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Altersvorsorge
07.07.2015

Die Riester-Rente hat ein Image-Problem

Vor allem gut- und besser verdienende Menschen profitieren vom Riester. Doch so war das Programm zur Alterssicherung nicht gedacht.
Foto: Ole Spata, dpa

Niedrige Zinsen und hohe Kosten machen der Riester-Rente zu schaffen. Vor allem gut- und besser verdienende Menschen profitieren davon.

Hohe Kosten, magere Renditen – und jetzt auch noch die falsche Zielgruppe? Die Riester-Rente, bei ihrer Einführung vor 13 Jahren als sozialpolitische Großtat gefeiert, bekommt ein Imageproblem. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Freien Universität Berlin nutzt sie bisher vor allem den Gut- und Besserverdienern. Von knapp 2,8 Milliarden Euro an staatlichen Zuschüssen im Jahr wandert mehr als eine Milliarde an Riester-Sparer mit einem Gehalt von 60000 Euro netto und mehr – an Versicherte also, die auch ohne staatliche Prämien Geld fürs Alter zurücklegen können. An die unteren 20 Prozent der Einkommensskala fließen dagegen nur sieben Prozent der Zulagen.

Für Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist das allerdings noch eines der kleineren Probleme bei der Riester-Rente. „Wir können die Finanzindustrie nicht dauerhaft zulasten der Rentner alimentieren“, klagt er. Während die Branche in Schweden für die Verwaltung eines Vorsorgekontos nur bescheidene Gebühren von 0,08 bis 0,17 Prozent im Jahr verlangen darf, kassiert sie in der Bundesrepublik je nach Anlagemodell bis zu zwei Prozent, die Provisionen für den Abschluss eines Vertrages noch nicht mitgerechnet. Da viele Riester-Policen bei Zinsen nahe der Null-Linie kaum noch Erträge erwirtschaften, verdient an ihnen im Moment nur noch die Bank, die Bausparkasse oder die Fondsgesellschaft. „Auch politisch gesehen“, klagt Nauhauser, „ist das eine Katastrophe.“ Wer in Deutschland 40 Jahre riestere, habe wegen der „riesigen Kostenkaskade“ nur eine halb so hohe Zusatzrente wie ein vergleichbarer Sparer in Schweden.

Zwar müssen die Anbieter von Riester-Sparplänen, Fonds oder Versicherungen ihren Kunden garantieren, dass das eingezahlte Kapital und die staatlichen Zulagen am Ende der Sparphase noch komplett vorhanden sind. Viel mehr allerdings werden Millionen von Sparern nicht erwarten können, solange die Zinsen so niedrig bleiben wie im Moment – schließlich steckt ein Großteil ihres Geldes in wenig rentablen Staatsanleihen. Wer diesen Effekt umgehen will und stattdessen in einem Aktiensparplan riestert, fährt allerdings nur unwesentlich besser. Da die Fondsgesellschaften bei jedem kleinen Kursrutsch verkaufen, um ihre Kapitalgarantie auch einhalten zu können, liegen die Renditen auch hier weit unter denen von klassischen Investmentfonds.

Ende März waren es 16,3 Millionen Riester-Verträge

Nach Berechnungen der Verbraucherzentralen bleibt ein Vertrag heute etwa zehn Jahre lang im Minus, weil die mageren Zinsen nicht einmal die Abschlussgebühren und die laufenden Kosten decken. Eine Erhöhung der staatlichen Zulagen, wie Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sie gerade erst gefordert hat, hält Nauhauser auch deshalb für kontraproduktiv. Höhere Prämien seien nur ein neuer Vertriebsanreiz für ein Vorsorgemodell, das nicht mehr funktioniere, kritisiert er. Wenn überhaupt, dann lohne sich die Riester-Rente heute nur noch für Geringverdiener mit mehreren Kindern: Bei ihnen hält sich der eigene Aufwand mit vier Prozent des Bruttoeinkommens in Grenzen, während sie neben ihrer persönlichen Zulage von 154 Euro noch bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr vom Staat dazubekommen. Bei drei Kindern, die nach 2008 geboren wurden und für die der Staat bis zum 25. Lebensjahr Kindergeld zahlt, fließen so alleine 22500 Euro an Kinderzulagen auf das Riester-Konto.

Ende März hatten 16,3 Millionen Menschen in Deutschland einen Riester-Vertrag abgeschlossen, davon mehr als elf Millionen eine klassische Rentenversicherung. Drei Millionen sparen mithilfe eines Investmentfonds, 813000 stecken ihr Geld und die Zulagen in einen Banksparplan, weitere 1,4 Millionen finanzieren mit dem sogenannten Wohn-Riester ihr Eigenheim. Sie haben aus Nauhausers Sicht einen Vorteil gegenüber den Fonds- und Banksparern: „Sie tilgen ihre Schulden und wetten nicht auf ein möglichst langes Leben.“

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