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17.06.2009

Arcandor stellt weitere Insolvenzanträge

Arcandor stellt weitere Insolvenzanträge
Bild: DPA

Essen/Fürth (dpa) - Beim schwer angeschlagenen Arcandor-Konzern hat sich die Zahl der bedrohten Arbeitsplätze auf rund 50 000 erhöht. Einen Tag vor der angekündigten ersten Bestandsaufnahme durch den vorläufigen Insolvenzverwalter stellte das Handels- und Touristik-Unternehmen weitere 15 Insolvenzanträge.

"Betroffen sind maßgeblich Gesellschaften, die Dienstleistungen oder andere Leistungen nahezu ausschließlich für die bereits insolventen Kernunternehmen erbringen", teilte die Arcandor AG am Mittwoch in Essen mit. Dabei handelt es sich im wesentlichen um Logistik- und Call-Center mit zusammen 6700 Beschäftigten. Nicht von der Insolvenz betroffen bleiben Thomas Cook, HSE24 und der Primondo Spezialversand. Gleichzeitig trennte sich das Bankhaus Sal. Oppenheim ohne weitere Begründung von den 3,7 Prozent direkt gehaltener Anteile an Arcandor.

Die Oppenheim-Gesellschafter besitzen aber weiterhin über eine Beteiligungsgesellschaft knapp 25 Prozent an Arcandor. Über die Zukunft dieser Anteile sei noch keine Entscheidung gefallen, betonte ein Sprecher. Bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens soll die weitere Entwicklung in den kommenden drei Monaten abgewartet werden. Zeitungsberichten zufolge stehen schon Interessen wie Hedge-Fonds und Einzelpersonen für eine Beteiligung bereit. Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz will ihre rund 26,7 Prozent behalten.

Unklar bleibt weiter, ob sich die notleidenden Karstadt-Warenhäuser nach der Insolvenz der Muttergesellschaft noch in eine Warenhaus-Ehe mit Kaufhof einbringen lassen. METRO-Chef Eckhard Cordes hatte vor Wochen diesen Vorschlag unterbreitet und davon gesprochen, dass auf diesem Wege rund 60 von 90 Karstadt-Häusern gerettet werden könnten. Hiervon machte er inzwischen Abstriche. Aus Sicht von Sal. Oppenheim hat die Acandor-Insolvenz die angestoßene Bildung der Warenhaus-Ehe eher erschwert, hieß es in Medienberichten.

Arcandor stellt weitere Insolvenzanträge

Beobachter sehen in den Äußerungen des Bankhauses den Versuch, das Modell der Deutschen Warenhaus AG zu torpedieren, weil ein Einzelverkauf der Karstadt-Warenhäuser möglicherweise einen höheren Erlös bringt als die Abgabe en bloc an die METRO. Immobilienexperten vermuten, dass sich für die Hälfte der Karstadt-Häuser rasch neue Nutzer finden ließen.

Nach den vergangene Woche gestellten Insolvenzanträgen für die Hauptgesellschaft Arcandor AG sowie für Karstadt, Quelle und die Versandhandels-Dachgesellschaft Primondo hat Arcandor jetzt vor allem Anträge für Logistiktöchter gestellt. Darunter sind die Primondo Logistik mit 1300 Beschäftigten sowie die Quelle Communication Center in Magdeburg mit 1000 und in Berlin mit 1200 Beschäftigten. Der Geschäftsbetrieb soll aber in vollem Umfang erhalten bleiben, kündigte Arcandor an.

Die eigenständig und gewinnbringend arbeitende Touristiktochter Thomas Cook ist von Insolvenzanträgen nicht betroffen. Für Spezialversender wie Baby Walz sind ebenfalls keine Anträge gestellt. Der Konzern ist derzeit auf die drei Säulen Tourismus (Thomas Cook), Warenhäuser (Karstadt) und Versandhandel (Primondo mit Quelle) aufgeteilt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg will sich diesen Donnerstag in Essen zur Lage des Konzerns äußern.

Die Quelle-Beschäftigten hoffen nach der Insolvenz des Handels- und Touristikunternehmens Arcandor trotz erwarteter Einschnitte auf eine Zukunft der Versandsparte. Die Insolvenzverwalter hätten deutlich gemacht, dass sie eine möglichst große Zahl von Arbeitsplätzen retten wollten, berichtete der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel am Mittwoch nach Mitarbeiterversammlungen in Nürnberg. Dort waren rund 4000 Beschäftigte über die Folgen der Insolvenz informiert worden.

Nach Angaben des Betriebsratschefs halten die Kunden Quelle bisher die Treue. "Die Zahl der Bestellungen ist ungebrochen, das Internet- Geschäft läuft gut weiter", sagte er. "Es sieht so aus, als ließen sich die Kunden nicht beeindrucken."

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