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Autoindustrie

25.02.2018

Chinas Autokönig Li Shufu umgarnt Daimler

Geely hält knapp zehn Prozent der Daimler-Anteile. Gründer Li Shufu hat seine Karriere als Fotograf begonnen, recycelte dann Schrott, baute später Kühlschränke und ist heute Chinas erfolgreichster Auto-Unternehmer.
Bild: Björn Larsson Rosvall/Scanpix, dpa

Der Konzern Geely ist neuer Großaktionär des Stuttgarter Autobauers. Gründer Li Shufu ist gerade auf Deutschland-Reise – und besucht sogar das Kanzleramt.

Li Shufu wusste schon als Jungunternehmer, wie man aus Schrott Geld macht. Als 18-Jähriger lieh er sich 120 Yuan – umgerechnet etwa 13 Euro – von seinem Vater, einem Reisbauern. Davon kaufte er eine Kamera, arbeitete als Fotograf. In der Dunkelkammer brachte der Chinese sich dann den Umgang mit Chemikalien bei, die Edelmetalle auflösen. Schon bald sattelte er auf das Recycling von Elektroschrott um und machte einige Monate lang gute Geschäfte. Doch seine Idee fand zu schnell zu viele Nachahmer. Li nahm sein angespartes Kapital und fing an, Kühlschränke zu bauen. Seine kleine Fabrik nannte er Geely, abgeleitet vom chinesischen Wort „jili“, was „Glück“ oder „glückverheißend“ bedeutet.

Heute baut Li Autos, und das sehr erfolgreich. Geely hat im vergangenen Jahr 1,24 Millionen Fahrzeuge verkauft, zehnmal mehr als 2005. Das US-Magazin Forbes schätzt Lis Vermögen auf 17 Milliarden Dollar.

Geely-Chef Li Shufu besucht auch das Kanzleramt

Seit einigen Tagen kennt man den Namen des 54-jährigen Milliardärs auch in Deutschland. Geely hat sich knapp 9,7 Prozent der Anteile an Daimler gesichert. Damit ist der Konzern auf einen Schlag größter Einzelaktionär des Stuttgarter Autobauers. Aktuell ist Li zu Besuch in Deutschland. In der Daimler-Zentrale führt er nach Informationen der Bild am Sonntag Gespräche mit führenden Managern. Am Dienstag sei er im Kanzleramt zu Gast, schreibt das Blatt.

Für Daimler mit seiner eher kleinteiligen Eigentümerstruktur ist der Geely-Einstieg nichts Alltägliches. Platzhirsch war bislang der Staatsfonds Kuwaits mit knapp

 sieben Prozent, einen Ankeraktionär wie bei BMW oder VW haben die Stuttgarter nicht. Das, sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen, sei ein Problem, was die Stabilität und auch den Schutz vor feindlichen Übernahmen angehe.

„Daimler freut sich, mit Li Shufu einen weiteren langfristig orientierten Investor gewonnen zu haben, der von der Innovationsstärke, der Strategie und dem Zukunftspotenzial von Daimler überzeugt ist“, heißt es aus Stuttgart. „Es ist mir eine Ehre“, sagt wiederum Li Shufu – und verspricht, genau das zu sein: ein Partner mit langfristigen Zielen.

Li setzt auf umweltfreundliches Fahren

Für viele Chinesen ist Li ein Idol, weil er vor allem durch Fleiß und harte Arbeit zu Reichtum gekommen ist. Er ist das Gegenteil eines glatten Managers, unterscheidet sich von den Chefs der chinesischen Staatsbetriebe, die Veränderungen möglichst vermeiden. Auf Pressekonferenzen fällt er öfter aus der Rolle. Statt einfach seine Erklärung vorzulesen, improvisiert er und streitet sich zuweilen mit der Presse.

Auto-Fachmann Ferdinand Dudenhöffer hält die Chinesen für einen Gewinn. Li sei ein langfristiger, gut berechenbarer Anker-Investor – und ein Stratege, der daran arbeite, einen der wichtigsten Weltkonzerne für Mobilität aufzubauen, betont der Experte, der an der Universität Duisburg-Essen lehrt.

Li setzt auf umweltfreundliches Fahren. Das hat ihn 2010 bereits bewegt, bei Volvo zuzugreifen. Die Integration des schwedischen Unternehmens ist inzwischen abgeschlossen und gilt als Erfolg. Jetzt folgt die nächste Stufe von Lis Plans: Schon in zwei Jahren sollen 90 Prozent der Autos seines Unternehmens im Wesentlichen elektrisch angetrieben werden – auch in Hybriden soll der Benzinmotor bis dahin nur eine unterstützende Rolle spielen.

Wie weit das auch für Daimler wichtig wird, lässt sich noch nicht sagen. Der Autobauer hat eigentlich schon Partner in China – und betont das in seinem Geely-Statement eigens. Parallel zum Einstieg von Geely haben die Stuttgarter angekündigt, mit dem langjährigen chinesischen Partner BAIC Motor ein neues Mercedes-Werk zu bauen. Die Unternehmen investierten dazu rund 1,9 Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa 1,54 Millionen Euro.

Der Geely-Chef träumt von einem chinesischen Volkswagen

Was also haben die Schwaben von Geely? Ganz andere Ansätze und Zugänge zum chinesischen Markt, meint Dudenhöffer. „Geely ist das dynamischste Unternehmen von allen“, sagt er und verweist auf die Tochter Lynk. Die will Autos mit Know-how von Volvo bauen und dann in wenigen Varianten komplett online vertreiben – ohne Händlernetz und monatelanges Warten.

Bei allen Visionen ist Li alles andere als weltfremd. Was er macht, hat in China die Rückendeckung des Staates. Er ist Mitglied des Nationalen Volkskongresses, also des gelenkten Parlaments des Landes. Seine Karriere ist eine der Erfolgsgeschichten des kapitalistischen Kommunismus chinesischer Prägung.

Seine größte Vision hat er sich allerdings bei den Deutschen abgeschaut. Ihm schwebe vor, Marken verschiedener Segmente zu einem Riesen zu formen, will die Wirtschaftszeitung Financial Times erfahren haben: zu einer chinesischen Version von Volkswagen. (mit dpa)

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