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"Atlas der Arbeit"
07.05.2018

Gewerkschaften warnen vor Sklaverei in Deutschland

Straßenstrich in Frankfurt am Main.
Foto: Boris Roessler/Symbolbild (dpa)

Minijobs, Teilzeit, Leiharbeit - Millionen haben keine unbefristete Vollzeitstelle, wie der "Atlas der Arbeit" schildert. Er bietet für Beschäftigte aber gute Aussichten.

Mehr Niedriglöhner, häufigere Erreichbarkeit und der Einzug der Roboter: Die Arbeitswelt vieler Menschen in Deutschland hat sich schon in den vergangenen Jahren deutlich verändert und steht nun vor einer großen Herausforderung.

Das geht aus dem "Atlas der Arbeit" hervor, der in Berlin vorgestellt wurde.

"Man befindet sich heute in einer revolutionären Situation", sagte Michael Guggemos, der Geschäftsführer der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung. Technikgetrieben entstünden Crowdworking, also die standortunabhängige Auftragsverteilung übers Internet, und neue Dienstleistungen, etwa durch Plattform-Betreiber wie den Fahrtenvermittler Uber und den Essenslieferdienst Foodora.

Auch diese Unternehmen müssten ihre Arbeitgeberverantwortung wahrnehmen und etwa Sozialversicherungsbeiträge und Mindestlöhne zahlen, forderte Reiner Hoffmann, der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds bei der Vorstellung des "Atlas der Arbeit".

Die Broschüre zeigt, wie schon jetzt sogenannte atypische Beschäftigung wächst: Minijobs, Teilzeit- und Leiharbeit, Werk- und Zeitverträge. 7,4 Millionen Menschen arbeiteten demnach auf 450-Euro-Basis, für 4,7 Millionen von ihnen sei es die einzige Einkommensquelle.

"Entgegen der ursprünglichen Idee haben sich Minijobs für die Beschäftigten nicht als Einstieg zu guter Arbeit erwiesen", resümieren die Autoren. Deutschland habe den größten Niedriglohnsenktor Westeuropas, kritisiert der Bericht. 1,2 Millionen Beschäftigte bekämen zusätzlich Hartz IV.

Wer neu eingestellt werde, bekomme in 44 Prozent der Fälle nur einen befristeten Vertrag - in der Hoffnung, eines Tages unbefristet eingestellt zu werden. In der Kritik steht die Deutsche Post, weil dies dort unter anderem davon abhängig ist, wie oft der Mitarbeiter krank ist und wie häufig er Unfälle mit Postfahrzeugen baut.

"Es ist arbeitsrechtlich nicht angreifbar, aber es ist moralisch höchst verwerflich", sagte Hoffmann. "Es ist an der Zeit, dass mit diesem Unfug aufgeräumt wird." Es freue ihn, dass sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) dafür einsetzen wolle.

Skizziert wird im "Atlas der Arbeit" auch Zwangsarbeit. "Es gibt eine zunehmende Gefahr von Arbeitssklaverei in Deutschland", sagte Guggemos. Dies sei für ihn die überraschendste Erkenntnis aus dem rund 60-seitigen Atlas.

Als Beispiel nennen die Autoren die Zwangsprostitution mit Freiheitsberaubung und sexueller Ausbeutung. Der Bericht zitiert Daten, nach denen das Risiko für Eingewanderte zunimmt, in Deutschland Opfer von Arbeitsknechtschaft und Menschenschmuggel zu werden.

Dass die erwerbsfähige Bevölkerung abnehme, müsse dagegen niemandem Angst machen, heißt es in dem Bericht. Zumindest rechnerisch könne die Arbeitslosigkeit schon 2027 beseitigt sein. "Knappheit an Arbeitskräften erlaubt auch deutliche Lohnsteigerungen." Weil auf lange Sicht mehr Arbeitskräfte gebraucht würden, müssten vor allem Einwanderer einspringen. (dpa)

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