Mit der Vergangenheit will sich Norbert Reithofer nicht lange aufhalten. Nicht, dass sich das Ergebnis von BMW nicht sehen lassen könnte. Im Gegenteil. Dem Münchner Autobauer geht es so gut wie nie. Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr, die der Konzernchef den Aktionären präsentiert, sind allesamt Bestwerte: Rekord beim Umsatz, Rekord beim Gewinn, Rekord beim Absatz.
Nicht ohne Stolz betont Reithofer, dass man damit auch die Konkurrenz abgehängt hat. „Noch nie hat ein Premiumhersteller in unserer Branche in einem Jahr mehr Fahrzeuge produziert und verkauft.“ 1,8 Millionen waren es im vergangenen Jahr, 603 000 in den ersten vier Monaten dieses Jahres. Und: Pro Auto verdienen die Münchner deutlich mehr als die Wettbewerber aus Ingolstadt und Stuttgart.
BMW will jetzt den Durchbruch mit E-Mobilen schaffen
Nein, es ist nicht die Zeit, sich mit Erreichtem aufzuhalten. Reithofer hat Größeres im Blick. „Die Zukunft gehört denen, die etwas wagen“, sagt der BMW-Chef. Und er findet noch mehr pathetische Worte, mit denen er den Aktionären die Elektro-Strategie des Konzerns schmackhaft machen will. Er spricht von Visionen, von Mut und Entschlossenheit und von nichts weniger als einer Revolution.
In diesem Jahr startet BMW die Serienproduktion von Elektrofahrzeugen. Im Herbst soll der Stadtwagen i3 im Leipziger Werk vom Band laufen, im Jahr darauf der Sportwagen i8. Während die Konkurrenz in Sachen E-Mobilität auf die Bremse geht, setzt man bei BMW alles auf die Strom-Karte. „Wir revolutionieren den Automobilbau“, sagt Reithofer einmal mehr und verweist stolz auf die Technik: Neu ist nicht der reine Stromantrieb, sondern auch die Karosserie aus extrem leichten Kohlefasern. Wo früher vor allem geschweißt, geschraubt und gelötet wurde, kommen jetzt Hightech-Kleber zur Anwendung.
Für BMW soll sich so die Beteiligung am Kohlefaserspezialisten SGL, der auch in Meitingen (Kreis Augsburg) forscht und produziert, bezahlt machen. Wie viel sich der Autobauer die Elektro-Zukunft insgesamt kosten lässt, darüber schweigt Reithofer – genauso wie über weitere Details. Das Handelsblatt schätzte die Investitionen zuletzt auf rund drei Milliarden Euro.
Experten glauben, dass E-Mobile auf absehbare Zeit ein Zuschussgeschäft bleiben
Die Euphorie der Münchner teilen in der Branche nur wenige – auch, weil der i3 geschätzte 40 000 Euro kosten soll und nach nur 150 Kilometern wieder an die Steckdose muss. Autoexperten glauben, dass E-Mobile auf absehbare Zeit ein Zuschussgeschäft bleiben. Von derartiger Schwarzmalerei aber will Reithofer nichts wissen. „Der i3 kommt definitiv auf den Markt. Und wir werden damit Geld verdienen.“
Reithofer brennt für die E-Mobilität. Bedenkenträgertum ist ihm fremd, die „German Angst“, für die die Deutschen weltweit bekannt seien, geißelt er. „Wenn es darum geht, grundlegende Veränderungen einzuleiten, wird hierzulande erst einmal lang und ängstlich diskutiert. Bei der Elektromobilität ist das nicht anders.“ Bei den Aktionären aber kommen Reithofers Pläne an. „BMW hat die Zeichen der Zeit erkannt“, sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Machen Sie weiter so!“
Andere loben die Dividende, die sich um 20 Cent auf 2,50 Euro je Aktie erhöht hat. So viel Vertrauen, sagt Reithofer und greift erneut zu großen Worten, „gibt Mut und Stärke. Jede Branche braucht einen, der vorangeht.“