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Augsburg

21.10.2014

250 Stellen gestrichen: Das Manroland-Drama nimmt kein Ende

Neue Schreckensnachricht für die Augsburger Manroland-Beschäftigten: Die Geschäftsführung baut 250 Stellen ab.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der Augsburger Druckmaschinen-Hersteller streicht weitere 250 Stellen. Dabei liegt die Insolvenz noch gar nicht lange zurück. Und der Wandel in der Branche geht weiter.

Der Augsburger Druckmaschinenhersteller Manroland Web Systems entlässt abermals 250 Mitarbeiter. Das teilte die Geschäftsführung gestern auf einer Mitarbeiterversammlung mit. Man reagiere damit auf den kleiner werdenden Markt für Druckmaschinen, erklärte Geschäftsführer Jörn Gossé im Gespräch mit unserer Zeitung. Dem Unternehmen gehe es aber gut, betonte Gossé. Die Auftragsbücher für 2015 seien gut gefüllt, jede dritte Druckmaschine auf dem Weltmarkt käme wieder von Manroland. Von einem Weltmarktanteil von 24 Prozent 2013 habe man sich in diesem Jahr auf 37 Prozent gesteigert.

Im November 2011 hatte Manroland Insolvenz angemeldet

Doch genau dieser Weltmarkt sei es, der das Unternehmen jetzt zu Anpassungsmaßnahmen zwinge. Seit 2011 habe sich der Markt von 660 Millionen Euro auf 330 Millionen halbiert. Neben Manroland Web Systems gebe es im Premium-Druckbereich nur noch zwei Konkurrenzfirmen, die mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen hätten. Manroland will den Anforderungen mit einer neuen Unternehmensstruktur und einem Kostensenkungsprogramm begegnen. Das Unternehmen solle hin zu mehr Mittelständigkeit getrimmt werden, gespart werden soll an Sach- und Personalkosten. Nun sollen Gespräche mit Betriebsrat und Gewerkschaft geführt werden, so der Unternehmenschef.

Die Nachrichten von gestern sind ein weiteres Kapital im Drama um den Augsburger Druckmaschinenhersteller. Erst vor einigen Jahren, am 25. November 2011, hatte Manroland Insolvenz angemeldet. Es war ein trüber Tag, die Mitarbeiter erfuhren die schlechte Nachricht ebenfalls auf einer Betriebsversammlung. Viele traf sie wie ein Schock. Fast 750 Beschäftigte sollten ihre Arbeit verlieren.

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Dabei sah es lange Zeit glänzend aus: Groß geworden war dass Unternehmen als Teil des MAN-Konzerns, der sich über 160 Jahre mit Drucktechnik befasst hatte. Im Jahr 1979 fusionierte die Sparte mit dem Offenbacher Hersteller Roland. Die Augsburger stiegen zum führenden Hersteller von Rollendruckmaschinen auf, die bei der Zeitungs- und Zeitschriftenherstellung eingesetzt werden. Doch 2006 entschloss sich der MAN-Konzern überraschend, aus dem Druckmaschinen-Geschäft auszusteigen. Die Mehrheit der Firma wurde an eine Beteiligungsgesellschaft der Allianz verkauft. Aus MAN Roland wurde Manroland. Die Geschäfte liefen da noch gut. Das Jahr 2007 galt als Bestes der Firmengeschichte. In der Glanzzeit hatte Manroland weltweit rund 9000 Mitarbeiter, das Unternehmen sollte an die Börse gehen.

Wirtschaftskrise traf das Unternehmen hart

Dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. Sie traf das Unternehmen frontal. Die Konjunktur brach ein, Manroland musste Kurzarbeit anmelden. Und die Konjunkturschwäche allein war es nicht: Die Branche hatte ein tief greifender Strukturwandel erfasst. Grundsätzliche Dinge ändern sich. Durch den Siegeszug des Internets und die Digitalisierung werden immer weniger große Druckmaschinen gebraucht. Die Verleger halten sich mit Investitionen zurück. Die Aufträge brachen weg. Manroland kam nur schwer auf die Beine und musste weiter Jobs streichen.

Im November 2011 drehten die Eigentümer den Geldhahn zu. Ein Investor sprang in letzter Sekunde ab. Manroland musste Insolvenz anmelden. Im Januar wurden die 2400 Augsburger Mitarbeiter in der Montagehalle 44 auf dem Werksgelände über den Stellenabbau informiert. Sie erfuhren, wer bleiben darf und wer nicht. Wie „Vieh auf dem Weg zur Schlachtbank“ komme man sich vor, sagte ein Mitarbeiter an dem Tag. 741 Mitarbeiter erhielten damals ihre Kündigung. Die meisten wechselten in eine Transfergesellschaft. Rund zwei Drittel fanden in der Folgezeit eine neue Stelle, der Rest landet am Ende in die Arbeitslosigkeit.

Doch Insolvenzverwalter Werner Schneider gelang es auch, im Januar 2012 einen Investor zu präsentieren. Das Augsburger Werk ging an die Lübecker Possehl-Gruppe – ein Finanzinvestor, der bereits den insolventen Augsburger Kuvertiermaschinen-Hersteller Böwe Systec übernommen hatte. Possehl wollte aber nicht alle Standorte, Manroland wurde zerschlagen. Das Werk in Plauen ging an die Firma IBS aus Thierhaupten im Kreis Augsburg, die inzwischen ebenfalls ein Insolvenzverfahren durchläuft. Auch für den Standort im hessischen Offenbach fand sich ein Investor.

Als Manroland Websystems startet das Unternehmen neu. Dem Manager Eckhard Hörner-Maraß gelingt es, das Unternehmen aus den roten Zahlen zu führen. Er setzt auch auf Service und Dienstleistungen, Druckmaschinen aber sollen das Kerngeschäft bleiben. Doch der Markt bleibt hart. Dazu kommt, dass auch ein weiterer deutscher Hersteller Manroland Konkurrenz macht: Koenig & Bauer in Würzburg. Hörner-Maraß hat Manroland inzwischen überraschend verlassen. Für seinen Nachfolger Jörn Gossé sind die Herausforderungen die gleichen geblieben.

Die Manroland-Beschäftigten bekommen dies nun bitter zu spüren.

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