1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Autobosse bei Trump: Erpresste reisen zum Erpresser

Autobosse bei Trump: Erpresste reisen zum Erpresser

Stefan Stahl.jpg
Kommentar Von Stefan Stahl
05.12.2018

Wie deutsche Auto-Bosse in den USA versuchen, US-Präsident Trump milde zu stimmen und so schmerzhafte Zölle abzuwehren.

Im trumpistischen Zeitalter scheint nichts unmöglich zu sein: Da müssen die Erpressten, also deutsche Auto-Bosse, wie Schulbuben zum Erpresser, eben zum US-Präsidenten, in die USA reisen. Als wäre das nicht demütigend genug, ließ es der Mann aus Washington gegenüber seinen Gästen zunächst offen, ob er das bizarre Treffen überhaupt mit seiner Anwesenheit beglückt oder nur einen Unter-Erpresser schickt. In der Trump-Un-Ära wird die Realität zur Satire. Der Wahnsinn hat Methode. Am Ende erschien der Zampano dann doch selbst.

Die milden Trump-Gaben kommen aus US-Sicht zur rechten Zeit, hat doch der amerikanische Auto-Riese General Motors dem Präsidenten die Folgen seiner Kamikaze-Wirtschaftspolitik auf drastische Weise aufgezeigt. Denn GM baut im Trump-Land Arbeitsplätze ab. Zölle sind wie ein Bumerang: Sie kommen zu ihren Urheber immer wieder mit Wucht zurück und verletzen ihn. In einer auf internationaler Arbeitsteilung ausgelegten Wirtschaftswelt stellen Handelssanktionen stets Masochismus dar.

Trump leidet unter Phobie gegen deutsche Premium-Autos auf US-Straßen

So heilen - und damit wird das Theaterstück endgültig bizarr - deutsche Automanager Wunden des großen Wirtschafts-Naiven Trump, die ihm im eigenen Land von GM zugefügt wurden. Dabei erniedrigen sich die Abgesandten der deutschen Industrie, denn sie haben schon bisher massiv in den US-Markt investiert, ja sie sind auch Chefs wichtiger amerikanischer Arbeitgeber. So steht das größte BMW-Werk nicht in Bayern, sondern in den USA. Da Trump aber ein Nimmersatt ist und unter einer massiven Phobie gegen deutsche Premium-Autos auf New Yorker Straßen leidet, geben die Auto-Männer dem Präsidenten nach, um Schlimmeres, nämlich fette Strafzölle zu verhindern.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der Auftritt unserer Giganten, die im Trump-Country zu eingeschüchterten Bittstellern schrumpfen, verstößt gegen die Kleiderordnung europäischer Politik. Denn eigentlich wäre es der Job der EU-Größen, sich des Wüterichs aus Washington zu erwehren. Nun macht Wirtschaft Politik, gibt dem Druck Trumps nach und schwächt dadurch die Position der Politik.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

05.12.2018

Außenwirtschaftspolitik ist Aufgabe der EU. Dabei ist freilich zu beachten, dass die Bedeutung der Ausfuhr von Autos für die Gesamtwirtschaft in den einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlich groß ist.

In Deutschland hat die Autoindustrie eine Schlüsselrolle. In anderen EU-Ländern nicht. Wäre es da verwunderlich, wenn die EU die Interessen der Autoindustrie nicht ganz so zentral im Blick hat wie Deutschland?

Jedenfalls ist nicht völlig auszuschließen, dass das direkte Gespräch mit Amerika für die Autobosse hilfreich war.

Permalink
05.12.2018

edit

Permalink
Lesen Sie dazu auch
Blick auf die Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler
Europäische Zentralbank

EuGH: Umstrittene EZB-Anleihenkäufe verstoßen nicht gegen EU-Recht

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket