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Amazon
27.05.2021

Amazon-Gründer Jeff Bezos hört im Juli auf - und macht doch weiter

Jeff Bezos, Gründer von Amazon, verabschiedet sich bald von der Unternehmensspitze.
Foto: Andrej Sokolow, dpa

Als Jeff Bezos vor 27 Jahren als Buchhändler begann, ahnte er wohl kaum, dass er es mit Amazon zum Multimilliardär bringen würde. Und Amazon hat noch viel vor.

Am 5. Juli 1994 fand bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA eines der Achtelfinals statt. Turniersieger wurde Brasilien. Deutscher Bundestrainer war damals Berti Vogts. An der Spitze der deutschen Single-Charts standen Prince Ital Joe & Marky Mark mit „United“. Bundeskanzler Helmut Kohl hatte gerade Staatsbesuch aus China. Und im US-Bundesstaat Washington gründete ein gewisser Jeff Bezos einen Online-Buchladen, der unter amazon.com firmierte.

Amazon wird 27 Jahre alt - und Gründer Jeff Bezos verlässt die Konzernspitze

Das wird in wenigen Wochen schon 27 Jahre her sein. Ein unrunder Firmengeburtstag, der aber dennoch für die Geschichte des Abermilliarden schweren Tech-Giganten von Bedeutung sein wird, denn Gründer Bezos verlässt dann die Konzernspitze. Das Amt des Vorstandsvorsitzenden übergibt er an Andy Jassy, den Leiter des außerordentlich gut gehenden Cloud-Geschäfts. Angekündigt hatte Bezos seinen Abgang bereits im Februar, allerdings ohne ein genaues Datum zu nennen. Das holte er am Mittwoch beim Amazon-Aktionärstreffen nach.

In 27 Jahren verliert vieles an Bedeutung, gerät manches eher in Vergessenheit, was die Massen bewegte (Prince Ital Joe). Umgekehrt kann man in 27 Jahren eine Menge Sachen anstellen, wachsen, im Zenit seiner Macht stehen. Und – befördert von Corona – noch viel mehr Sachen (online) verkaufen. Wer heute, sagen wir, spontan 20 Samen für die orangene Paradiesvogel-Blume Strelitzia reginae bestellen will, muss auf der Amazon-App nur über den Jetzt-kaufen-Button wischen und ein vielleicht etwas gestresst aussehender Paketbote wird schon bald – freundlich hinter seiner Maske lächelnd – an der Haustür klingeln.

Man kann sagen: Es ist bisher, alles in allem, ziemlich rund gelaufen für den inzwischen 57-jährigen Bezos. Auch wenn er vor ein paar Tagen Grund hatte, ernsthaft besorgt zu sein. Bernard Arnault, Haupteigentümer und Vorstandsvorsitzender des weltgrößten Luxuskonzerns LVMH war laut Forbes für etwas mehr als 15 Minuten noch reicher gewesen als Bezos. Danach – das eigene Multi-Milliarden-Vermögen macht manchmal verrückte Sachen – war der Top-Manager wieder Spitze.

Das wird er für Amazon bleiben, auch wenn er sich aus dem operativen Geschäft zurückzieht. Bezos wird in seiner neuen Rolle als Chef des dem Vorstand übergeordneten Verwaltungsrates weiter Einfluss im Billionen-Unternehmen haben und nehmen. Außerdem kann von Ruhestand keine Rede sein.

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Foto: Maurizio Gambarini, dpa (Symbolbild)

Jeff Bezos verlässt Amazon-Konzernspitze - doch der 57-Jährige hat noch vieles vor

Denn der gelernte Informatiker Bezos hat noch viel vor. Da wäre etwa sein Weltraumfahrt-Unternehmung Blue Origin, in die er viel Geld steckt. Am 20. Juli, das hatte man jüngst angekündigt, sollen erstmals in der Astronautenkapsel der New-Shepard-Rakete Touristen ins All fliegen. Seit Juni können zahlungskräftige Interessierte um einen der sechs Plätze online mitsteigern. Aktuell liegt das höchste Gebot bei 2,8 Millionen Dollar.

Es muss aber nicht unbedingt der Weltraum sein. Bezos könnte es in seinem bald beginnenden Unruhestand doch etwas gemütlicher angehen lassen und mehr Zeitung lesen. Gut trifft sich, dass er die Washington Post, das altehrwürdige, mit vielen Preisen ausgezeichnete US-Blatt, besitzt. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass dort Sally Buzbee die erste Frau an der Spitze der Redaktion wird. Bezos kann künftig also täglich nachlesen, wie sich die Neue in ihrem Job macht.

Oder aber Bezos streamt ausgiebig. Amazon hat diese Woche bekanntgegeben, die MGM-Filmstudios für mehr als acht Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Amazon-Kunden können sich so wie Bezos künftig über die James-Bond-Reihe im Videoportal freuen. Zur Erheiterung könnte auch die Fortsetzung des in Deutschland nach Unternehmensangaben am „meisten gesehenen Titels aller Zeiten“ bei Prime Video in Deutschland beitragen: das Comedy-Format „Last one laughing“. Am Ende wird es vermutlich Jeff Bezos sein.

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