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Ausgleichszahlung

18.07.2019

Aus für Batterie-Fabrik: Aiwanger will dreistelligen Millionenbetrag

Hubert Aiwanger will sich mit der Niederlage im Wettbewerb um eine Forschungsfabrik für Batteriezellen nicht zufriedengeben.
Bild: Marcus Merk

Plus Der Wirtschaftsminister will nach der Entscheidung für den Standort Münster einen Ausgleich. Wie es nun weitergeht? Dafür hat er konkrete Pläne.

Nach der Klatsche aus Berlin bleibt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gelassen. Die Entscheidung von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, die Batteriezellen-Forschungsfabrik in Münster und nicht in Augsburg zu bauen, versteht der Politiker der Freien Wähler zwar nicht: „Die bisherigen Erklärungsversuche sind unzureichend.“ Aiwanger hatte aber schon vor dem im Süden Deutschlands heftig kritisierten Beschluss einen „Plan B“ in der Schublade. Seine Strategie für neue Fahrzeugantriebe legte der Politiker nun erstmals umfassend gegenüber unserer Redaktion offen.

Aiwanger hofft dank einer engen Kooperation mit Baden-Württemberg („Südschiene“) den Norden, also das von der CDU-Politikerin Karliczek geförderte Münster „vielleicht sogar einmal rechts überholen zu können“. Der Niederbayer will dank eines Schulterschlusses mit dem enttäuschten grünen Landes-Chef Winfried Kretschmann die Niederlage in einen Sieg für Bayern und Baden-Württemberg verwandeln.

Hubert Aiwanger: Südländer sollen kooperieren

Das soll so funktionieren: Nach Aiwangers Vorstellungen „schmeißen die beide Südländer samt dortiger Forschungsinstitute und Autofirmen alles zusammen, was sie auf dem Feld neuer Fahrzeugantriebe vorweisen können“. Hier stellt sich Aiwanger mehrere Stoßrichtungen vor: So soll die bisherige Technik für Lithium-Ionen-Akkus wie auch in Münster weiterentwickelt werden. Das allein reicht für das Überhol-Manöver aber nicht. Aiwanger will auch die Forschung für Feststoff-Akkus für Stromer ausweiten. „Davon kann auch Augsburg profitieren“, kündigte der Minister an.

Aus für Batterie-Fabrik: Aiwanger will dreistelligen Millionenbetrag

Es geht um Batteriezellen der nächsten Generation

Hintergrund: Fraunhofer-Mann Professor Gunther Reinhart fordert rund 50 Millionen Euro, um die Technologie der deutlich leistungsfähigeren Feststoff-Akkus in Augsburg oder München erforschen zu können. Der renommierte Wissenschaftler träumt, wie er unserer Redaktion verriet, von „einer kleinen, aber feinen Forschungsfabrik für Batteriezellen der nächsten Generation“. Die Mittel sollen unter anderem vom Bund kommen. Die Gelder wären also ein Ausgleich dafür, dass Augsburg gegenüber Münster den Kürzeren zog.

Aiwanger wiederum machte deutlich, dass er Reinhart unterstützt. Der Wirtschaftsminister verfolgt aber weitergehende Pläne. Seine Devise lautet: „Jetzt erst recht.“ Dabei will er das „Vorurteil entkräften, der Süden sei bei der Produktion von Batteriezellen zu teuer“. Aiwanger setzt in der Produktion auf ein hohes Maß an Automation: „Hier kann uns Augsburg mit seinen Maschinenbauern wie etwa Kuka, aber auch den dortigen Forschungsinstituten helfen.“ Bei der Batteriezellen-Forschung plant er auch eine Zusammenarbeit mit dem im baden-württembergischen Ellwangen, aber auch im bayerischen Nördlingen vertretenen Spezialisten Varta.

Aiwanger fordert einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag vom Bund

An die Adresse des Bundes sagte der Politiker: „Ich erwarte, dass man uns im Süden nicht hängen lässt. Der Förderbeitrag aus Berlin muss für uns schon einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag ausmachen.“

Dabei setzt Aiwanger nicht nur auf die Batterie-, sondern auch die Wasserstoff-Technologie und damit die Brennstoffzelle. Denn er ist der Meinung: „Die Batterie deckt eine gewisse Nische der Mobilität ab, vor allem für Kurzstrecken in der Stadt.“ Für Ferndistanzen und schwere Nutzfahrzeuge favorisiert Aiwanger indes die Wasserstoff-Technik. „Auch hier suche ich den Schulterschluss mit Baden-Württemberg.“ Der Minister hofft auf die Unterstützung von Daimler, BMW, Audi und MAN. Der Politiker forderte die Industrie auf, „bis 2022 das alltagstaugliche Brennstoffzellen-Auto zu bauen, mit dem man 800 Kilometer fahren kann“. Aiwanger betonte: „Wir räumen der Industrie die Probleme aus dem Weg und bauen ein Tankstellennetz auf. Die Industrie muss auch liefern und in ein paar Jahren serienreife Fahrzeuge anbieten.“ Doch wo soll all der Wasserstoff herkommen?

Auch Wasserstoff-Technik soll gefördert werden

Der Politiker glaubt, dass der Wasserstoff mit Sonnenergie im Süden Deutschlands, in Südeuropa, aber auch in den ölerzeugenden Staaten und in Nordafrika erzeugt werden kann. In verflüssigter oder tief gekühlter Form könne er dann in Schiffen nach Europa geliefert werden. Seinem „Plan B“ zufolge würde auch Augsburg durch entsprechende dort angesiedelte Forschungsvorhaben vom Wasserstoff-Konzept profitieren. Letztlich schweben Aiwanger Hybrid-Fahrzeuge mit Batterietechnologie für die Kurzstrecke und Wasserstoff-Antrieb für längere Fahrten vor.

Nach seinem Geschmack ist der Bund trotz aktueller Pläne „noch zu passiv, was Wasserstoff betrifft“. Der Minister sagte: „Wir brauchen den Bund aber für einen Durchbruch bei Wasserstoff-Autos.“

Was auch interessant ist: In Berlin kursiert ein Schreiben, in dem die beratende Expertenkommission für den Standort Ulm votiert hatte. Das hat das Karliczek-Ministerium stets dementiert. Zudem machen sich die Experten für ein gemeinsames Standortkonzept zwischen Baden-Württemberg und Bayern stark.

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