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FC Augsburg

09.04.2019

„Wir hatten keine Lösungen“

Jeffrey Gouweleeuw
Bild: U. Wagner

Jeffrey Gouweleeuw reagiert tief enttäuscht auf das 0:4 gegen Hoffenheim

Als Jeffrey Gouweleeuw am vergangenen Sonntag im Nachgang das ernüchternde 0:4 (0:1) gegen die TSG Hoffenheim einordnen sollte, runzelte er die Stirn. Das macht der Niederländer oft, diesmal jedoch wirkten die Furchen tiefer als üblich. Das Gebotene hatte ihn selbst überrascht, derart chancenlos hatte der Verteidiger des FC Augsburg seine Mannschaft nicht erwartet. Innerhalb einer Woche hat der FCA in der Fußball-Bundesliga zwei Mal deutlich verloren. Nur den Unzulänglichkeiten anderer Konkurrenten im Abstiegskampf haben es die Augsburger zu verdanken, dass sie nicht in einer noch schwierigeren Lage stecken.

Gouweleeuw ist nicht nur ein Mann der Tat auf dem Platz, ebenso ist er im FCA-Team einer der wenigen, der Missstände ehrlich anspricht. Den Hauptgrund für die Niederlage sah er in den taktischen Umstellungen. „Wir hatten von Anfang an keine Ahnung, was wir machen. Ich hatte auf dem Platz nie das Gefühl, dass wir etwas erreichen können“, betonte Gouweleeuw. „Wir hatten keine gemeinsame Idee.“ Manuel Baum rechtfertigte seine Umstellungen damit, dass er den Spielern helfen wollte, in die Zweikämpfe zu kommen.

Begonnen hatten die Augsburger mit einer Dreierkette, später stellte Baum auf Viererkette um, zudem nahm er nach nicht einmal einer halben Stunde den überforderten Reece Oxford vom Platz. Zwischenzeitlich bekleidete Jonathan Schmid die Spielmacherposition. Mitunter verloren die Augsburger den Überblick, was von ihnen erwartet wurde. Früh attackieren oder nicht. So beschrieb es Gouweleeuw: „Wenn wir in der ersten Halbzeit drei Mal umstellen müssen, zeigt das, dass etwas nicht klappt. Jedes Mal, wenn wir umgestellt haben, war das nicht besser. Wir hatten keine Lösungen.“

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Ungehindert inszenierten die Hoffenheimer ihre Angriffe, Augsburgs Abwehrspieler mussten den Missstand verwalten. Gouweleeuw bemüht den Augsburger Leitspruch: „Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen.“ Was er aber vor allem erwartete, war eine zielführende Analyse. Zur Tagesordnung wollte der 27-Jährige nicht übergehen. Er beschwerte sich über mangelnde Unterstützung, über fehlende Zusammenarbeit auf dem Platz, über unterschiedliche Vorgehensweisen der Mannschaftsteile. Ähnlich hatte es Rani Khedira nach dem 0:3 in Nürnberg formuliert. Unter anderem hatte er gesagt, jeder mache, was er wolle, und fügte hinzu: „Vielleicht braucht der eine oder andere mal einen Anschiss.“ Kritiker Khedira fehlte diesmal wegen muskulärer Probleme, in Gouweleeuw hatte er einen Bruder im Geiste. „Wir haben überhaupt keine Stabilität“, sagte Gouweleeuw.

Sechs Spiele bleiben dem FC Augsburg, um den Abstieg zu vermeiden. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz, acht Punkte auf den ersten Abstiegsplatz. Fortwährend profitieren die Augsburger davon, dass die Konkurrenten aus dem unteren Tabellendrittel ähnlich schwach auftreten, der Kampf gegen den Abstieg gleicht einem Schneckenrennen. Gouweleeuw weiß das. „Wir haben so viel Glück bis jetzt, das ist der Wahnsinn. Aber wir können nicht erwarten, dass das jede Woche so ist.“ Im Endspurt könnte die Tordifferenz von entscheidender Bedeutung sein. Gouweleeuw ärgerte sich, dass noch die Gegentore drei und vier fielen. Er wollte aus einer gesicherten Defensive heraus Angriffe einleiten.

Die aktive Fanszene hatte die Spieler trotz ihres blutleeren Auftritts nach Spielschluss mit Applaus aufgemuntert, andere Zuschauer hatten ihren Unmut durch Pfiffe ausgelebt. Für Gouweleeuw nachvollziehbar. „Die Fans haben absolut recht. Was wir heute gemacht haben, das verdienen sie nicht.“

Der Niederländer hatte drei Monate lang nicht gespielt, nun innerhalb von acht Tagen drei Mal. Leicht sei das für ihn nicht zu verarbeiten, gestand er. Damit meinte er nicht nur seine Muskeln, Sehnen und Gelenke. Vor allem im Kopf dürfte diese Niederlage Spuren hinterlassen haben.

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