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Machtkampf bei VW

14.04.2015

Biograf sieht keine persönlichen Gründe für Piëchs Bruch mit Winterkorn

Da war die VW-Welt noch in Ordnung für CEO Martin Winterkorn (links) Markenpatriarch Ferdinand Piëch.
Bild: Odd Andersen, afp photo

Ferdinand Piëch lässt sich nicht in die Karten schauen. Doch sein Biograf hat eine Idee, wie der VW-Patriarch denkt - und warum er die Marke VW in Gefahr sieht.

Der Piëch-Biograf Wolfgang Fürweger sieht in dem Bruch des VW-Patriarchen mit Konzernchef Martin Winterkorn rein fachliche Gründe. "Piëch agiert sehr rational und weniger emotional als manche gerne glauben", sagte der Österreicher der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Persönliche Gründe kann man nicht annehmen." Stattdessen vermutet Fürweger aktuelle Probleme bei der Hausmarke Volkswagen Pkw als Auslöser. "Es ist schon ein bisschen Stillstand eingetreten", sagte er.

Die Kernmarke rund um Golf und Passat kann in den USA nicht mit der Konkurrenz mithalten - was Piëch schon deutlich bemängelte. Außerdem liegt ihr Gewinn gemessen am Umsatz weit hinter den Zielen für 2018. Zwar steuert Winterkorn mit einem milliardenschweren Sparkurs gegen, im Sommer gibt er aber die Führung der Kernmarke an den früheren BMW-Manager Herbert Diess ab.

VW: Was Piëch bei Winterkorn vermisst

Fürwegers Vermutung: "Vielleicht vermisst Piëch bei Winterkorn die Fähigkeit, einen strategischen Weitblick in die Realität umsetzen zu können." In dem Fall könne Winterkorn für Piëch aus fachlicher Sicht nicht nächster Chefaufseher werden. "Das strategische Ziel ist sicherlich zu verhindern, dass Winterkorn der nächste VW-Patriarch wird", sagte Fürweger.

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Piëch ist Großaktionär und Aufsichtsratschef bei VW, Winterkorn sein "Ziehsohn". Er galt lange Zeit als Nachfolger Piëchs an der Spitze des Aufsichtsrates. Doch der Patriarch (77) entzog Winterkorn (67) öffentlich das Vertrauen. Dem Spiegel sagte Piëch: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn".

Der konnte sich danach vor Rückendeckung aus dem Aufsichtsrat kaum retten - doch darauf gibt Fürweger nicht viel: "Diese Sympathiebekundungen sind schon fast Ritual geworden." Ähnliche Reaktionen habe es auch bei früheren Machtkämpfen zwischen Piëch und Top-Managern gegeben. Hinter Winterkorn stellten sich der oberste Betriebsrat Bernd Osterloh, Piëch-Cousin Wolfgang Porsche und auch Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil.

VW: Warum sich die Familienbande Porsche-Piëch durchsetzt

Doch dass Piëch in diesem Machtkampf stürzt, kann sich sein Biograf nicht vorstellen: "Fakt ist: Piech hat ein 'Er-oder-Ich-Duell' noch immer gewonnen," sagte er. Fürweger geht davon aus, dass die Familien Porsche und Piëch eine Lösung finden werden - und die werde "im Sinne von Piëch ausgehen".

"Was hätte die Porsche-Familie von einem internen Bruch - nur um einen hochbezahlten Manager zu schützen?", sagte Fürweger. "Am Ende haben sich die Familienbande Porsche-Piëch noch immer durchgesetzt. Es geht ums Geschäft, ums Geld."

Fürwegers Piëch-Biografie war 2011 erschienen. Einige Jahre zuvor hatte der Journalist eine seltene mehrstündige Privataudienz bei Piëch, in der sie zusammen Fürwegers damaliges Buchprojekt über die Familiengeschichte der Porsches und Piëchs durchgingen. AZ/dpa

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