1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Audi-Chef Rupert Stadler gerät zunehmend unter Druck

Abgas-Skandal

14.11.2016

Audi-Chef Rupert Stadler gerät zunehmend unter Druck

Rupert Stadler wurde im Jahr 2007 Chef des Ingolstädter Autobauers Audi.
Bild: Ulrich Wagner

Auch innerhalb des Volkswagen-Konzerns wächst der Unmut über immer neue Skandal-Baustellen in Ingolstadt. Dadurch gerät der Audi-Chef Rupert Stadler zunehmend unter Druck.

Jürgen Pieper ist einer der erfahrensten und renommiertesten deutschen Auto-Experten. Der Analyst des Bankhauses Metzler betrachtet mit zunehmendem Unverständnis, wie in der Volkswagen-Abgasaffäre immer neue belastende Details über die Ingolstädter Tochter Audi ans Licht kommen. Was den Branchenkenner dabei – wie andere Beobachter auch – besonders irritiert: Die Enthüllungen stammen nicht aus dem Unternehmen selbst, sondern entspringen Recherchen von Journalisten. „Dabei wollten sich Volkswagen und Audi doch an die Spitze der Aufklärung stellen“, erinnert Pieper gegenüber unserer Zeitung. Dass immer wieder weitere Details bekannt werden, füge dem Image von VW und Audi enormen Schaden zu.

Das Schicksal von Stadler entscheidet sich in Wolfsburg

Dabei will sich Pieper nicht an Personal-Spekulationen beteiligen. Zur Zukunft des in der Abgas-Affäre immer mehr in der Kritik stehenden Audi-Chefs Rupert Stadler sagt er nur: „Der Druck nimmt zu. Er ist gefährdet.“ Wer sich unter Deutschlands führenden Auto-Experten umhört und sie nach der Zukunft des Audi-Chefs befragt, stößt vielfach auf Zurückhaltung. Die meisten wollen nicht zitiert werden, sie ziehen Hintergrundgespräche vor. Einer, der neben Pieper doch Klartext spricht, ist der bekannteste deutsche Kenner der Autoszene, Professor Ferdinand Dudenhöffer. Zwar will auch er nicht direkt eine Prognose über Stadlers Zukunft abgeben, was der Experte dann andeutet, gibt aber einen tiefen Einblick in die extrem verschachtelte Macht-Welt des Volkswagen-Konzerns. Das wiederum erlaubt Rückschlüsse, ob der Audi-Chef den Skandal-Sturm doch noch im Vorstandsamt überstehen könnte.

Bei der Dudenhöffer-Theorie spielen zwei Männer, beides Aufsichtsräte des Volkswagen-Konzerns, eine zentrale Rolle. Der eine ist nach dem Rückzug des einstigen VW-Patriarchen Ferdinand Piëch der einflussreichste Vertreter der am Unternehmen beteiligten Familienstämme. Der andere bestimmt die Geschicke der bei Volkswagen mächtigen IG Metall. Ersterer heißt Wolfgang Porsche. Er wird kurz „WoPo“ genannt, ist 73 Jahre alt und gilt als eher sanfter Mann, der Hauruck-Aktionen verschmäht. Sein Großvater Ferdinand Porsche hat den VW-Käfer entwickelt. Hinzugesellt sich in der Dudenhöffer-Theorie als zweiter Mann Bernd Osterloh. Der 60-Jährige ist als Betriebsratsvorsitzender und Gewerkschafter der oberste Arbeitnehmervertreter im Volkswagen-Imperium. Und weil am VW-Stammsitz in Wolfsburg gut 90 Prozent aller Beschäftigten Mitglieder der IG Metall sind, hat Osterloh eine immens starke Stellung im Unternehmen inne. Gefestigt wird seine Position auch dadurch, dass das Land Niedersachsen mit einem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten 20 Prozent der Anteile an VW hält. Gewerkschaft und Landesregierung treten bei Volkswagen traditionell im gleichgesinnten, also beschäftigtenorientierten Doppelpack auf.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Ein Augsburger wird als Nachfolger gehandelt

Doch was hat das mit Stadlers Zukunft zu tun? Eine Menge, denn wenn der Bayer geschasst werden sollte, müsste sich dafür eine Mehrheit im Aufsichtsrat finden. Doch es wäre, wie Dudenhöffer sagt, innerhalb des 20-köpfigen Gremiums nicht vermittelbar, wenn der Audi-Chef wegen der Abgas-Affäre gehen müsste, der ebenfalls mächtig unter Druck stehende Aufsichtsrats-Vorsitzende Hans Dieter Pötsch aber bleiben dürfte. Letzterer war einst VW-Finanzvorstand. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Pötsch, 65, wird vorgeworfen, Anleger zu spät über die Abgas-Affäre informiert zu haben. Der Österreicher scheint aber bei den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch nach wie vor hoch im Kurs zu stehen. Weil der als risikoscheu geltende Wolfgang Porsche, wie Dudenhöffer und andere mutmaßen, den als fachlich kompetent geltenden Pötsch nicht opfern will, könnte das für Stadler – zumindest einstweilen – eine Überlebensgarantie darstellen. Die Logik lautet: Wenn Pötsch bleibt, muss auch Stadler gehalten werden. So kompliziert ist die Volkswagen-Welt.

Wegen laufender Ermittlungen in der Abgas-Affäre schweigt der Audi-Chef zu allem meist. Mitte Oktober hatte er unserer Zeitung noch zu Spekulationen, Ex-Skoda-Chef Winfried Vahland, 59, würde ihn ablösen, gesagt: „Da sehen Sie mich tiefenentspannt.“ Seitdem steckt Audi tiefer in der Affäre fest, sodass Namen weiterer Manager kursieren, die Stadler beerben könnten. Unter den Kandidaten befindet sich Opel-Boss Karl-Thomas Neumann, 55. Viel heißer gehandelt wird jedoch der frühere Opel-Manager und heutige VW-Strategie-Chef Thomas Sedran. Der 52-Jährige ist gebürtiger Augsburger.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren