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19.03.2020

Audi beantragt Kurzarbeit für Ingolstadt und Neckarsulm

Bei Audi soll es in Ingolstadt und Neckarsulm Kurzarbeit geben.
Bild: picture alliance, dpa

Plus Audi-Chef Bram Schot ruft zum Zusammenhalt im Unternehmen auf. Wie viele Mitarbeiter betroffen sind.

Nachdem der Audi-Vorstand beschlossen hat, bis Ende der Woche die Werke in Ingolstadt und Neckarsulm runterzufahren, will das Unternehmen nun für die beiden deutschen Standorte Kurzarbeit beantragen. Unternehmenschef Bram Schot versicherte: "Diese Entscheidungen sind uns nicht leichtgefallen. Sie bedeuten erhebliche Einschnitte in unseren Geschäftsbetrieb, Belastungen für unsere Mitarbeiter und auch für unsere Kunden." Nach Informationen unserer Redaktion wird es nicht mehr lange dauern, bis Audi Kurzarbeit beantragt. Schot greift nun zu "drastischen Schritten", damit Audi langfristig überlebensfähig bleibe und nach der Krise wieder schnell handlungsfähig werde. Der Manager ist überzeugt: "Wenn wir jetzt unsere Kräfte bündeln, können wir gemeinsam diese Krise bewältigen."

Bram Schot sagt, dass die Entscheidung zur Kurzarbeit nicht leichtgefallen sei.
Bild: Marijan Murat, dpa

Tausende Audi-Mitarbeiter sind betroffen

Für das Unternehmen sind in Ingolstadt rund 44.500 Mitarbeiter tätig. Hinzu kommen am baden-württembergischen Standort Neckarsulm knapp 17.000 Beschäftigte. Zuletzt wurden in Ingolstadt mehr als 2000 und in Neckarsulm etwa 890 Autos am Tag hergestellt. In den direkten Bereichen, also in der Produktion, arbeiten nach Hochrechnungen rund 28.000 Menschen in den süddeutschen Audi-Fabriken, etwa 18.000 in Ingolstadt und rund 10.000 in Neckarsulm. Der Beschluss, die Werke runterzufahren, trifft damit tausende Frauen und Männer unmittelbar.

Der Betriebsrat stimmt der Kurzarbeit zu

Zu den radikalen Schritten sagte Peter Mosch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Audi AG: "Die Gesundheit unserer Kolleginnen und Kollegen und deren Familien ist für uns als Betriebsrat wichtiger als alles andere." Für den Gewerkschafter erfordert die verschlechterte Absatzlage und Unsicherheiten in der Teileversorgung das Herunterfahren der Produktion. Dabei ist es Mosch wichtig, jetzt "einen kühlen Kopf zu bewahren, besonnen zu sein und einen klaren Kurs zu fahren". Er ist überzeugt: "In unsicheren Zeiten brauchen wir Sicherheit für die Kolleginnen und Kollegen. Kurzarbeit dient bei Audi der Beschäftigungssicherung." Deshalb stimmt der Betriebsrat dem Antrag des Unternehmens auf Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit zu.

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Die Autohersteller standen schon vor der Corona-Krise vor enormen Herausforderungen

Dabei können sich die Beschäftigten in schwierigen Zeiten noch glücklich schätzen, sind sie doch zumindest finanziell abgesichert. Mosch wies darauf hin, dass grundsätzlich sowohl für Neckarsulm als auch für Ingolstadt eine Betriebsvereinbarung gelte, "in der wir mit dem Vorstand eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 95 Prozent des monatlichen Nettoarbeitsentgelts für die betroffenen Kollegen in der Fertigung und tangierenden Bereichen festgeschrieben haben". Das ist eine äußerst komfortable Lösung. Für zusätzliche Entspannung unter den Beschäftigten dürfte auch die Nachricht sorgen, dass die diesjährige Audi-Ergebnisbeteiligung für Facharbeiter in den deutschen Werken 3880 Euro beträgt, während es zuletzt noch 3630 Euro gab. Audi-Chef Schot verzichtete am Donnerstag auf die ursprünglich anberaumte digitale Jahrespressekonferenz. Unterlagen wurden in Corona-Zeiten schriftlich versandt.

In dem Statement des Niederländers, der Ende März – wie berichtet – aus seinem Amt ausscheidet, heißt es: "2019 war das Jahr des Anpackens, Veränderns und Verbesserns. Ich danke allen Audianerinnen und Audianern für ihren Einsatz." Das Engagement der Mitarbeiter hat sich ausgezahlt: Der Autobauer konnte den Umsatz von rund 53,62 auf 55,68 Milliarden Euro steigern und die Zahl der Auslieferungen von etwa 1,81 auf 1,85 Millionen Fahrzeuge erhöhen. Unter der Regie von Schot gewann auch das operative Ergebnis wieder an Geschwindigkeit. Hier war ein Zuwachs von etwa 3,53 auf 4,51 Milliarden Euro zu verzeichnen. Dabei sahen sich die Autohersteller schon vor der Corona-Krise enormen Herausforderungen ausgesetzt. So verlangt es ihnen vor allem immense Anstrengungen ab, die strengeren CO2-Vorgaben Brüssels zu erfüllen. Das geht natürlich nur mit deutlich mehr elektrisch angetriebenen Fahrzeugen. Audi ist vergleichbar spät in die Elektrozukunft gestartet, hat aber unter Schot aufgeholt. Der e-tron als erstes vollelektrisches Modell war nach Darstellung des Unternehmens im Januar und Februar dieses Jahres in Deutschland das meistverkaufte Elektroauto. Doch noch sind die Stückzahlen überschaubar. Bis heute hat Audi erst rund 32.000 e-tron verkauft. Damit die E-Mobilität im Unternehmen an Fahrt aufnimmt, investiert Audi auch weiter in den Standort Ingolstadt. Schot sagte: "Dort laufen bereits Vorbereitungen für eine werksnahe eigene Batteriemontage." Beim Energieeinsatz geht die Firma neue Wege und bezieht in allen Werken weltweit "ausschließlich" Grünstrom.

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