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11.06.2009

Banker zu Reformen als Ausweg aus Krise bereit

Banker zu Reformen als Ausweg aus Krise bereit
Bild: DPA

Frankfurt/Main (dpa) - Führende deutsche Banker haben ihren Willen zu grundlegenden Reformen als Ausweg aus der Finanzmarktkrise erklärt.

"Wir sind bereit, uns an der regulatorischen Aufarbeitung der Krise zu beteiligen", sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz, bei einer Branchentagung der "Financial Times Deutschland" am Mittwoch in Frankfurt.

Die Zeit dränge, mahnte Bundesbankpräsident Axel Weber: "Sobald sich die Finanzmärkte wieder soweit erholt haben, werden wir nicht mehr in der Lage sein, die notwendigen regulatorischen Vorkehrungen zu treffen."

Weber warnte aber zugleich vor "voreiligen Schnellschüssen" und "unausgegorenen Reformen". Er betonte: "Mir ist bessere Regulierung eindeutig lieber als mehr Regulierung." Auch Schmitz, der Chef der Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt ist, mahnte zu Augenmaß. Zwar seien in Banken durchaus "schwere Fehler gemacht worden", doch dafür sollte nicht die gesamte Branche "in Sippenhaft genommen" werden, sagte Schmitz.

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Der Umbau der Finanzbranche ist nach Ansicht von Deutsche-Bank- Chef Josef Ackermann noch lange nicht beendet. "Es gibt noch eine Menge zu tun", sagte Ackermann am Donnerstag in Peking in seiner Funktion als Präsident des internationalen Bankenverbandes IIF zur Eröffnung der Frühjahrstagung laut Redetext.

Obwohl es einige ermutigende Nachrichten gebe, sei sich die Finanzindustrie sehr bewusst, "dass wir weiterhin gewaltigen Herausforderungen gegenüberstehen". Viele Institute hätten bereits Lehren aus der Krise gezogen und etwa ihr Risikomanagement verbessert. Die Branche sei dabei, "weit reichende Reformen umzusetzen", sagte Ackermann.

Ziel sei nicht nur kurzfristige Verbesserung, sondern auch das Vorbeugen künftiger Krisen. So hatte das Institute of International Finance (IIF/Washington), dem mehr als 370 führende Kreditinstitute weltweit angehören, zum Beispiel ein übergeordnetes Expertengremium ("Market Monitoring Group") etabliert, das die Märkte überwachen und den Banken Hinweise auf aktuelle und künftige Risiken geben soll. "Unser Ziel ist, ein Frühwarnsystem zu entwickeln und so dazu beizutragen, die Stabilität des globalen Finanzsystems zu stärken", sagte Ackermann.

Der Deutschlandchef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, schrieb der Branche ins Stammbuch, Geschäftsmodelle gründlich unter die Lupe zu nehmen. Auch der deutsche Branchenprimus habe feststellen müssen, "dass das alte Geschäftsmodell in einigen Bereichen versagt hat": "Die Verlockungen waren außerordentlich groß, und wir sind ihnen erlegen." Die Branche habe gelernt, dass zum Beispiel dem Liquiditätsmanagement mehr Bedeutung beigemessen werden müsse.

Zum aktuellen Ansturm auf das vergleichsweise risikoarme Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden sagte Fitschen: "Vorsicht damit, es werden einige ihre Überraschung erleben." Retail Banking und Mittelstandsgeschäft seien kein Allheilmittel. "Wir werden alle erleben, dass die Ertragskraft dieses Segments nicht so ist, wie man sich das erhofft hat", sagte Fitschen.

Bundesbankpräsident Weber sprach sich dafür aus, Banken künftig stärker als bisher zu eigenen Stresstests anzuhalten, damit für Institute und Aufsicht absehbarer wird, inwiefern die Institute Krisen meistern können. Zudem müsse erreicht werden, "dass die grenzüberschreitende Bankenaufsicht besser zusammenarbeitet". Dabei sei beispielsweise wichtig, Risiken über Einzelinstitute hinaus zu identifizieren.

Weber machte deutlich, dass auch sogenannte Schattenbanken, zu denen auch Hedgefonds zählen, von der Aufsicht genauer geprüft werden sollten: "Es kann nicht sein, dass wir das Kernbankensystem einer immer strengeren Regulierung unterziehen und dadurch große Anreize schaffen, sich außerhalb des Bankensystems zu engagieren."

Zu Bestrebungen auf EU-Ebene, einen Europäischen Rat für Systemrisiken (ESRB) sowie ein Europäisches Finanzaufsichtssystem (ESFS) einzurichten, sagte Weber, den Ansatz des ESRB unterstütze die Bundesbank voll. "Wir halten es aber für sachgerecht, dass sich dieser Rat bei seinen Risikowarnungen und Empfehlungen auf spezifische Risikobereiche fokussiert." Der Rat sollte sich mit Empfehlungen an den Ecofin-Rat richten und nicht an individuelle Finanzinstitute oder an die nationalen Aufsichtsbehörden.

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