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23.03.2009

Abu Dhabi schließt höheren Daimler-Anteil nicht aus

Abu Dhabi schließt höheren Daimler-Anteil nicht aus
Bild: DPA

Stuttgart (dpa) - Nach dem überraschenden Einstieg beim Autobauer Daimler schließt das Emirat Abu Dhabi eine Aufstockung seiner Beteiligung nicht aus.

"Eine mögliche Erhöhung des Anteils muss später untersucht werden. Im Moment sind wir zufrieden mit 9,1 Prozent", sagte der Vorstand der staatlich kontrollierten Investmentfirma Aabar, Khadem Al Qubaisi, am Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Stuttgarter Konzern. Die von der staatlichen Investmentgesellschaft International Petroleum Investment Company (IPIC) kontrollierte Investmentfirma war am Sonntag mittels einer Kapitalerhöhung bei Daimler eingestiegen.

Das Geld aus Abu Dhabi sei bereits überwiesen worden, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Montag. Damit ist der Investmentfonds aus dem Stand zum größten Aktionär des Autobauers geworden. Die Beteiligung des zuvor einzigen Großaktionärs Kuwait sank durch die Verwässerung von 7,6 auf 6,9 Prozent.

Mit einem Beitrag von fast zwei Milliarden Euro strebt der neue Großaktionär Aabar auch gemeinsame Projekte mit dem Premiumhersteller an. Hierzu zählen etwa die Entwicklung von Elektroautos und leichten Verbundwerkstoffen für spritsparende Fahrzeuge. Der Aabar-Manager unterstrich zudem das langfristige Interesse an Daimler. "Das ist eine langfristige Investition. Wahrscheinlich so lange wie es Abu Dhabi gibt."

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Zetsche führte ein ganzes Bündel von Beweggründen an, weshalb man den Vorschlag zum Einstieg von Aabar angenommen habe. Daimler erhalte einen langfristigen Schlüsselinvestor, außerdem sei das Engagement ein "eindeutiges Signal, dass langfristige Investoren von uns überzeugt sind". Gerade in der konjunkturell schwierigen Lage, unter der Daimler wie alle Autohersteller leide, erhöhe der Geldzufluss die Schlagkraft des Unternehmens, in zukunftsweisende Technologien zu investieren. Beispielsweise könne er sich ähnlich wie in Berlin ein Projekt mit Elektrofahrzeugen auch in der Golfregion vorstellen. In Berlin arbeitet der Autobauer bei Ladestationen für Autoakkus mit dem Versorger RWE zusammen. Zudem sei die Ausbildung junger Ingenieure in Abu Dhabi geplant.

Mit der Entscheidung für Daimler habe Aabar seinen Partner in der Automobilindustrie gefunden, sagte Al Qubaisi. Weitere Investitionen in der Branche würden nun nur noch in Zusammenarbeit mit Daimler geschehen. Die Investitionsvereinbarung beziehe sich auf Daimler als Gesamtkonzern, ergänzte Zetsche. Eine Zerschlagung oder Aufspaltung des Unternehmens sei nie Teil der Gespräche gewesen.

In Berlin wurde das Engagement der Araber begrüßt. "Die Bundesregierung sieht das als ein positives Signal. Mit der Investition werden auch die langfristigen Wachstumschancen und die Leistungsstärke der Branche in Deutschland anerkannt", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm der dpa.

Aabar-Vorstand Al Qubaisi will stärker in Erscheinung treten als die schon seit 1974 an Daimler beteiligten Kuwaitis. Der Manager plant, alle drei Monate an Ausschusssitzungen teilzunehmen und sich regelmäßig mit dem Daimler-Management abzusprechen. Bei der Unternehmensführung wolle er sich aber nicht einmischen, "und wir wollen ihnen auch nicht beibringen, wie man Autos baut". Einer Produktion in Abu Dhabi erteilte Al Qubaisi eine Absage. "Wir sind nicht daran interessiert, Fahrzeuge in Abu Dhabi zu fertigen."

Seit dem ersten Kontakt mit Aabar seien nur drei bis vier Monate verstrichen, berichteten die beiden Manager. Bei den Verhandlungen wurde eine Ermäßigung von fünf Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag vereinbart. So erkläre sich der gezahlte Preis von 20,27 Euro je Aktie. Der Preisnachlass verringere sich jedoch, da für die neuen Aktien auf der nächsten Hauptversammlung keine Dividende fällig werde, erklärte der Daimler-Chef. Bis zum Nachmittag notierten Daimler-Aktien mit 0,61 Prozent im Plus bei 21,47 Euro. Bisherige Daimler-Aktionäre konnten bei der Kapitalerhöhung keine Papiere erwerben.

Trotz geplanter milliardenschwerer Einsparungen will Daimler-Chef Zetsche die Ausgaben für neue Produkte nicht kappen. Für dieses Jahr hatte der Konzern bereits Rückgänge bei Umsatz, Absatz und Ergebnis angekündigt. Im ersten Quartal sieht Zetsche gar rote Zahlen. In den ersten beiden Monaten war der Pkw-Absatz um mehr als ein Viertel zurückgegangen, die Lkw-Sparte stellt sich auf einen Nachfrageschwund um bis zu 50 Prozent ein. In den deutschen Daimler-Werken herrscht Kurzarbeit. Schon im vergangenen Jahr war der Überschuss bei einem leicht rückläufigen Umsatz um fast zwei Drittel auf 1,4 Milliarden Euro eingebrochen.

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