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Porträt

14.02.2018

Bernd Pischetsrieder: Der aufreizend gelassene Automanager

Der ehemalige BMW-Chef Bernd Pischetsrieder feiert seinen 70. Geburtstag.
Bild: Frank Leonhardt, dpa

Der ehemalige BMW-Chef Bernd Pischetsrieder blieb immer ruhig, selbst als er mit dem Rücken zur Wand stand. Welche Rolle seine Familie und ein Weinberg dabei spielen.

Das Leben ist gemein. Da kann ein Mensch wie Bernd Pischetsrieder fleißig sein, Maschinenbau-Ingenieur werden, es nach 20 Jahren bei BMW zum Chef des Konzerns bringen und später Boss des VW-Imperiums werden. Am Ende bleibt bei vielen aber nur ein Ereignis hängen: Denn 1995 zerlegte der Bayer als oberster BMW-Lenker einen McLaren F1 auf einer Landstraße in der Nähe des Chiemsees. Der damals auf 1,5 Millionen D-Mark taxierte 627 PS starke Sportwagen soll sich mehrfach überschlagen haben. Doch der fortan auch schon mal „Beulen-Paul“ genannte Pischetsrieder und seine Frau wurden nur leicht verletzt.

Bernd Pischetsrieder: Die Niederlagen in seinem Leben hallen nach

Wie überhaupt auffällt: In dem an Aufs und Abs reichen Leben des Managers hallen vor allem die Niederlagen nach, was ungerecht ist, denn die deutsche Wirtschaft hat dem Mann, der morgen 70 Jahre alt wird, viel zu verdanken. Unter seiner Führung investierte BMW kräftig in den USA und setzte in Spartanburg auf ein Werk, das heute vor Dingolfing das größte im Reich des Autobauers ist. So wurde BMW auch ein amerikanisches Unternehmen, ein Vorzug in Zeiten Trumpscher Abschottungspolitik.

Und dass der Konzern mit Mini-Autos viele junge Kunden und vor allem Frauen für sich gewinnen konnte, ist auf den Wagemut Pischetsrieders zurückzuführen. Schließlich übernahm BMW nach seinem Willen mehrheitlich den britischen Autobauer Rover und damit die Marke Mini. Während sich Ersteres zu einem wirtschaftlichen Desaster entwickelte und dem Manager den Chefposten bei BMW kosten sollte, entpuppte sich Zweiteres als Segen für die Münchner.

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Einen entspannteren Spitzenmanager in der Autoindustrie gibt es kaum

Das ist eben die Pischetsrieder-Dialektik, die sich bei VW fortsetzte. So fahndete Ferdinand Piëch als einstiger Volkswagen-Chef in dem ihm eigenen Humor nach einem Nachfolger für die Konzernspitze, der besser als er selbst sein sollte. Wer den hageren Österreicher kennt, weiß natürlich, dass Piëch sich für den größten Autokenner aller Zeiten hält. Daher konnte der gemütlich wirkende Bartträger und Zigarrenraucher Pischetsrieder an seiner Seite nur scheitern, auch wenn er für den Konzern richtige Entscheidungen wie den Ausbau des Van- und SUV-Segments getroffen hat. Dennoch entzog ihm Piëch seine Gunst und trat nach. Er habe sich in Pischetsrieder getäuscht, meinte er. Der Geschmähte blieb wie zu Rover-Zeiten aufreizend gelassen. Ein entspannterer Spitzenmanager lässt sich in der Autoindustrie schwer finden. Der Münchner Pischetsrieder mag die innere Ruhe aus seiner Familie als Kraftquelle, aber auch aus Hobbys wie dem Angeln und dem Weinbau schöpfen.

In der Südsteiermark, einer der Seele wohltuenden Region, besitzt er einen Weinberg. Langweilig wird ihm nicht: Pischetsrieder sammelt Oldtimer und ist seit 2014 als Daimler-Aufsichtsrat für den dritten Autokonzern tätig.

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