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Deutsche Post

31.05.2015

Bei der Post kracht es kräftig - Gelingt nun die Einigung?

Auch am Samstag kam es in vielen Bundesländern wieder zu Streiks bei der Post.
Bild: Oliver Berg, dpa

Vorstand und Gewerkschaft liefern sich heftige Wortgefechte. Verdi droht sogar mit regulären Streiks. Kann in der sechsten Runde, die am Montag beginnt, eine Einigung gelingen?

Unmittelbar vor dem Start der sechsten Gesprächsrunde im Tarifstreit bei der Post haben Gewerkschaft und Vorstand schwere Geschütze aufgefahren. Verdi-Chef Frank Bsirske drohte dem Management vor dem Verhandlungsbeginn am heutigen Montag in Berlin mit einer Ausweitung des Arbeitskampfes: „Wenn der Post-Vorstand seinen Kurs so weiterfährt, laufen wir auf eine massive Konfrontation zu“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Bei Bedarf könnten die Warnstreiks dann auch zu regulären Streiks ausgedehnt werden.

Dafür wäre eine entsprechende Urabstimmung nötig. Konzernchef Frank Appel kritisierte hingegen, Verdi setze Mitarbeiter gezielt unter Druck, damit sie sich an den Warnstreiks beteiligen. „Die Beschäftigten werden gemobbt, es wird Angst geschürt, damit sie sich hinter der Gewerkschaft versammeln“, sagte er der Welt am Sonntag. Man schrecke dabei auch nicht davor zurück, mit „Rufschädigung und Diffamierung“ zu arbeiten.

Verdi hatte der Post Anfang Mai seinerseits vorgeworfen, Streikteilnehmer einzuschüchtern. Derweil gingen die Warnstreiks weiter. Laut Verdi waren am Samstag bundesweit rund 5000 Kollegen in den Ausstand getreten. Nur in Berlin, Brandenburg und Bayern habe es keine Arbeitskämpfe gegeben. Die Post bestätigte die Teilnehmerzahlen am Sonntag. Die Auswirkungen auf die Kunden seien aber überschaubar gewesen, sagte ein Sprecher. 15 von 49 Niederlassungen seien nicht vom Streik betroffen gewesen. Von bundesweit 82 Briefsortierzentren sei weniger als die Hälfte bestreikt worden. 315 000 Paketsendungen – 9 Prozent der Tagesmenge – sowie 5,5 Millionen Briefe (8 Prozent) seien liegengeblieben.

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Die Forderung: 5,5 Prozent mehr Geld für die Post-Angestellten

Die Gewerkschaft verlangt 5,5 Prozent mehr Geld für die etwa 140 000 Post-Angestellten sowie eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um 2,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Ein Kernpunkt des Konflikts ist der Aufbau von 49 Regionalgesellschaften für die Paketzustellung. Dort arbeiten laut Post schon mehr als 6000 Menschen. Bezahlt werden sie nicht nach dem Haustarif des Konzerns, sondern nach dem in der Regel niedrigeren Tarif des Speditions- und Logistikgewerbes. Im Interview mit der Welt am Sonntag verteidigte Appel den Sparkurs: „Unsere direkten Wettbewerber zahlen dramatisch niedrigere Stundenlöhne, darauf müssen wir reagieren. Wenn wir das nicht tun, werden wir schrumpfen, statt zu expandieren.“ Gefragt, ob er von Mitarbeitern auf seine Bezahlung angesprochen wurde, die im vergangenen Jahr bei rund zehn Millionen Euro lag, antwortete Appel: „Nach meinem Gehalt hat noch keiner gefragt. Die Hälfte unserer Vorstandsgehälter ist langfristig an den Erfolg gebunden.“ Die Aktionäre hätten in den vergangenen Jahren fast eine Vervierfachung des Kurses erlebt. „Davon profitieren eben auch die Vorstände.“

Verdi rief die Post am Sonntag zu einem „einigungsfähigen Angebot“ auf: „Der Vorstand der Deutschen Post AG ist aufgefordert, den Konfrontationskurs gegen die eigene Belegschaft zu beenden“, sagte die Verhandlungsführerin der Gewerkschaft, Andrea Kocsis, laut Mitteilung. Mit der Gründung der Regionalgesellschaft seien den Beschäftigten „Schutz und Sicherheit entzogen“ worden. (dpa, huda)

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