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Industrie

29.11.2017

Carbon-Spezialist SGL will das Auto leichter machen

Auf Carbonteile im Auto setzen SGL in Meitingen und das baden-württembergische Unternehmen Bertrandt.
Bild: Andreas Körner, Bertrandt

SGL hat mit dem „Carbon Carrier“ ein Bauteil für das Auto von morgen entwickelt. Gleichzeitig zieht sich BMW aus einem gemeinsamen Unternehmen zurück. Was dahintersteckt.

Es gibt gute Gründe, ein Auto leichter zu machen. Der Energieverbrauch sinkt, die Reichweite steigt. Ein Spezialist im Leichtbau ist das Unternehmen SGL mit einem großen Standort in Meitingen nördlich von Augsburg. Dort setzt man insbesondere auf carbonfaserverstärkte Kunststoffe. Aus Leichtbau-Material von SGL besteht zum Beispiel die Karosserie des Elektroautos BMWi3. Jetzt hat SGL ein neues Bauteil entwickelt, das Fahrzeuge von morgen leichter machen soll. Partner ist der große Autozulieferer Bertrandt mit Sitz im baden-württembergischen Ehningen. Vorgestellt wurde die Neuentwicklung jetzt in Meitingen – es war praktisch Weltpremiere.

Leichte Lösungen aus Carbon für das Auto von morgen

Bei dem neuen Bauteil handelt es sich um den Träger der Instrumententafel im Auto. Bisher ist der Träger aus Metall. Bei SGL ist man nun sicher, mit Carbon eine leichtere Lösung anbieten zu können. „Wir werden unter sieben Kilo kommen“, sagt Andreas Erber, Leiter des Entwicklungszentrums bei SGL in Meitingen. Der größte Teil des Trägers ist für den Fahrer unsichtbar. Auf eines sind die Entwickler aber stolz: Ein Teil der schwarz glänzenden Carbon-Oberfläche ist im Cockpit zu sehen. Das kann Designer reizen.

Kooperation mit Bertrandt

Rund 15 Leute von SGL und Bertrandt waren in Meitingen, Hamburg und Tappenbeck bei Wolfsburg ein Jahr damit beschäftigt, den Träger zu entwickeln und einen Prototypen zu bauen. Der nächste Schritt ist jetzt, die Autoindustrie zu gewinnen. Es gebe bereits Kunden, „die Interesse zeigen“, sagt Michael Hage von Bertrandt.

Auch für SGL ist das Bauteil wichtig, das man dort „Carbon Carrier“ nennt. Denn bisher finden sich Carbon-Bauteile nur in wenigen Autos. Das soll sich ändern. „Wir wollen stärker in die Großserie im Autobau hineinkommen“, sagt SGL-Geschäftsbereichsleiter Andreas Wüllner. Das Problem: Bisher ist Carbon relativ teuer. SGL will beweisen, dass sich der Einsatz von Carbon rechnet.

Zusammen haben beide Firmen ein neues leichtes Bauteil vorgestellt: den Träger der Instrumententafel bzw. „Carbon Carrier“.  
Bild: SGL

Überraschend ist da ein Schritt, der kurz nach der Vorstellung des Leichtbauteils bekannt gegeben wurde. Der Autobauer BMW zieht sich aus einem Gemeinschaftsunternehmen mit SGL zurück – der Firma SGL Automotive Carbon Fibers. Diese stellt im amerikanischen Moses Lake Carbonfasern her und verarbeitet sie im bayerischen Wackersdorf weiter. Jetzt will SGL den 49-Prozent-Anteil von BMW am Joint Venture bis Ende 2020 übernehmen. Für das Werk in Wackersdorf zahle SGL 24 Millionen Euro, für Moses Lake 62 Millionen Dollar, berichtet Sprecher Andreas Pütz. Warum das Ganze?

SGL hat eine Krise hinter sich

Ein Grund ist der Firmenumbau bei SGL: Das Unternehmen hat eine Krise hinter sich, die Zahlen waren zeitweise tiefrot, das klassische Geschäft mit Produkten für Stahlwerke und Hochöfen wurde verkauft. Nun sieht SGL unter anderem im Leichtbau die Zukunft. Hinter der Übernahme steckt der Willen, „alle Stufen der Wertschöpfungskette unter einem Dach zu integrieren“, erklärt Pütz – von der Faserherstellung bis zum Bau von Komponenten.

So sieht der Prototyp des Carbon Carriers aus: Der Technologieträger "Carbon Carrier" ist ein neuartiges Konzept für innovative Innenraumstrukturen und ein Beispiel für den modernen Materialmix im Automobil.
Bild: Bertrandt

Beide Seiten betonen deshalb, dass die Initiative für den Verkauf von SGL ausging. Alle Lieferverträge mit BMW blieben bestehen, gleiches gelte für die Aktienbeteiligung von BMW an SGL von 18,3 Prozent. „Die SGL Group ist und bleibt ein maßgeblicher Lieferant der BMW Group“, sagt dort Sprecher Max-Morten Borgmann. Carbonteile soll auch das neue Elektroauto der Münchner haben – der iNEXT.

Augsburgs IG Metall-Chef Leppek: Zunächst „eine Chance“

Aber ist mit dem Rückzug aus dem Joint Venture nicht zu befürchten, dass die Münchner am Ende auf andere Zulieferer ausweichen?

Augsburgs IG-Metall-Chef Michael Leppek ist vorerst beruhigt. Wichtig sei, dass BMW weiter die Produkte von SGL abnehme und es keinen sofortigen Ausstieg gebe. Dies sei mit den bestehenden Lieferverträgen gesichert. „SGL muss sich jetzt neu aufstellen und seine Zukunftschancen definieren“, sagt Leppek. Der Eigentümerwechsel sei deshalb „im ersten Moment eine Chance“, betont er. „SGL kann damit unabhängiger sein und sich für andere Hersteller öffnen.“

Möglich ist das: SGL hat zum Beispiel einen großen Auftrag des schwedischen Autobauers Volvo.

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