Dillingen

19.11.2016

Den Kindheitstraum erfüllt

Bis zum glücklichen Ende gut durchgeschwungen: Sebastian Heisele bei der Qualifying School in Spanien.
Bild: PGA

Golf: Sebastian Heisele ist 2017 ein European-Tour-Spieler und gehört zu den Top-Ten in Deutschland. Wie der 28-jährige Dillinger in Spanien beim entscheidenden letzten Putt dem enormen Druck standhielt.

Frust oder Lust, Triumph oder Tragödie – beim Golfsport geben oft Millimeter den Ausschlag. Den Ball nicht ganz exakt getroffen, den Putt aus einem Meter hauchdünn am Loch vorbeigeschoben. Was beim Amateur allenfalls den Spaß am Spiel trübt, entscheidet beim Profi über Tausende von Euro. Sebastian Heisele stellte sich 2016 erneut der Herausforderung, als Berufsgolfer sein Geld zu verdienen. Und der 28-jährige Dillinger hielt in seinem zweiten Profijahr dem enormen Druck stand: Er sicherte sich am Donnerstag in Spanien das Ticket für die European-Tour 2017 – die erste kontinentale Liga. Deutsche Spieler, die dort abschlagen dürfen, lassen sich an zwei Händen abzählen. Rund 650000 Golfer schwingen hierzulande den Schläger, Sebastian Heisele gehört zu den Top Ten.

„Was kann ich sagen, ein Kindheitstraum geht in Erfüllung. Damals, mit acht Jahren und halb so groß wie heute, wollte ich immer ein European-Tour-Spieler sein. Heute bin ich in diesem exklusiven Klub angekommen“, beschreibt ein glücklicher Sebastian Heisele seine Gefühle nach dem letzten Putt.

Und der hatte es in sich, musste fallen. Ein Schlag mehr nach sechs nervenaufreibenden Runden der Qualifying School auf dem PGA Catalunya Ressort bei Girona nördlich von Barcelona, und der Dillinger wäre aus den besten 25 gerutscht, die das Tour-Ticket 2017 erhalten. So dachte er zumindest. Dass es am Ende auch dieser eine Schlag mehr hätte sein dürfen, war erst klar, als die letzten Konkurrenten das Klubhaus erreicht hatten. Heisele lochte zum geteilten 19. Rang ein. Nach insgesamt 422 Schlägen an sechs strapaziösen Tagen – die Qualifying School gilt als wahre Knochenmühle.

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Der Dillinger war mit Runden von 68 und 66 Schlägen ganz stark in das Turnier gestartet, lang mit an der Spitze. Es folgten eine 72 und 73 – das Zittern begann. Als Heisele dann auf dem 18. Loch der fünften Runde gleich drei Schläge zu viel brauchte, schien der Zug für ihn in die falsche Richtung abzufahren. 76 Schläge, es wurde ganz eng. Doch der 28-Jährige hielt dem mentalen Druck stand und zauberte eine tolle Abschlussrunde auf den Rasen. Nach fünf Birdies – jeweils einem Schlag unter der ausgemessenen Zahl – schloss er mit einer 67er-Runde auf dem Par-72-Platz ab.

„Es war ein sehr guter Start in den Donnerstag, nachdem ich mir am letzten Loch der fünften Runde schon fast alles verbaut hatte“, blickt Sebastian Heisele auf sein Spiel: „Vier Loch gespielt, und das Triple Bogey an Loch 18 vom Vortag war zum Glück wieder ausgeglichen. Als das Ende immer näher rückte, wurden die Anspannung und der eigene Konflikt mit den Nerven immer größer. Es war ein wahrer Kampf über die letzten vier Spielbahnen.“ Noch nie zuvor habe er auf dem Golfplatz derart mit den Nerven zu kämpfen gehabt. Sebastian Heisele weiter: „Daher war ich einfach nur noch erleichtert, dass es zu Ende war und ich an meinem Ziel – nach so vielen Jahren harter Arbeit.“

Das „halbe“ Jahresziel hatte der Dillinger bereits während der Saison auf der Challenge-Tour 2016, der zweiten europäischen Liga, erreicht. Dort war er in seinem zweiten Profijahr angetreten, um unter die besten 15 der Gesamtwertung zu kommen. Auch das hätte für ihn das European-Tour-Ticket 2017 bedeutet. Als drittbester Deutscher reichte es mit 66084 Preisgeldpunkten letztlich „nur“ zu einem durchaus respektablen 28. Platz der Challenge-Tour-Rangliste.

Es fehlt teilweise nicht für einen Rang auf dem Stockerl, für einen Turniersieg, fürs große Preisgeld, das den Sprung unter den Top 15 der „Road to Oman“ bedeutet hätte. 93000 Euro oder mehr hätte er dafür erspielen müssen. So wie seine beiden Landsleuten Bernd Ritthammer und Alexander Knappe, die sich als Ranglisten-Zweiter und -Dritter das European-Tour-Ticket 2017 sicherten. Heiseles Platzierung bescherte ihm zu diesem Zeitpunkt immerhin bereits das Startrecht für zehn European-Tour-Turniere. Ein Teilerfolg, aber nicht das erhoffte Tour-Ticket.

„Mein persönliches Fazit fiel bis dahin eigentlich schon sehr gut aus. Ich war 2016 besser unterwegs als im Jahr zuvor, konnte ein paar Mal um den Titel mitkämpfen und wurde zum Schluss respektabler 28. der Challenge-Tour“, zog Sebastian Heisele eine Zwischenbilanz vor der Qualifying School in Spanien. Außerhalb der Turnier-Serie war ihm zudem der mit 10000 Euro dotierte Sieg bei einem „Pro-Am“ nahe Berlin gelungen. Schon jetzt war klar, dass Sebastian Heisele zur kleinen Gruppe der besten deutschen Profigolfer hinten den Stars Bernhard Langer, Martin Kaymer, Alexander Cejka, Maximilian Kieffer und Macel Siem zählen würde.

Heisele: „Die Konstanz war ausschlaggebend für meine Verbesserung. Ein Rundendurchschnitt von 69,77 Schlägen ist, glaube ich, der beste meiner Karriere. Aber ein Sieg hat einfach gefehlt, der für einen Topplatz in der Rangliste so wichtig ist.“ Nächstes Jahr wäre ihm trotzdem eine gute Kategorie auf der Challenge-Tour sicher gewesen, die es erlaubt hätte, die Saison früh zu planen, sowie besagte zehn Turniere auf der European-Tour mitspielen.

Sein Plan vor der Qualifying School war daraufhin, 2017 zwischen Challenge- und European-Tour zu pendeln – „und einen Lucky Punch auf der European-Tour zu landen“. Mit dem Erfolg in Spanien greift nun aber der bessere „Plan B“, und auch Sebastians Vater Otto Heisele, der die Karriere seines Sohnes von klein auf gefördert hat, fällt ein Stein vom Herzen: „Ein Traum!“ Er blickt bereits voraus und glaubt: „Auf der European-Tour hat Sebastian die gleichen Chancen wie auf der Challenge-Tour. Die spielen ja alle ungefähr das gleich gute Golf. Am Ende entscheidet der Kopf.“

Und da machte sich offensichtlich die Saisonvorbereitung bezahlt: Sebastian Heisele hatte sich vergangenen Winter in den USA unter die Fittiche des amerikanischen Mental-Coaches Dr. Bob Rotella begeben. Der betreute unter anderem schon Golf-Legende Tiger Woods. Dr. Rotella vermittelte dem jungen Dillinger letztlich auch die simple Prämisse: „Denke nicht, spiele einfach Golf!“ Sebastian Heisele beherzigte den Rat …

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