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Augsburg

21.10.2019

Arbeitsplätze bei MT Aerospace in Gefahr: Das sagt der Chef

MT Aerospace fertigt in Augsburg Teile für die Raketen Ariane 5 und Ariane 6.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Der Augsburger Raumfahrt-Zulieferer kämpft mit Kürzungen beim Ariane-Programm der Esa. Bei einer Konferenz Ende November entscheidet sich die Zukunft.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will prüfen, ob Deutschland einen eigenen Weltraumbahnhof braucht. Das sagte er auf einen entsprechenden Vorschlag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Raumfahrtexperten reagierten skeptisch. Derweil muss das Augsburger Zuliefer-Unternehmen der Raumfahrtindustrie, MT Aerospace, Personal abbauen. Von bis zu 160 Beschäftigten spricht Hans J. Steininger, der Vorstandsvorsitzende im Gespräch mit unserer Redaktion. Ob es so kommt, hängt von einer Tagung Ende November in Sevillia ab.

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MT Aerospace fertigt in Augsburg Teile für die Trägerrakete Ariane 5

Dort tagt findet der Esa-Ministerrat statt. Die Raumfahrt-Minister der Teilnehmernationen der Europäischen Weltraumagentur Esa entscheiden über die Finanzierung der europäischen Raumfahrt in den kommenden Jahren. Es geht um viel Geld – und über ein Projekt, das Arbeitsplätze in Augsburg sichern könnte. MT Aeropace fertigt in Augsburg Teile für die europäischen Trägerraketen Ariane 5 und deren Nachfolgemodell Ariane 6. Doch der Markt für so große Raketen ist schwierig. Es gibt deutlich weniger große geostationäre Satelliten, der Trend geht zu kleineren, leichter ersetzbaren Modellen. Dazu gibt es mit Space X aus den USA einen starken Wettbewerber. Die Folge: Die Esa hat sich entschieden, zehn Ariane-5-Raketen weniger zu bestellen als ursprünglich geplant. „Ursprünglich war geplant, die Komponenten für die Ariane 5 parallel zur anlaufenden Ariane-6-Produktion noch bis Ende 2021 zu bauen“, erklärt Steininger. Doch der Übergang zum Nachfolgermodell verläuft ruckelig.

Hans J. Steininger ist Chef von MT Aerospace.
Bild: Ulrich Wagner

Wie viele Arbeitsplätze fallen bei MT Aerospace in Augsburg weg?

Ariane 6 war geplant für elf Starts pro Jahr. Auch da hat der Markt zu einem Umdenken geführt: Mittlerweile geht die Esa von nicht mehr als sechs Starts im Jahr aus. „Die Nachfrage nach Satelliten hat sich in den letzten fünf Jahren halbiert, aber auch der Preis für den Start den Satelliten hat sich halbiert“, so Steininger weiter. Beides zusammen schafft Probleme. „Bei uns entsteht in der Produktion eine Lücke, die man umrechnen kann in Arbeitsplätze: 70 bis 80 Mitarbeiter, das sind etwa 40 Prozent der Beschäftigten am Standort in der Raumfahrt“, so Steininger. Verschärft wird dieser Trend noch dadurch, dass für die Produktion der Ariane 6 ohnehin weniger Personal benötigt wird, da der Automatisierungsgrad höher ist.

Arbeitsplätze bei MT Aerospace in Gefahr: Das sagt der Chef

Doch nicht nur in der Produktion werden Arbeitsplätze gestrichen. Wenn Deutschland beim Ministerrat nicht auf eine Fortführung der geleisteten Entwicklungsarbeit in Augsburg dränge, stehe laut Steininger noch einmal die gleiche Zahl von Ingenieurstellen auf der Kippe. Im Kern geht es um eine Oberstufe für die Ariane 6, die künftig zur Gewichtsersparnis aus Kohlefaser gefertigt werden soll. Steininger will die Entwicklung des Bauteils nach Augsburg holen: „Wie die Ariane 5 muss auch die Ariane 6 weiterentwickelt werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dazu sollte die Politik auf der Ministerratskonferenz die notwendigen Budgets zur Verfügung stellen. Denn wer sich jetzt die technologischen Grundlagen erarbeitet, wird hinterher auch die Entwicklung und die Produktion in den kommenden 20 Jahren machen“, ist sich der Firmenchef sicher.

Wie geht es weiter bei MT Aerospace in Augsburg?

Dazu muss man wissen, dass die Esa nach dem Prinzip eines geografischen Mittelrückflusses arbeitet. Das heißt, sie investiert über Industrieaufträge in jedem Mitgliedstaat Beträge, die etwa den Beitragsgeldern des Landes entsprechen. Für die Oberstufe aus Kohlefasern rechnet Steininger mit einem Aufwand von 100 bis 200 Millionen Euro für die nächsten drei bis fünf Jahre.

Noch vor Weihnachten sollen die ersten Bauteile der Ariane 6 Augsburg verlassen. Bis dahin muss auch über den Stellenabbau in der Produktion verhandelt werden. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Inga Kühne sagt: „Wir hoffen, so schnell wie möglich Klarheit zu bekommen und so günstige Lösungen wie möglich für die Kollegen zu finden, die das Unternehmen verlassen müssen.“ Ähnlich äußert sich die IG Metall: „Unser Bestreben ist es, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt, sondern andere Wege gefunden werden“, so Angela Steinecker. Vor den Fabriktoren wollte sich am Montag kaum jemand aus der Belegschaft über den geplanten Stellenabbau äußern. Eine Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht nennen wollte, sagte: „Die Unsicherheit gilt für alle. Niemand fühlt sich in seiner Position sicher. Wir wissen schon seit der letzten Betriebsversammlung, dass Stellen wegfallen werden.“

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