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Themenwoche Konsum

13.08.2020

Anwalt, Schäfer, Lehrer, Student: Wie viel verdienen Sie, wofür geben Sie Geld aus?

Lassen Sie uns über Geld reden.
Bild: Andrea Warnecke, dpa (Symbolbild)

Plus Wir haben Menschen aus verschiedensten Berufen gefragt, wie hoch ihr Einkommen ist und wohin ihr Geld jeden Monat fließt. Lesen Sie hier die Protokolle.

Wie viel verdienen Sie? Und wofür geben Sie Ihr Geld aus? Über Geld zu reden, ist in unserer Gesellschaft immer noch verpönt. Dabei interessiert es viele brennend, was der Nachbar, die beste Freundin oder der Cousin der Ehefrau verdient. Im Rahmen unserer Themenwoche Konsum haben uns Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufen Einblick in ihre Finanzen gegeben. Die anonymen Protokolle lesen Sie hier.

Der Rechtsanwalt bei einem Münchner Unternehmen verdient im Monat etwa 3000 Euro netto.
Bild: Ole Spata, dpa (Symbol)

Rechtsanwalt bei einem Unternehmen in München, 29 Jahre alt, ledig, keine Kinder

Ich verdiene im Monat etwa 3000 Euro netto und arbeite 38 Stunden pro Woche. Für meine Wohnung zahle ich 1100 Euro Miete, für Lebensmittel gebe ich im Monat etwa 400 Euro aus. Für Freizeitaktivitäten wie Ausgehen, Kino- oder Theaterbesuch oder mal ein größeres Sportereignis gehen auch etwa 400 Euro drauf, aktuell eher etwas weniger. Die Kosten für meinen Handyvertrag und Abos wie Netflix oder Sky belaufen sich auf rund 100 Euro. 450 Euro spare ich jeden Monat - 200 Euro in einem Aktienfonds, 250 Euro in einem Sparplan.

Unnötig Geld gebe ich vielleicht für Sportwetten oder Lieferservices aus. Aktuell ist mir Geld aber ohnehin eher unwichtig, da ich nicht das Gefühl habe, finanziellen Einschränkungen zu unterliegen und es daher eher als "Mittel zum Zweck" sehe. Aktuell gibt es auch nichts, das ich mir gern kaufen würde, es mir aber nicht leisten kann. Irgendwann stellt sich aber bestimmt die Frage nach einer Wohnung oder einem Haus in München. Konsum für "notwendige" Dinge wie meine Wohnungseinrichtung oder Kleidung macht mir Spaß. Das meiste, was unter klassischen Konsum fällt, empfinde ich aber als überflüssig und gebe mein Geld lieber für Dinge aus, bei denen ich Zeit mit Freunden oder meiner Familie verbringe. Zuletzt mehr als 100 Euro ausgegeben habe ich für das Geburtstagsgeschenk meiner Mutter - Karten fürs Theater.

Der Schäfer verdient rund 1200 Euro netto im Monat. Dafür arbeitet er jeden Tag zehn Stunden.
Bild: Thomas Warnack, dpa (Symbol)

Schäfer aus Frankfurt, 58 Jahre alt, verheiratet, ein Kind

Ich verdiene circa 1200 Euro netto im Monat, arbeite dafür mindestens zehn Stunden jeden Tag, also 70 Stunden pro Woche. Sparen kann ich davon so gut wie nichts, Geld gebe ich nur für das Nötigste aus: 400 Euro gehen jeden Monat für die Miete drauf, 200 Euro für Lebensmittel, weitere 100 für eine zusätzliche Altersvorsorge. Mein Kind ist schon erwachsen und sorgt für sich selbst.

Zuletzt mehr als 100 Euro ausgegeben habe ich für ein heiles Handy. Ich würde mir gern eine neue Küche kaufen, die kostet rund 3500 Euro. Das kann ich mir aber gerade nicht leisten. Ob mir Geld wichtig ist? Man braucht es halt.

Die Journalistin verdient etwa 2200 Euro netto im Monat, für 37,5 Stunden Arbeitszeit pro Woche.
Bild: Friso Gentsch, dpa (Symbol)

Journalistin aus Augsburg, 29 Jahre alt, ledig, keine Kinder

Ich verdiene im Monat etwa 2350 Euro netto bei einer 36,5-Stunden-Woche. Die Miete für mein WG-Zimmer beträgt 350 Euro, für Lebensmittel - inklusive Kantinen- und Restaurantbesuche - gebe ich etwa 250 Euro aus. Ansonsten kostet mich die Mitgliedschaft im Sportclub 47 Euro pro Monat, für die Gewerkschaft zahle ich 30 Euro, Netflix- und Spotify-Abo belaufen sich auf insgesamt 7 Euro, mein Handyvertrag kostet 10 Euro. Für Zugtickets und Benzin gebe ich mal mehr, mal weniger aus - im Schnitt etwa 100 Euro pro Monat. Für Versicherungen sind es pro Jahr nochmal rund 100 Euro. Mehr als 100 Euro ausgegeben habe ich zuletzt für eine Reise durch Italien und Slowenien. Reisen ist etwas, für das ich gern Geld ausgebe, wobei ich auch hier relativ sparsam bin: Ich versuche, möglichst umweltschonend zu reisen (Zug statt Auto oder Flugzeug) und verbringe gern Zeit in der Natur, komme also lieber im Zelt unter oder in einer Berghütte statt in einem großen Hotelkomplex. Bei Städtereisen suche ich gern ein Zimmer über Airbnb oder schlafe bei Freunden. Statt im Fünf-Sterne-Restaurant esse ich lieber dort, wo auch die Einheimischen essen, das ist meistens relativ günstig.

Generell macht mir Sparen aber mehr Spaß als Konsum. 200 Euro wandern jeden Monat in ETF-Sparpläne, zusätzlich investiere ich immer mal wieder größere Beträge, zuletzt während des Corona-Crashs. Ab und an investiere ich einige hundert Euro in Einzelaktien, damit habe ich allerdings nicht so gute Erfahrungen gemacht. Vor anderthalb Jahren habe ich für rund 500 Euro Wirecard-Aktien gekauft - die sind jetzt noch fünf Euro wert, das ist ein bisschen ärgerlich. Der Rest, der jeden Monat übrig bleibt, wandert auf mein Tagesgeldkonto oder in P2P-Kredite. Geld ist mir schon wichtig, da es mir Sicherheit gibt. Selbst wenn ich meinen Job verlieren würde, könnte ich mein Leben erst mal wie gewohnt fortführen - natürlich nicht für immer. Aber lange genug, dass es mir Sicherheit gibt.

Der Grundschullehrer verdient 3095 Euro netto pro Monat.
Bild: Sebastian Kahnert, dpa (Symbol)

Grundschullehrer aus Aschaffenburg, 29 Jahre alt, verheiratet, ein Hund

Ich bin verbeamtet und verdiene im Monat 3095 Euro netto. Vor Kurzem haben wir ein Haus gekauft, für die Kreditrate zahlen meine Frau und ich jeweils 600 Euro pro Monat, für Lebensmittel je 200 Euro. Für Nebenkosten, Versicherungen, Sprit, Sportverein und unseren Hund kommen pro Monat nochmal rund 600 Euro pro Person zusammen. Ich gebe gern Geld für Urlaube aus, für mein Fahrrad, Instrumente oder Einrichtung fürs Haus. Da kommen im Jahr rund 5000 Euro zusammen. Bei diesen Dingen macht mir Konsum Spaß, ebenso wenn es darum geht, hochwertige Lebensmittel mit vernünftigem Biosiegel zu kaufen.

Mir ist Geld wichtig, um so zu leben, wie ich möchte. Und ein wenig Erspartes ist mir wichtig zur Absicherung. Zuletzt mehr als 100 Euro ausgegeben habe ich für ein Saxophon. Etwas, was ich mir gern kaufen würde, aber aktuell nicht leisten kann, wäre ein Jeep Wrangler Cabrio. Das kostet 50.000 Euro. Das ist aber kein wirklich großer Wunsch, ohne geht's auch.

Die Studentin bekommt 530 Euro Bafög pro Monat und 100 Euro von ihren Eltern.
Bild: Uwe Anspach, dpa (Symbol)

BWL-Studentin aus Augsburg, 26 Jahre alt, ledig, keine Kinder

Von meinen Eltern bekomme ich 100 Euro im Monat, zusätzlich zu meinen 530 Euro Bafög. Bis Mai hatte ich noch einen Nebenjob, in dem ich 450 Euro im Monat verdient habe. Den habe ich dann aber aufgegeben, um mich auf meine Bachelorarbeit konzentrieren zu können. Wegen Corona habe ich in diesem Jahr auch nicht auf Volksfesten oder Jahrmärkten arbeiten können wie in den vergangenen Semestern. Das habe ich früher zwei bis drei Mal pro Jahr gemacht, da sind dann circa 3000 Euro zusammengekommen. Das Geld habe ich ausgegeben für Reisen oder größere Anschaffungen wie einen neuen Laptop. Das, was übrig blieb, ging aufs Sparbuch. 

Die Miete für mein WG-Zimmer beläuft sich auf 350 Euro, für Lebensmittel gebe ich monatlich circa 170 Euro aus, sonstige Ausgaben wie Versicherungsbeiträge und die Kosten für mein Handy belaufen sich auf etwa 140 Euro. Ungefähr 30 Euro - mal mehr, mal weniger -  gehen pro Monat für Auswärts essen oder Cafébesuche drauf. Und insgesamt 60 Euro spare ich in einem Bausparvertrag und auf meinem Sparbuch.

Ich würde gern den Dachboden in meinem Elternhaus renovieren, dafür würde aber mein gesamtes Erspartes draufgehen. Das möchte ich aktuell nicht, da ich demnächst auch noch mein Bafög zurückzahlen muss. Zuletzt mehr als 100 Euro ausgegeben habe ich erst vor wenigen Tagen: Die Rückmeldung an der Uni fürs nächste Semester hat 115,75 Euro gekostet.

Geld ist beruhigend, wenn man es hat, aber für mich hat es nicht so einen hohen Stellenwert. Andere Dinge im Leben sind mir wichtiger. Konsum muss für mich Sinn haben. Mir macht es keinen Spaß, irgendetwas zu kaufen, was ich nicht wirklich brauche. Ich gehe nicht regelmäßig shoppen, eher selten, aber wenn mir etwas wirklich gefällt, kaufe ich das gern. Wobei ich da auch etwas knauserig bin. Meist warte ich dann ab und hoffe, dass es die Sachen ein paar Wochen später im Sale gibt. Ich versuche schon darauf zu achten, unnötigen Konsum zu vermeiden – was natürlich auch daran liegt, dass ich aktuell keine Einkünfte habe.

Der Luftfahrt-Ingenieur arbeitet 39 Stunden pro Woche und verdient 2950 Euro netto.
Bild: Annette Zoepf (Symbol)

Luftfahrt-Ingenieur aus Augsburg, 29 Jahre alt, ledig, keine Kinder

Ich arbeite 39 Stunden pro Woche und verdiene monatlich 2950 Euro netto. Die Miete für mein WG-Zimmer kostet 490 Euro, für Lebensmittel gebe ich pro Monat etwa 265 Euro aus. Weitere regelmäßige Ausgaben sind monatlich 60 Euro für den Sportclub und 160 Euro Leasingrate für mein Auto. Pro Monat investiere ich zudem 1000 Euro - 100 Euro in einen ETF-Sparplan, 50 Euro in P2P-Kredite und 850 Euro in Aktien. Zuletzt mehr als 100 Euro ausgegeben habe ich für einen mehrtägigen Ausflug nach Garmisch-Partenkirchen. Ich würde gern noch mehr Sachwerte wie Aktien, Immobilien oder Gold kaufen, kann mir das aber momentan nicht leisten.

Mir ist es wichtig, unnötigen Konsum einzuschränken, da ich mich über unnütze Gegenstände im Nachhinein nur ärgern würde. Grundsätzlich macht mir Konsum nur in wenigen ausgewählten Bereichen Spaß, wie beim Sport oder für Reisen. In meiner Freizeit fahre ich viel Rennrad, für Leasing, Ausrüstung und Co. zahle ich etwa 1000 Euro pro Jahr. Fürs Reisen gebe ich pro Jahr zwischen 1500 und 2500 Euro aus. Die Kosten für sonstige Aktivitäten wie Gleitschirmfliegen oder Motorradfahren belaufen sich auf rund 300 Euro pro Jahr. Geld per se ist mir nicht so wichtig. Der Blick auf einen steigenden Kontostand beispielsweise erfüllt mich nicht mit Freude. Aber mir ist sehr wichtig, was mir Geld ermöglicht, nämlich Freiheit, Gesundheit und Sicherheit.

Die Arbeitssuchende bezieht 1591,50 Euro Arbeitslosengeld.
Bild: Patrick Seeger, dpa (Symbol)

Arbeitssuchende Materialwissenschaftlerin aus Bremen, 31 Jahre alt, ledig, keine Kinder

Aktuell beziehe ich Arbeitslosengeld und bekomme 1591,50 Euro pro Monat. Für die Miete gehen davon rund 750 Euro drauf, Handyvertrag und diverse Abos summieren sich auf etwa 30 Euro. Für meine Berufsunfähigkeitsversicherung zahle ich im Monat 47 Euro, für meinen Bootsliegeplatz und die Versicherung 69 Euro. Für Essen gebe ich pro Monat etwa 320 Euro aus. Gutes Essen ist etwas, für das ich gern Geld ausgebe, ebenso für Besuche bei Freunden oder Geschenke. Da komme ich im Monat auf Kosten von rund 150 Euro. Außerdem mache ich Yoga, das kostet nochmal 20 Euro im Monat. Zuletzt mehr als 100 Euro ausgegeben habe ich für ein Hochzeitsgeschenk.

Grundsätzlich macht mir Konsum Spaß, wenn es sich um sehr schöne oder sehr praktische Dinge handelt. Aktuell konsumiere ich allerdings eher weniger, da ich versuche mein Geld zusammenzuhalten. Als ich meinen Job noch hatte, war mir Geld nicht wichtig. Da ich aber aktuell auf mein Geld achten muss, ist es mir automatisch wichtiger geworden.

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