen künftig auch in der Wertinger Kommunalpolitik mehr Berücksichtigung finden, um eine gerechte und zukunftsfähige Stadt für alle zu gestalten.

    Hertha Stauch, 71 Jahre aus Geratshofen, kandidiert für die Grünen auf Platz 1

    Hertha Stauch, Stadträtin und Kandidatin der Grünen.
    Hertha Stauch, Stadträtin und Kandidatin der Grünen. Foto: Z-Studio Wertingen

    Wenn ich als Stadträtin den kleinen Sitzungssaal im Wertinger Schloss betrete, dann treffe ich auf eine Galerie von altehrwürdigen Herren. Die Ehrenbürger der Stadt schauen mir da von den Bildern ernst entgegen. Als Tochter eines Kommunalpolitikers habe ich sie alle erlebt, unsere „Stadtväter“. Ich schätze ihre Verdienste um Wertingen von den 50ern bis in die 2000er Jahre sehr. Und dennoch meine ich, dass es jetzt an der Zeit ist, den kleinen Sitzungssaal zu erneuern. Gleichzeitig frage ich mich: Wo ist die Geschichte der Frauen aus dieser Zeit dokumentiert, wo hängen ihre Fotos?

    „Der Blickwinkel von Männern und Frauen ist für Entscheidungen relevant“

    Als Stadträtin sehe ich mit großer Freude, dass ab Mai womöglich mehr als nur zwei Frauen im Rat sitzen werden. Ich hatte mich vor sechs Jahren um ein Mandat bei Bündnis 90/Die Grünen beworben, um Frauen in Wertingen ein Beispiel zu geben, ihnen vorzuleben, dass sie aus der zweiten Reihe heraus und ihre Stimme erheben müssen. Frauen sehen die Stadt mit anderen Augen, haben einen anderen Erfahrungshorizont als Männer. Beides – der Blickwinkel von Männern und Frauen – ist für Entscheidungen relevant.

    Ich bin überzeugt davon, dass unsere Demokratie ein Zurück in veraltete, streng geschlechterspezifische Strukturen nicht mehr zulässt. Vielfalt, die Frauen einschließt, ist für mich das Gesellschaftsmodell der Zukunft. Diese Vielfalt wünsche ich mir für den neuen Wertinger Stadtrat. An der Zahl der Kandidatinnen wird es nicht scheitern. Es gilt auch, gerade als Wählerin, die Frauen in der Kommunalpolitik zu stärken!

    Maria Knab, 46 Jahre und aus Wertingen, kandidiert für die SPD auf Platz 2

    Maria Knab, Kandidatin der SPD.
    Maria Knab, Kandidatin der SPD. Foto: David Knab

    Ich kandidiere, da es mir schon lange ein großes Anliegen ist, mich für die Demokratie starkzumachen und den spaltenden Kräften auch hier bei uns im Ort Contra zu zeigen. Ich möchte besonders alten Menschen, Behinderten und deren Pflegenden den Rücken stärken, um ihren Alltag zu erleichtern. Durch meine Arbeit im Wertinger Krankenhaus weiß ich, wie schwer es ist, zu pflegen.

    Auch die Bedürfnisse der Familien mit Kindern liegen mir am Herzen. Aus meinem eigenen Alltag als Mutter kenne ich deren Probleme. Als Schülerlotsin sehe ich ständig gefährliche Situationen. Durch gute Planung und Steuerung des Verkehrs möchte ich es ermöglichen, dass mehr Kinder laufend oder radfahrend sicher zur Schule kommen.

    Ohne Frauen „fehlt ein wesentlicher Teil an Wissen“

    Die Integration der ausländischen Mitmenschen ist für mich auch sehr wichtig. Wir brauchen sie, um unsere Rente zu stabilisieren und als Arbeitskräfte, vor allem auch in der Pflege. Ohne sie würde schon jetzt vieles nicht mehr funktionieren. Durch Mitarbeit in den Vereinen ist es möglich, sie schneller einzubeziehen.

    Im Stadtrat möchte ich soziale, menschliche, ehrliche Impulse setzen! Ich möchte ein Vorbild sein für andere Frauen, den Mut zu haben, sich einzubringen. Solange Frauen in den Räten unterrepräsentiert sind, fehlt ein wesentlicher Teil an Wissen. Frauen bringen oft andere Alltagserfahrungen mit ein und sorgen so für Lösungen, von denen die ganze Gesellschaft profitiert.  

    Katja Killisperger, 36 Jahre und aus Gottmannshofen, kandidiert für die Freien Wähler auf Platz 1

    Katja Killisperger, Kandidatin der Freien Wähler.
    Katja Killisperger, Kandidatin der Freien Wähler. Foto: Jonas Ziegler

    Ich bin in Wertingen verwurzelt – hier lebe ich, hier arbeite ich, hier wächst unser Sohn auf. Genau deshalb möchte ich mitentscheiden, wie sich unsere Stadt weiterentwickelt. Politik ist für mich nichts Abgehobenes, sondern betrifft unseren Alltag ganz konkret: Kinderbetreuung, Schulen, Vereine, Ehrenamt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

    „Deshalb sollten auch möglichst viele unterschiedliche Lebensrealitäten vertreten sein“

    Ich erlebe täglich, wie viel Organisation, Flexibilität und Verantwortungsgefühl es braucht, Familie, Beruf und Engagement miteinander zu verbinden. Diese Perspektive kommt im Wertinger Stadtrat aus meiner Sicht noch zu selten vor. Entscheidungen werden dort für alle getroffen – deshalb sollten auch möglichst viele unterschiedliche Lebensrealitäten vertreten sein. Gerade Frauen bringen andere Erfahrungen, Blickwinkel und Prioritäten ein, etwa bei Familie, Bildung, Ehrenamt und dem sozialen Miteinander.

    Ich wünsche mir eine Kommunalpolitik, die nicht nur verwaltet, sondern gestaltet. Die offen ist für neue Ideen, den Mut hat, Dinge zu verändern und Verantwortung übernimmt. Mein Leitsatz „Ideen. Mut. Veränderungen.“ beschreibt genau diesen Anspruch.

    Ich kandidiere, weil ich mich einbringen will – mit Struktur, Organisationstalent und dem Blick einer jungen Mutter und Unternehmerin. Ich will nicht nur zuschauen, sondern Verantwortung übernehmen und Wertingen aktiv mitgestalten.

    Franziska Deisenhofer, 32 Jahre und aus Hohenreichen, kandidiert für die CSW auf Platz 2

    Franziska Deisenhofer, Kandidatin der Christlich-Sozialen Wählergemeinschaft (CSW).
    Franziska Deisenhofer, Kandidatin der Christlich-Sozialen Wählergemeinschaft (CSW). Foto: Christlich-Soziale Wählergemeinschaft

    Wenn man sich den Stadtrat anschaut, merkt man schnell: Knapp die Hälfte der Bevölkerung fehlt. Von 20 Stadträten sind es nur zwei Frauen, die leider nicht alle Generationen vertreten. Gleichzeitig sind laut letztem Zensus gut 51 Prozent der Wertinger weiblich. Das passt einfach nicht zusammen.

    Mir ist das besonders bewusst geworden, als der Stadtrat im Sommer 2024 Betriebe im Stadtgebiet besichtigt hat – auch den Legehennenbetrieb meiner Eltern. Ich stand da und dachte mit meinen 31 Jahren plötzlich: Hier entscheiden fast nur Männer über Themen, die meinen Alltag, meine Zukunft und auch die von anderen Frauen direkt betreffen. Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen.

    Wunsch nach altersmäßiger und geschlechtergerechter Abbildung der Bevölkerung

    Frauen haben eine andere Lebensrealität und andere Bedürfnisse als Männer. Wir kennen den Alltag zwischen Familie, Arbeit, Haushalt, Ehrenamt, Pflege und jonglieren all diese Verantwortung. Es ist erwiesen, dass Entscheidungen oft an Männern ausgerichtet sind, weil sie meist die Einzigen sind, die dabei am Tisch sitzen. Einseitige Gremien entscheiden einseitig – egal, wer dort sitzt.

    Ich kandidiere, weil mir aufgefallen ist, wer in unserer Kommunalpolitik fehlt. Ich wünsche mir einen Stadtrat, der unsere Bevölkerung realistisch abbildet: altersmäßig und geschlechtergerecht. Junge Frauen entscheiden bisher kaum mit, das möchte ich ändern – mit gesundem Menschenverstand und der einfachen Frage: Für wen machen wir Wertingen eigentlich?

    Andrea Hefele, 46 Jahre und aus Hettlingen, kandidiert für die KUL auf Platz 4

    Andrea Hefele, Kandidatin der Kommunalen Umweltliste (KUL).
    Andrea Hefele, Kandidatin der Kommunalen Umweltliste (KUL). Foto: Kommunale Umweltliste Wertingen

    Die Weltbevölkerung besteht fast zur Hälfte aus Frauen. Es sollten mehr Frauen in den Wertinger Stadtrat einziehen, damit der Bevölkerungsdurchschnitt abgedeckt ist. Dass das klappt, halte ich für unwahrscheinlich. Es wäre allerdings schön, wenn es fünf bis acht Frauen in das Gremium schaffen und nicht, wie bisher, nur zwei.

    Der Stadtrat scheint mir noch immer eine Männerdomäne zu sein. Viele Frauen sind da eher verhalten, weil sie zu Hause stärker eingebunden sind und sich verantwortlich fühlen. Das merke ich im Bekanntenkreis, Stichwort Care-Arbeit. Sie kümmern sich um die Kinder, kochen das Mittagessen oder pflegen Angehörige.

    Wunsch nach weiblicher Perspektive auf die Dinge

    Es wäre schön, wenn es im Stadtrat eine mehr weibliche Sicht auf manche Dinge gäbe. Gerade im Hinblick auf Kinder und Jugend. Da geht es mir zum Beispiel um Kita- oder Freibadgebühren. Als Frau ist man meist noch mehr für die Freizeit der Kinder zuständig. Spielt nachmittags das Elterntaxi, wenn die Jungs zum Tischtennis oder zum Fußball wollen. Da wäre es gut, wenn aus den Ortsteilen mehr Busse fahren würden, zum Beispiel aus Hettlingen. Außerdem sollten etwa Basketball- oder andere Sportplätze, die aus öffentlicher Hand bezahlt wurden, auch für alle zugänglich und nicht eingezäunt sein. Und mehr bezahlbare Mietwohnungen zum Beispiel für junge Menschen wären auch wichtig.

    Frauen im Wertinger Stadtrat

    Von 21 Mitgliedern (inklusive Bürgermeister) sitzen im Wertinger Stadtrat derzeit lediglich zwei Frauen. Nach der Wahl am 8. März könnte sich das ändern. Von insgesamt 131 Kandidierenden haben sich 40 Frauen aufstellen lassen. Die meisten Frauen stellt die SPD mit zwölf Kandidatinnen, darauf folgen die Grünen mit elf Frauen. Auf der Kommunalen Umweltliste (KUL) stehen sechs, auf der Liste der CSU fünf und auf jener der Christlich-Sozialen Wählergemeinschaft (CSW) drei Frauen. Die Freien Wähler haben ebenfalls drei Kandidatinnen im Angebot, die Bürgerinitiative für Wertingen und Stadtteile (BIW) gar keine. Zur vorherigen Kommunalwahl 2020 ist in der Gesamtzahl kein großer Unterschied: von 133 Kandidierenden standen damals 37 Frauen auf den Listen. Die meisten wiesen damals die Grünen mit zwölf Kandidatinnen auf, darauf folgten die SPD mit acht und die KUL mit sieben. Die CSW hatte vier im Angebot, die CSU drei, die Freien Wähler zwei und die BIW eine.

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