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Klimawandel

11.11.2019

Aktuelle Studie: Ist die Biolandwirtschaft ein Klimakiller?

Ernte von Bio-Karotten: Wirklich der bessere Weg?
Foto: Julian Stratenschulte, dpa

Plus Eine Studie weckt Zweifel, ob Ökolandbau der bessere Weg ist. Was von dem Ergebnis zu halten ist.

Mehr Biolandwirtschaft gilt als ein entscheidender Hebel für Klimaschutz und die Senkung von Treibhausgas-Emissionen. Aber ist das wirklich so? Muss sich die Menschheit ausschließlich biologisch ernähren, um das Weltklima zu retten? Eine britische Studie nährt jetzt Zweifel, dass mehr bio wirklich immer besser für die Umwelt ist.

Studie aus dem Fachjournal Nature Communications

„Biolandwirtschaft kann Treibhausgas-Emissionen verschlimmern“, schreiben die Autoren einer Studie, die jüngst im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht worden ist. Der Grund: Der Komplett-Umstieg eines Landes auf Öko-Landwirtschaft würde zu lokal sinkenden Erträgen führen. Um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, müssten Lebensmittel aus anderen Ländern importiert werden, was die CO2-Bilanz ins Negative drücke, so die Experten.

Die Erkenntnis kommt zu einer Zeit, in der die Stoßrichtung in Sachen Agrarwirtschaft eigentlich in die umgekehrte Richtung deutet. Im kürzlich beschlossenen Klimapaket der Bundesregierung gilt mehr Öko-Landwirtschaft als Stellhebel für weniger Emissionen. „Die Ausweitung der ökologisch bewirtschafteten Flächen ist auch eine Klimamaßnahme“, schreiben die Umweltexperten der Großen Koalition in ihrem Papier. Schon seit Jahren verfolgt die Bundesregierung die Strategie, der konventionellen Landwirtschaft eine tragende Bio-Säule zur Seite zu stellen. In den kommenden zehn Jahren will Berlin den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen verdoppeln – auf 20 Prozent aller Äcker bundesweit. Der ökologische Landbau sei „eine besonders ressourcenschonende, umweltverträgliche und nachhaltige Wirtschaftsform“, heißt es hierzu vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Diverse Bundesländer verfolgen ähnliche Öko-Ausbauziele.

Extremszenario: Weniger Erträge, mehr Importe von Nahrungsmitteln  

Ist das alles also Unsinn? Nein, denn Ökolandbau ist in vielen Gesichtspunkten tatsächlich besonders umweltfreundlich. Allerdings warnen Experten vor Radikal-Lösungen mit extrem hohen Bio-Anteilen in der Nahrungsmittelproduktion. Eine solche umfassende „Umstellung auf Ökolandbau kann durchaus ungewollte Konsequenzen haben und nicht zu einer globalen Reduktion der Treibhausgasemissionen führen“, gibt etwa Klaus Butterbach-Bahl, Abteilungsleiter am Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zu bedenken. Regional wirke Öko-Landwirtschaft zwar positiv, im globalen Maßstab sei wahrscheinlich aber das Gegenteil der Fall.

Für ihre Studie haben die britischen Forscher ein Extrem-Szenario gewählt und einen kompletten Umstieg der Bauern in England und Wales auf Öko-Produktion simuliert. In diesem Szenario, das nach Aussagen von KIT-Experte Butterbach-Bahl „prinzipiell auf Deutschland oder die Schweiz übertragbar ist“, sanken die Treibhausgasemissionen durch ökologischen Getreide- und Gemüseanbau um 20 Prozent. Diejenigen aus der Nutztierhaltung fielen immerhin noch um vier Prozent. Allerdings gingen durch den Umstieg auch die Erträge um bis zu 40 Prozent zurück – eine Lücke, die durch energieintensive Lebensmitteleinfuhren geschlossen werden müsste, schreiben die Fachleute. Rechne man die negative Klima-Wirkung der frisch entstehenden Acker- und Weideflächen in den zusätzlich benötigten Anbauregionen im Ausland sowie die dort viel ineffizientere Bodenbewirtschaftung hinzu, kippe die Klimabilanz vollends.

In Deutschland herrscht Einigkeit, dass Bioprodukte für die Nachhaltigkeit Sinn haben

Indes herrscht bei den Fachleuten Einigkeit, dass ein höherer Anteil der Bioproduktion – in Baden-Württemberg liegt er gerade bei rund 14 Prozent, in Bayern bei etwa zehn Prozent – für Klima und Nachhaltigkeit durchaus Sinn hat. Allerdings immer nur in Ergänzung mit dem sehr flächeneffizienten konventionellem Anbau. Global betrachtet könnten beispielsweise durchaus 60 Prozent der Anbauflächen ökologisch bewirtschaftet werden, sagt Adrian Müller vom Institut für Umweltentscheidungen an der ETH Zürich. Die Nahrungsmittelproduktion könnte so sichergestellt werden, und Emissionen würden nicht signifikant steigen. Allerdings klappe das nur, so Müller, wenn deutlich weniger Lebensmittel statt weggeworfen gegessen würden und Tiermäster den Einsatz von Kraftfutter rundweg halbierten. Eine direkte Folge davon sei, dass die Menschen ihren Fleischkonsum stark einschränken müssen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

12.11.2019

Sehr einsilbige Betrachtung, wo bleibt bspw. der Energieaufwand für die Produktion für Kunstdünger, wo bleibt der Sojaimport bei der konventionellen Viehzucht, wo bleibt die Reduktion von Kohlendioxid, wieviel landwirtschaftliche Produkte werden derzeit exportiert?... Hierzu fallen mir noch viele Fragen ein. Insofern, glaube ich, dass hier sehr einseitig untersucht wurde.

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