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03.03.2009

Abwrackprämie kurbelt Absatz an

Abwrackprämie kurbelt Absatz an
Bild: DPA

Genf (dpa) - Der Auto-Absatz in Deutschland ist dank der Abwrackprämie nach den Einbrüchen zum Jahresauftakt wieder angesprungen. Die Zulassungszahlen seien im im Februar im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Fünftel nach oben geschnellt.

Das sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Dienstag auf dem Autosalon in Genf. Von einer dauerhaften Erholung der Weltmärkte sei die Branche aber noch meilenweit entfernt. Während vor allem Kleinwagenhersteller wie Volkswagen, Opel, Renault, Fiat oder Toyota sich in Deutschland über mehr Bestellungen für ihre kleinen Modelle freuen, schauen BMW, Daimler und Audi weitgehend in die Röhre. Die Zulassungszahlen in der Oberklasse gingen laut Kraftfahrtbundesamt im Februar um mehr als ein Viertel zurück.

Die Premiumhersteller reagieren mit weiteren Produktionsdrosselungen und planen eine Ausweitung der Kurzarbeit. Einen Silberstreif sehen sie erst wieder im nächsten Jahr am Horizont. Auch Wissmann sagte, eine schnelle Besserung der Situation der Autobranche sei nicht in Sicht. Sorgen bereitet der Vorzeigeindustrie vor allem der schwächelnde Export. Dieser sank im Februar um 51 Prozent auf 202 000 Autos.

In Deutschland seien die Zulassungszahlen dagegen um 21 Prozent auf 278 000 Einheiten gewachsen, sagte Wissmann. Dank der Verschrottungsprämie sehe es fürs Gesamtjahr im Inland nicht mehr ganz düster aus. "Wir haben die Chance, trotz des schwierigen Umfeldes in diesem Jahr die 3-Millionen-Marke bei den Pkw- Neuzulassungen zu knacken." Verglichen mit Januar 2009 zogen die Neuzulassungen im Februar um 46,7 Prozent an, berichtete das Kraftfahrtbundesamt (KBA). 60 Prozent der Neuzulassungen entfielen auf private Käufer. "Dabei standen kleinere Fahrzeuge klar im Vordergrund."

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"Die Abwrackprämie hilft den Massenherstellern. Uns hilft sie auch, aber in einem Prozentbereich, der nicht kriegsentscheidend ist", sagte BMW-Chef Norbert Reithofer. Im Februar habe sich der Absatz ähnlich schwach entwickelt wie im Januar, als die Verkaufszahlen um rund ein Viertel eingebrochen waren. "Wir sind derzeit in weiteren Gesprächen mit den Betriebsräten, auch nach dem März Kurzarbeit zu fahren", sagte Reithofer. BMW will bislang im Februar und März rund 38 000 Fahrzeuge weniger bauen als geplant. Von Kurzarbeit betroffen sind derzeit rund 27 000 Mitarbeiter.

Daimler-Chef Dieter Zetsche warnte, die Abwrackprämie sei ein kurzes "Strohfeuer". Vorgezogene Käufe könnten nach Auslaufen der Förderung eine neue Nachfragedelle verursachen. Daimler prüft eine Ausweitung der Kurzarbeit bis Mitte des Jahres. Derzeit arbeiten bereits mehr als 50 000 Mitarbeiter des DAX-Konzerns kurz. Zetsche sagte, die Lage auf den Märkten habe sich im Februar nicht wesentlich gebessert. Im Januar hatte die Pkw-Sparte einen Absatzrückgang um fast ein Drittel.

Audi plant nach einem Produktionsstopp über die Faschingsfeiertage eine weitere Woche Kurzarbeit an Ostern. Insgesamt sollen so rund 12 500 Autos weniger produziert werden. Im laufenden Jahr rechnen die Ingolstädter mit einem Absatzrückgang von rund zehn Prozent. Im Februar sank der Absatz um elf Prozent auf 63 000 Fahrzeuge. Auch die Stuttgarter Sportwagenschmiede Porsche kann sich diesem Trend nicht entziehen - Vorstandschef Wendelin Wiedeking rechnet wie in den vergangenen Monaten auch im Februar mit einem Absatzrückgang.

Einer der großen Profiteure der Abwrackprämie ist dagegen Volkswagen. Die Bestellungen haben sich im Februar auf 135 000 annähernd verdreifacht, sagte VW-Vertriebschef Detlef Wittig der "Automobilwoche". Die Großwetterlage sieht aber auch bei VW schlecht aus. Der Konzern erwartet 2009 nach 6,27 Millionen verkauften Autos im Vorjahr einen weltweiten Absatzrückgang um zehn Prozent.

Auch beim Branchenprimus Toyota kann der deutsche Markt das trübe Gesamtbild allenfalls teilweise aufhellen. Im Februar verbesserte sich der Absatz in Deutschland zwar von etwa 8500 Fahrzeugen im Vorjahr auf rund 13 000, fürs Gesamtjahr wird in Europa aber ein deutliches Minus erwartet.

Im Ringen um die Rettung des Autobauers Opel drängte GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster in Genf auf schnelle Hilfe. "Wir brauchen Unterstützung von der deutschen Regierung. Wir haben keine Reserven. Diese Krise ist zu tief, um sie ohne Hilfe zu überstehen." Opel drohe bereits Anfang des zweiten Quartals das Geld auszugehen. Der US- Mutterkonzern General Motors werde alle Hindernisse auf dem Weg zu möglichen Staatshilfen für die Tochter so rasch wie möglich aus dem Weg räumen.

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