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Autoindustrie
07.05.2021

Wie viele Jobs kostet die Elektroauto-Wende in Deutschland?

Viele Beschäftigte in der Zulieferindustrie fürchten bereits um ihren Arbeitsplatz.
Foto: dpa

Eine Horrormeldung aus 2020 schockierte die deutsche Autoindustrie: Wegen der E-Mobilität werden über 410.000 Arbeitsplätze gestrichen. Warum es nun doch nicht so schlimm wird.

Noch Anfang 2020 alarmierte ein Bericht die Beschäftigten der deutschen Autoindustrie. Denn nach Darstellung der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität sind durch die Umstellung von Verbrennungsautos auf die Elektromobilität bis 2030 rund 410.000 Arbeitsplätze, davon 240.000 direkt im Fahrzeugbau gefährdet. Dabei könnten allein, was den Antriebsstrang, also die Fertigung von Motoren und Getrieben betrifft, maximal 88.000 Jobs wegfallen.

Wenn das Horrorszenario des Experten-Gremiums Wirklichkeit würde, wäre das ein herber Rückschlag für die deutsche Volkswirtschaft, hängt doch etwa jeder siebte Arbeitsplatz direkt und indirekt von der Autoindustrie ab.

E-Mobilität kostet bei Volkswagen weniger Jobs als gedacht

Dabei wurde in dem Bericht darauf abgehoben, dass ein Verbrennungsmotor aus mindestens 1200 Teilen bestehe, während es bei einem elektrischen Antrieb nur rund 200 seien. Die simple und in vielen Untersuchungen im Vordergrund stehende Gleichung lautet also: weniger Teile, weniger Arbeitsplätze. Elektromobilität ist gut fürs Klima, aber ein Job-Killer. Doch auch die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität hat auf ältere Studien von Fraunhofer-Forschern und Experten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zurückgegriffen.

 

Neuere Untersuchungen von Wissenschaftlern legen aber die Vermutung nahe, dass am Ende nicht 410.000 Arbeitsplätze durch den radikalen Wandel der Branche verschwinden, sondern deutlich weniger. So haben wiederum Fraunhofer-Spezialisten intensiv die Transformation bei Volkswagen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis weckt große Hoffnungen, dass der Wirtschaftszweig doch, was die Entwicklung der Arbeitsplätze betrifft, glimpflicher davonkommt. Die Kernaussage der Studie lautet: „Durch E-Mobilität und Digitalisierung wird der Beschäftigtenbedarf bei Volkswagen weniger stark sinken, als wissenschaftliche Studien für die Automobilindustrie bisher nahelegten.“

Die Autoindustrie wird sich durch die Elektroauto-Wende verändern.
Foto: Jörg Sarbach, dpa

Um also möglichst viele Mitarbeiter zu halten – und das ist die zweite wesentliche Botschaft der Wissenschaftler –, muss ein Autokonzern den Wandel „nachhaltig steuern“. Dahinter verbirgt sich aus Beschäftigtensicht das Schlüsselwort auf dem Weg vom Verbrenner hin zum Elektromotor: Es lautet Qualifizierung. Wenn also Mitarbeiter, die bisher Diesel- oder Benzinmotoren gebaut haben, auf Elektroantriebe umgeschult werden, bleiben ihre Arbeitsplätze erhalten.

Ex-DGB-Chef Michael Sommer bleibt optimistisch

Dabei investiert etwa der VW-Konzern enorme Summen, damit sich Beschäftigte neue Qualifikationen aneignen können. Auftraggeber der Studie ist der unabhängige Nachhaltigkeitsbeirat des Volkswagen-Konzerns. So sagte Ex-DGB-Chef Michael Sommer als Beiratsmitglied und Schirmherr der Studie: „Unsere Ergebnisse zeigen: Die negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung werden nicht so dramatisch sein wie befürchtet. Wir können das steuern.“

Wenn also ein Autokonzern Geld in die Hand nimmt, muss Elektro-Mobilität nicht zum massenhaften Job-Killer werden. Dabei geht auch aus der VW-Studie hervor, dass die trotz Qualifikation nicht zu verhindernden Beschäftigungsverluste in der Komponentenfertigung höher als im reinen Fahrzeugbau ausfallen. Die VW-Verantwortlichen haben hier aber, wie sie betonten, „frühzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen, um negative Effekte abzufedern“.

Arbeitsplätze in Deutschland fallen weg

Daher werden neue Jobs in der Entwicklung und Herstellung von Batteriezellen geschaffen. Die Fraunhofer-VW-Studie zeigt zudem, dass sich die Digitalisierung der Autoindustrie zunächst sogar zusätzliche Stellen schaffen wird. Doch Motorenbauer lassen sich nur schwer zu IT-Experten umschulen. Dass also unter dem Strich bis 2030 in der Branche Arbeitsplätze wegfallen, bestätigen alle Experten.

Die E-Mobilität kostet Arbeitsplätze in Deutschland.
Foto: Jens Büttner, dpa

Dabei zeigt eine neue Studie des Ifo-Institutes im Auftrag des Automobilverbandes VDA interessante Zusammenhänge auf: Die Forscher stellen die Zahl der in den Ruhestand gehenden Beschäftigten den noch im Bereich des Verbrennungsmotors arbeitenden Menschen gegenüber. Demnach gehen bis 2030 immerhin 147000 Mitarbeiter aus der Autoproduktion in Rente, davon 73000 im Fahrzeugbau. Doch 215000 Beschäftigte werden bis 2030 noch Jobs haben, die von Benzin- und Dieselmotoren abhängen. Es sind also deutlich mehr Arbeitsplätze gefährdet, als Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Doch auch Ifo-Experte Oliver Falck sagt: „Da die Lücke jetzt schon bekannt ist, haben Unternehmen die Möglichkeit, rechtzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen, zum Beispiel Umschulungen und Weiterbildungen.“

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