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Tarifstreit

17.02.2015

Arbeitgeber-Chef Rainer Dulger: „Die IG Metall muss sich bewegen“

Warnstreiks: Die Gewerkschaft IG Metall demonstriert seit Wochen in der Tarifrunde der Metallindustrie ihre Macht.
Bild: Ole Spata, dpa

Die Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent mehr Lohn. Arbeitgeber-Chef Rainer Dulger bietet 2,2 Prozent und fordert die IG Metall auf, die Mitglieder nicht weiter aufstacheln.

Herr Dulger, die IG-Metall ist der Meinung, die Arbeitgeber müssten dankbar für die Forderung der Gewerkschaft nach besseren Weiterbildungsmöglichkeiten sein. So würde dem Fachkräftemangel entgegengewirkt. Haben Sie als Gesamtmetall-Präsident schon Danke zu IG-Metall-Chef Detlef Wetzel gesagt?

Dulger: Ich kann keinen Grund erkennen, warum wir der Gewerkschaft dankbar sein sollten. Denn die letzte kräftige Lohnerhöhung liegt gerade einmal acht Monate zurück. Die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie haben in den vergangenen Jahren einen deutlichen Zuwachs der Reallöhne verzeichnet. Die Lohnerhöhungen fielen also spürbar höher als die Inflation aus. Und was die Weiterbildung betrifft: Hier hatten wir in allen Tarifregionen tarifliche Regelungen.

Was ist damit passiert?

Die Regelungen hat die IG Metall vor der Tarifrunde gekündigt, um einen generellen Anspruch auf individuelle Weiterbildung im Tarifvertrag festzuschreiben. Für uns ist es durchaus denkbar, die alten Regelungen wieder in Kraft zu setzen und uns speziell für an- und ungelernte Mitarbeiter etwas zu überlegen. Wir bieten Lösungen für Weiterbildung in der Tarifrunde an. Ich verstehe daher nicht, warum wir der IG Metall dankbar sein sollten...

...weil die Gewerkschafter aus ihrer Sicht den Job der Arbeitgeber machen und mit einem Recht auf Bildungsteilzeit jungen Menschen bessere Qualifikationsmöglichkeiten eröffnen wollen. Müssen Sie von der IG Metall also zum Glück gezwungen werden?

Die Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie kümmern sich intensiv um die Weiterqualifikation ihrer Mitarbeiter. Wir geben deshalb jedes Jahr acht Milliarden Euro für Aus- und Weiterbildung aus. So wichtig ist uns dieses Thema. Und wir bilden die Beschäftigten während ihrer Arbeitszeit fort.

Was haben Sie dann gegen eine Bildungsteilzeit?

Die Bildungsteilzeit, wie sie die IG Metall vorschlägt, stellt für uns keine Verhandlungsgrundlage dar und ist für uns ausgeschlossen. Wir können unseren Unternehmen nicht vermitteln, dass Beschäftigte einen vom Arbeitgeber bezuschussten Anspruch auf Weiterbildung haben – auch, wenn es dafür in der Firma gar keinen Bedarf gibt.

Was heißt das konkret?

Nehmen wir einen Betrieb mit 25 Mitarbeitern. Hier gibt es in dem Unternehmen zwei Meisterstellen, die beide besetzt sind. Zwei weitere Mitarbeiter verfügen über die Qualifikation zum Meister. Sie haben den Meisterbrief. Es ist aber keine Stelle frei. Jetzt will ein fünfter Mitarbeiter seinen Meister machen.

Nach dem IG-Metall-Modell müsste ihm der Arbeitgeber die Ausbildung durch Freistellung und sogar durch eine weitere Bezahlung des Gehaltes ermöglichen.

Genau das ist doch absurd, weil der Betrieb in unserem Fall dem jungen Mann den Meister bezahlen müsste, obwohl auf Jahre hinaus keine Meisterstelle frei wird. Und was passiert dann, wenn er den Meister gemacht hat? Er wird sich wohl bei einem anderen Arbeitgeber bewerben, weil er in seinem Betrieb keine Perspektive auf Beschäftigung als Meister hat. Deshalb ist für uns ein Anspruch auf Weiterbildung ohne betrieblichen Bedarf keine Verhandlungsgrundlage.

Die Gewerkschaft beharrt aber auf ihrer Position. Porsche-Betriebsrats-Chef Uwe Hück droht mit Urabstimmung, also Vorbereitungen für einen richtigen Arbeitskampf. Keine Angst?

Meine Botschaft vor der nächsten Tarifrunde am Montag in Baden-Württemberg lautet: Es ist an der Zeit, dass sich die IG Metall massiv bewegt und aufhört, die Forderungen nach einer Bildungsteilzeit wie eine Monstranz vor sich her zu tragen. Seit Monaten stachelt die IG Metall ihre Mitglieder mit Maximalforderungen – etwa nach der Bildungsteilzeit – auf. Bis heute hat sich die Gewerkschaft von dieser Forderung nicht wegbewegt.

Auf alle Fälle bewegt die IG Metall Massen. Mehrere hunderttausend Beschäftigte haben an Warnstreiks der Organisation teilgenommen.

Diese Warnstreiks werden in einem Umfang und mit einer Rhetorik abgefahren, als habe es auf unserer Seite keine Bewegung gegeben. Wir haben uns aber deutlich bewegt und deshalb wäre die IG Metall gut beraten, die Mitglieder nicht mehr mit den Maximalforderungen von November 2014 aufzustacheln.

Sie sagen immer wieder „aufstacheln“. Die IG Metall scheint Sie also empfindlich zu reizen. Kommt es zum großen Konflikt?

Jedenfalls tragen wir dazu nicht bei und haben der IG Metall große Zugeständnisse wie bei der Forderung der Gewerkschaft nach einer neuen Regelung zur Altersteilzeit gemacht. Wir wollen, dass zwei Prozent der Beschäftigten eines Betriebes, die eine besonders belastende Tätigkeit ausüben, also etwa Schichtarbeit, früher in den Ruhestand gehen können. Diese zwei Prozent sollen einen tarifvertraglichen Anspruch auf Altersteilzeit haben. Für den Rest der Beschäftigten gilt das nicht. Hier müssen die Unternehmen auf freiwilliger Basis Altersteilzeit-Regelungen treffen.

Bei den Themen Alters- und Bildungsteilzeit knirscht es dennoch mächtig. Beim Lohn sollte jedoch eine Einigung möglich sein. Die IG Metall kann sicher nicht die angepeilte Steigerung von 5,5 Prozent durchsetzen. Wie ist es mit rund drei Prozent? Das empfiehlt ja die Bundesbank.

Wir bieten 2,2 Prozent.

Also müssen Sie noch etwa 0,8 Prozent draufpacken, um den Rat der Bundesbank zu befolgen.

Die Vorstellungen der Bundesbank sind für uns kein Verhandlungsziel. Nach meiner tiefsten Überzeugung sollte sich die Bundesbank um die Stabilität unseres Geldes und nicht um Tarifpolitik kümmern. Wir finden mit der IG Metall für unsere Branche eine Lösung, die für uns am besten ist. Wir orientieren uns nicht an der Bundesbank.

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