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Ingolstadt

11.01.2019

Audi-Absatz bricht ein: Sind jetzt Jobs in der Region in Gefahr?

Audi hat 2018 deutlich weniger Autos verkauft als im Vorjahr - vor allem in Europa.
Bild: Andreas Gebert, dpa (Archiv)

Plus Jahrelang eilte Audi von Rekord zu Rekord. Das ist vorbei. Vorstandschef Bram Schot stellte die Mitarbeiter bereits auf härtere Zeiten ein.

Bei Audi wusste man, dass 2018 ein schwieriges Jahr werden würde. Von einem „Ausnahmejahr“ hat Finanzvorstand Alexander Seitz im Mai bei der Hauptversammlung gesprochen, der damalige Audi-Chef Rupert Stadler nannte 2018 „ein Jahr des Übergangs und des Aufbruchs“. Es sollten Warnungen sein. Denn Dieselkrise, Modellumstellungen und vor allen Dingen der neue Abgastestzyklus WLTP, der seit September gilt, haben bei Audi deutliche Spuren hinterlassen. Nicht zuletzt hat die Verhaftung von Stadler, der mehr als vier Monate lang in Untersuchungshaft war, für Unruhe gesorgt.

Am Donnerstag wurden erste Zahlen für dieses „Ausnahmejahr“ bekannt gegeben: Der Autobauer hat im vergangenen Jahr 3,5 Prozent weniger Autos verkauft als noch 2017. Die Zahl fiel um mehr als 65.000 Fahrzeuge weltweit auf 1,81 Millionen. Besonders deutlich zeigt sich der Einbruch im Dezember mit mehr als 14 Prozent. Im Mai hatten die Verantwortlichen immerhin noch auf „Auslieferungen mindestens auf Vorjahresniveau“ gehofft. Das hat nicht geklappt.

Drei Gründe für eingebrochenen Audi-Absatz: WLTP, Dieselkrise, neue Modelle

Als Hauptursache für den deutlichen Einbruch sieht das Unternehmen die WLTP-Umstellung. Dabei müssen sämtliche Motor-Getriebe-Varianten eine Zulassung bekommen. Betroffen sind davon alle Automobilhersteller, doch Audi leidet besonders. Schon allein die Dieselkrise sorgte dafür, dass die Prüfstände ausgelastet sind, dazu kamen dann noch die WLTP-Tests. Noch im ersten Quartal aber sollen wieder alle Modelle und Varianten verfügbar sein. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Allerdings: Noch in diesem Jahr gibt es eine zweite Stufe bei WLTP.

Einen Imageschaden wegen der Dieselkrise will die Sprecherin aus den Verkaufszahlen nicht herauslesen. So wertet es Audi als gutes Zeichen, dass es 20.000 Vorbestellungen für den E-tron gibt, den ersten elektrischen Audi, der ab März beim Händler stehen soll. Zwar wurden die Weihnachtsferien in der Produktion auf einigen Linien verlängert, doch plant Audi noch im Januar drei Sonderschichten bei den Modellen A4 und A5.

Audi-Betriebsrat hat Beschäftigungsgarantie bis 2025 durchgesetzt

In der Vergangenheit war Audi von Rekordjahr zu Rekordjahr geeilt, das scheint vorbei zu sein. „Jeder hat irgendwann erwartet, dass es so nicht weitergehen kann“, sagt Bernhard Stiedl, Erster Bevollmächtigter der in Ingolstadt mächtigen IG Metall. Von einer großen Krise will Stiedl nicht sprechen. Die Arbeitsplätze bei Audi sind sicher, der Betriebsrat hat vor gut einem Jahr eine Beschäftigungsgarantie durchgesetzt, die bis 2025 reicht.

Auch von den Zulieferern sei niemand auf die Gewerkschaft zugekommen, weil er einen Stellenabbau plant, sagt IG-Metaller Stiedl. „Alle sind bemüht, die Leute noch zu halten.“ Stiedl hofft auf eine „normale wirtschaftliche Situation“, wenn in einigen Monaten die WLTP-Tests abgeschlossen und alle Modelle verfügbar sind.

Audi-Chef Bram Schot kündigte bereits an: "2019 wird kein Spaziergang."
Bild: Armin Weigel, dpa

Auch viele Beschäftigte dürften dies hoffen. Denn kurz vor Weihnachten hat Audi-Chef Bram Schot im Interview mit der Süddeutschen Zeitung indirekt Stellenkürzungen nicht ausgeschlossen: Wenn er sehe, dass das jetzige Produktionsvolumen mit rund 90.000 Mitarbeitern erstellt wird, würde er sagen, es gebe zu viele Arbeitnehmer bei Audi, sagte er. „Jetzt kann man überlegen, mit weniger Leuten zu arbeiten. Oder mit den gleichen Leuten mehr Output zu erzeugen“, fügte er an – und stellte klar, dass er die zweite Option bevorzuge. Schot sagte im Interview auch, die vergangenen Jahre des Wachstums hätte „viele verwöhnt und ein bisschen träge gemacht“.

Analyst Frank Schwope: „Für Audi kommt gerade viel zusammen“

Dass Risiken und Herausforderungen vor Audi liegen, meint auch Frank Schwope der als Analyst der NordLB Audi und VW beobachtet. „Es sind sehr schwache Zahlen, die Audi für den Dezember vorgelegt hat. Audi ist klar hinter BMW und Mercedes zurückgefallen“, sagte er unserer Redaktion. Schwope macht aber auch eine sehr spezielle Situation dafür verantwortlich: Der Brexit belastet den Markt in England, dazu kommen der weltweite Handelskonflikt und die Dezember-Einbrüche in China. „Für Audi kommt gerade viel zusammen“, meint Schwope.

Für die Zukunft sieht er zudem das Risiko, dass auf Audi Schadenersatzforderungen von Porsche zukommen könnten. Audi hatte Porsche Dieselmotoren mit illegaler Abgas-Software geliefert. Aus Sicht des Analysten muss Audi jetzt Forschung und Entwicklung voranbringen – „damit der Slogan ,Vorsprung durch Technik‘ wieder funktioniert“, sagt Schwope.

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