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Banken: Automaten: Kritiker wollen Wucher-Gebühren stoppen

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Automaten: Kritiker wollen Wucher-Gebühren stoppen

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    Geldautomaten und Online-Banking für Ältere suspekt
    Geldautomaten und Online-Banking für Ältere suspekt Foto: DPA

    Durchschnittlich 5,64 Euro zusätzlich zahlte im letzten halben Jahr jeder, der Bargeld an einem fremden Automaten abhob. Die hohen Gebühren sorgen jetzt für deutliche Kritik an den Banken, Forderungen nach einer Begrenzung werden laut. Das angebotene Zugeständnis der Kreditinstitute ist jedoch bescheiden.

    Verbraucherpolitiker im Bundestag wollen die teils hohen Gebühren für das Abheben von Bargeld an fremden Bankautomaten begrenzen. Der Vorsitzende des Verbraucherausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP), forderte gestern eine entsprechende Selbstverpflichtung der Banken. Sparkassen und Volksbanken schlugen vor, die Kunden sollten beim Abheben direkt sehen können, wie viel Gebühren sie dafür zahlen müssen.

    Kritik an der Gebührenpraxis der Banken gibt es seit Langem. Nach einer Untersuchung der Finanzberatung FMH von Ende Januar sind die Gebühren für Kunden an fremden Geldautomaten im vergangenen halben Jahr um 13 Prozent auf durchschnittlich 5,64 Euro pro Auszahlung gestiegen. Zehn Geldhäuser verlangen demnach sogar zehn Euro pro Auszahlung - unter ihnen vor allem Genossenschaftsbanken und Sparkassen.

    Das Bundeskartellamt leitete wegen Verdachts auf überhöhte Gebühren an den Geldautomaten Ermittlungen gegen mehr als 280 Kreditinstitute ein. Goldmann schlug vor, dass die Banken sich freiwillig verpflichten sollen, die Gebühren nur noch in einer Spannbreite von drei bis fünf Euro zu erheben. Bei der derzeitigen Situation sei davon auszugehen, dass die Geldinstitute die Kunden mit Gebühren in einer Größenordnung von Hunderten Millionen Euro im Jahr belasteten.

    Der Verbraucherausschuss wollte das Thema am Mittwochnachmittag unter anderem mit Vertretern der Banken diskutieren. Wichtig seien "zeitnahe" Maßnahmen, erklärte Goldmann.

    Eine gesetzliche Regelung zur Gebührenhöhe wollen Sparkassen und Genossenschaftsbanken verhindern. Sie befürworten eine "marktgerechte Lösung", wie ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) sagte: Jede Bank soll den Kunden beim Abheben von Bargeld direkt darüber informieren, welche Gebühren dafür anfallen. "Wenn der Kunde sieht, das kostet fünf Euro, dann wird er zur nächsten Bank weiterziehen." Über Angebot und Nachfrage werde sich so der Preis für das Fremdabheben finden.

    Bislang rechnen die Banken untereinander die Gebühren für das Fremdabheben ab und geben meist nur einen Teil an die Kunden weiter. Laut FMH verlangen etwa viele Sparkassen und Genossenschaftsbanken von einer Direktbank bis zu 20 Euro pro Auszahlung, die Kunden müssen demnach aber nur einen mittleren einstelligen Betrag zahlen.

    Sparkassen und Genossenschaftsbanken unterhalten die meisten Automaten in Deutschland und sind erbost, dass Direktbanken wie die ING Diba, die Volkswagenbank oder die DKB keinerlei Kosten für die Bargeldversorgung ihrer Kunden und damit einen Wettbewerbsvorteil haben. Die Direktbanken unterhalten oft nur ein dünnes Netz von Automaten und haben vielfach die Visa-Karte zur Geldkarte umfunktioniert. Damit kommen die Kunden gebührenfrei an Geld.

    Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken bekommen dafür eine festgelegte Gebühr von 1,74 Euro von Visa. (afp, AZ)

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