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Wirtschaft

06.12.2019

AMS gelingt die Übernahme: Wie geht es jetzt mit Osram weiter?

Der österreichische Sensorikspezialist AMS übernimmt Leuchtenhersteller Osram.
Bild: Osram AG

Plus Der österreichische Sensorikspezialist übernimmt das Münchner Traditionsunternehmen. Entstehen soll ein Technik-Champion. Arbeitnehmer-Vertreter bleiben skeptisch. 

Es ist ein veritabler Wirtschaftskrimi, der am Freitag mit der Übernahme von Osram durch AMS endete. Das teilten sowohl der österreichische Sensor-Hersteller als auch das ungleich größere Münchener Traditionsunternehmen am Freitagabend übereinstimmend mit. Laut AMS erreichte das für die Übernahme eigens gegründete Tochterunternehmen die Mindestannahmeschwelle von 55 Prozent der Osram-Aktien bereits am Freitag. Eigentlich war in Finanzkreisen erwartet worden, dass das Ergebnis der Übernahmeschlacht erst am Montagabend bekannt würde. Am Donnerstag, um Mitternacht war die Angebotsfrist ausgelaufen. AMS hatte 41 Euro pro Aktie geboten. Ob der zweite Übernahmeversuch klappen würde, war mit Spannung begleitet worden, weil sich zuletzt auch zahlreiche Hedgefonds bei Osram eingekauft hatten.

Aus AMS und Osram soll ein „Photonik- und Sensorik-Champion“ werden

Der Vorstandsvorsitzende von AMS, Alexander Everke, sagte am Freitagabend: „Wir danken den Osram-Aktionären für ihr Vertrauen in uns sowie ihr Verständnis der überzeugenden, strategischen und industriellen Logik der Transaktion.“ Ziel des Zusammenschlusses sei es „weltweit führender Anbieter von Sensorlösungen und Photonik mit Sitz in Europa“ zu werden. „Auf Grundlage dieses gemeinsamen Ziels“, so Everke weiter, „werden wir eng mit dem Osram-Management und allen Stakeholdern von Osram und AMS zusammenarbeiten, um den Zusammenschluss zu einem umfassenden Erfolg zu machen, und einen attraktiven Weg für die Zukunft zu definieren.“ Olaf Berlien, Vorstandsvorsitzender von Osram sagte: „Wir können nun gemeinsam einen Photonik- und Sensorik-Champion von Weltrang auf den Weg bringen.“

Wie der Osram-Vorstand mitteilte, soll nun mit der Führungsspitze von AMS „auf Basis der Zusammenschlussvereinbarung“ der Weg für das gemeinsame Vorgehen „abgesteckt“ werden. Dabei stünden für das Management „nach wie vor die Interessen der Aktionäre, des Unternehmens und seiner Mitarbeiter im Vordergrund“.

AMS gelingt die Übernahme: Wie geht es jetzt mit Osram weiter?

Arbeitnehmervertreter fürchten die Zerschlagung von Osram

In der Zusammenschlussvereinbarung hatte AMS Zusagen für die Mitarbeiter und Produktionsstätten von Osram, insbesondere in Deutschland, gemacht. So wurden fusionsbedingte Kündigungen bis Ende 2022 ausgeschlossen. Allerdings hatten sich sowohl der Konzern- und Gesamtbetriebsrat von Osram als auch die IG Metall gegen die Übernahme durch AMS gewehrt und – allerdings erfolglos – versucht diese mit juristischen Mitteln zu verhindern. Grund für den Widerstand ist die Finanzierung: AMS will ungeachtet einer jetzt schon hohen langfristigen Verschuldung in Milliardenhöhe weitere Kredite in Höhe von knapp 3,9 Milliarden Euro aufnehmen. Deswegen fürchten die Arbeitnehmervertreter eine Zerschlagung Osrams, bei der letztlich die weltweit 24.000 Osram-Mitarbeiter die Zeche zahlen würden.

Wie Osram am Freitagabend mitteilte, wolle man nun „gemeinsam und im Dialog“ mit den Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern „einen tragfähigen Integrationsfahrplan auf Augenhöhe vorbereiten“. Die Vereinbarung soll Brigitte Ederer überwachen. Die österreichische SPÖ-Politikerin war früher Personal-Vorstand bei Siemens.

Osram hat im abgelaufenen Geschäftsjahr Verluste im dreistelligen Millionenbereich gemacht

Osram ist in einer sehr schwierigen Lage. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat das Unternehmen einen dreistelligen Millionenverlust eingefahren. Die Elektronikbranche ist weltweit von einem tiefen Abschwung erfasst. Eine Hauptursache sind die nachlassenden Produktions- und Verkaufszahlen von Autoindustrie und Smartphoneherstellern, den zwei wichtigsten Kundengruppen für Osram.

Osram-Vorstand und Aufsichtsrat hatten ursprünglich eine Übernahme durch US-Finanzinvestoren befürwortet, die zwei Interessenten Bain Capital und Carlyle hatten jedoch im Laufe der Bieterschlacht aufgegeben. Wegen des rasanten technologischen Wandels in der Beleuchtungsbranche sind nach Einschätzung der Osram-Führungsetage permanente Investitionen notwendig. Ohne einen Geldgeber würde Osram aber nach den hohen Verlusten des vergangenen Geschäftsjahrs das Kapital fehlen, um zu investieren.

Klaus Abel, IG Metall: AMS muss Zusicherungen einhalten

Klaus Abel, stellvertretender Vorsitzender des Osram-Aufsichtsrates und bei der IG Metall für das Unternehmen zuständig, sagte am Freitagabend zu der Übernahme: „Jetzt wird es darauf ankommen, dass AMS die zum Arbeitnehmerschutz gemachten Zusicherungen auch einhält. Wir von der IG Metall werden uns mit aller Macht dafür einsetzen.“

Und Werner Leyer, Betriebsratsvorsitzender des Osram-Werks in Schwabmünchen kommentierte das Ergebnis so: „Es ist ganz schwer, zu sagen, was das für Schwabmünchen bedeutet.“ Er sei enttäuscht, dass die Übernahme funktioniert habe. „Ich bin überzeugter Osramit und mir wäre ein Investor lieber gewesen, der längerfristig denkt“, sagt der 54-Jährige.

Bei der Osram-Belegschaft hatte die Übernahmeschlacht besonders an den Nerven gezerrt. Nicht nur in Schwabmünchen, wo Glühdrähte gezogen und Beschichtungen für Leuchtdioden produziert werden, sondern auch im Eichstätter Kinolampen-Werk und am Standort München waren viele Mitarbeiter sehr besorgt.

AMS bittet Aktionäre um weiteres Geld

AMS will die Aktionäre im kommenden Januar zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen. Dort sollen diese eine geplante Kapitalerhöhung beschließen. Sprich: AMS bittet die Aktionäre um weiteres Geld.

Ferner erwartet das Unternehmen, dass „weitere Schritte zur Umsetzung der Transaktion in Kürze“ beginnen werden. Mit dem Abschluss der Übernahme rechnen die Österreicher dann bis zur Hälfte des kommenden Jahres. (mit dpa)

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