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Export

21.02.2019

Brexit macht Joghurt-Hersteller aus der Region sauer

Ein Kühltransporter der Allgäuer Firma Ehrmann. Die Lastwagen brauchen künftig bis zu dreimal so lange nach Großbritannien wie bisher.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Die Briten lieben bayerische Milchprodukte. Doch Ehrmann, Zott oder Gropper haben ein Problem: Wenn ihre Kühlwagen im Stau stehen, läuft ihnen die Zeit davon.

Ende März sollen die Briten raus sein aus der Europäischen Union. Lohnt es sich dann überhaupt noch, Geschäfte mit der Insel zu machen, wenn stundenlange Staus an der Grenze zur unberechenbaren Größe werden? Diese Frage stellen sich vor allem Hersteller von Waren, die gekühlt transportiert werden müssen. Besonders beliebt bei den Briten: Milchprodukte aus der Region. Nur wie lange darf so ein Joghurt unterwegs sein, bevor alle sauer werden?

Christian Oppitz ist Vertriebschef der Molkerei Gropper. Großbritannien ist für das Unternehmen aus dem Kreis Dillingen ein wichtiger Markt. Gropper beliefert nicht nur die dortigen Filialen von Aldi und Lidl, sondern auch die britische Supermarktkette Tesco. Oppitz geht davon aus, dass sich die Transportzeiten nach dem Brexit verdreifachen werden. „Es ist ja schon von 16 Kilometer langen Staus am Grenztunnel zwischen Frankreich und England die Rede“, sagt er. Und da Zeit bekanntlich Geld ist, rechnet Gropper mit steigenden Kosten und damit auch höheren Preisen für die britischen Kunden.

Das größte Problem sei die fehlende Planungssicherheit. „Wir wissen: Ab April wird alles anders. Aber wir wissen eben nicht, wie es wird.“ Klar ist: Alle Gropper-Produkte müssen gekühlt transportiert werden und die Lastwagen werden künftig länger unterwegs sein. Zwar habe man vor Ort bereits Zwischenlager, sagt Oppitz. „Aber auch zu denen muss man ja erst einmal hinkommen.“

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500 Firmen aus Schwaben machen Geschäfte mit Großbritannien

Seit dem Brexit-Votum sind viele bayerische Unternehmen vorsichtiger geworden. War das Königreich 2016 noch der fünftwichtigste Handelspartner für Bayern, liegt es inzwischen „nur“ noch auf dem siebten Platz. Etwa 500 Firmen aus Schwaben machen Geschäfte in Großbritannien und der Export von Milcherzeugnissen auf die Insel hat in den vergangenen Jahren gegen den Trend immer weiter zugelegt. Allein 2018 haben bayerische Hersteller Waren im Wert von knapp 87 Millionen Euro dorthin verkauft. Ob es dabei bleibt?

Die Firma Zott aus dem Kreis Donau-Ries stellt sich zumindest auf Schwierigkeiten ein. Sie liefert vor allem Mozzarella nach Großbritannien, der noch kürzer haltbar ist als beispielsweise Joghurt. Es zählt also jeder Tag. Um den Transport zu verkürzen, bliebe nur der Luftweg, aber das wäre viel zu teuer. Auch der Joghurt-Hersteller Ehrmann aus dem Unterallgäu erwartet Probleme.

Vertriebs-Vorstand Jürgen Taubert wird in den vergangenen Wochen oft den Taschenrechner bemüht haben. 48 Stunden braucht ein Ehrmann-Kühlwagen momentan von Oberschönegg bei Memmingen bis nach Großbritannien. Die Abfertigung am Grenztunnel ist eine gut kalkulierbare Routinesache. Noch. Wenn die Formalitäten dort künftig viel länger dauern, müssen auch die Fruchtquarks oder Desserts von Ehrmann länger kühl gehalten werden, um frisch ans Ziel zu gelangen. „Falls es zu Verzögerungen kommt, muss der Warenbestand in unserem Zwischenlager entsprechend erhöht werden“, sagt Taubert. Klar ist aber auch: Der logistische Aufwand, um die Kühlkette neu zu organisieren, wächst – und das geht ins Geld. Eine Prognose dazu wagt Ehrmann noch nicht, schließlich stehe nicht fest, „wann und in welcher Höhe Zusatzkosten anfallen“.

Könnte ein eigenes Werk auf der Insel die Lösung sein?

Konkurrenten wie Weihenstephan oder Müller Milch haben zumindest diese Sorgen nicht. Weihenstephan produziert ausschließlich für den heimischen Markt. Und Müller mit Sitz im Kreis Augsburg hat ein eigenes Werk in Großbritannien. Dort gehört man zu den Marktführern. Auch für Ehrmann könnte das eines Tages ein Thema werden. „Es ist Teil unserer Strategie, in den großen Absatzmärkten vor Ort eine Produktion aufzubauen, wenn sich die Wirtschaftlichkeit langfristig darstellen lässt“, sagt Taubert. Momentan machen die Allgäuer knapp fünf Prozent ihres Gesamtumsatzes auf der Insel.

Gropper und Zott denken nicht an einen eigenen britischen Standort. Grundsätzlich infrage stellen wollen beide das Geschäft im Königreich trotz allem nicht. Aber wie das so ist mit dem Brexit: Keiner weiß so richtig, was da kommt.

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