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Mobilität

31.08.2020

CityAirbus: Das Flugtaxi übt nun das Fliegen

Hebt nun in Manching ab: der CityAirbus, ein Flugtaxi.
Bild: Stefan Küpper

Plus In wenigen Tagen wird der CityAirbus seine Testflüge in Manching beginnen. Idealerweise geht es dabei aufwärts.

Man darf sich den Bundestagsabgeordneten Reinhard Brandl ( CSU) an diesem Montag als einen glücklichen Menschen vorstellen. Er steht im Feilenmoos beim Flugplatz Manching vor einem Hangar. Hinter ihm hat sich gerade ein Rolltor hochgekurbelt und den Blick auf den CityAirbus, jenes viel beschriebene und mit industriepolitischen Hoffnungen beladene Fluggerät, freigegeben. Brandl sagt, dass heute ein wichtiger, ein symbolträchtiger Tag sei. Dass das elektrische Fliegen eine „zentrale Herausforderung für die Luftfahrtindustrie weltweit sei“, dass man nun den „zentralen Technologieträger von Airbus“ endlich auf dem Testgelände habe. Und dann sagt er, dass auch ein Vorläufer des Transrapids hier vor Jahren mal Probe fuhr.

Es kann nur dem luftfahrtmäßigen Großglück des Augenblicks geschuldet sein, dass Brandl die Magnetschwebebahn, dieses andere mit hochfliegenden Erwartungen verbundene Industrieprojekt, in diesem Kontext erwähnt. Man kann damit nämlich rhetorisch nicht nur ziemlich vom Gleis kommen, wie ein gewisser, äh, Edmund Stoiber weiß. Auch die Zukunft des CityAirbus möge nach dem festen Willen aller damit Betrauten bitte schön in Deutschland und Bayern nicht der des Transrapid gleichen. Der hatte nämlich keine.

Das Lufttaxi von Airbus soll einmal bis zu vier Menschen befördern. Zur Vorstellung in Ingolstadt kamen Digitalministerin Dorothee Bär und Verkehrsminister Andreas Scheuer.
15 Bilder
Lufttaxi in Ingolstadt vorgestellt - Bilder zum City Airbus
Bild: Luzia Grasser

So soll es dem Demonstrator da in der Halle keinesfalls ergehen. In der Nacht zum Samstag ist das 2,2-Tonnen-Gerät vom Airbus-Helicopters- Standort in Donauwörth als Schwertransport mit acht Begleitfahrzeugen herverfrachtet worden. Gefahren wohlgemerkt. Das Fliegen will erst gelernt werden. Dafür ist man schließlich auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle, ganz in der Nähe vom Airbus-Werk in Manching.

In wenigen Tagen könnte das Hightech-Teil erstmals in Manching abheben

In ein bis zwei Wochen soll das Hightech-Teil hier erstmals abheben, erklärt Marius Bebesel, der für den CityAirbus zuständige Projektleiter. Ein Datum will er noch nicht nennen. Nach der Überführung muss das ein oder andere Teil wieder montiert und justiert werden, bis man die Flüge beginnen lassen kann. Wie schnell, wie hoch, wie weit – auch das bleibt noch vage. Es soll jedenfalls höher als die zuletzt in Donauwörth erreichten sechs Meter gehen. Und natürlich auch weiter und länger. Aber alles schön eins nach dem anderen. Es geht schließlich um Testflüge.

Video: Das Airbus-Flugtaxi hebt zum ersten Mal in der Öffentlichkeit ab 

Bis zum Winter will man davon eine ganze Serie absolviert haben, denn auch mit Feuchtigkeit und schlechtem Wetter ist das fliegende Forschungsobjekt noch nicht so vertraut. 50 Ingenieure arbeiten an der Entwicklung des CityAirbus. Auch Passagiere werden nicht an Bord genommen. Was da im Hangar steht, ist ein Demonstrator. Daraus wird ein Prototyp und aus diesem irgendwann, bald, ein fertiges Modell. Das zu einem Nachfolge-Modell weiterentwickelt wird. Das Ziel: Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris soll ein fertiger Flieger autonom auf der Strecke zwischen dem Flughafen Charles de Gaulle und den Sportstätten zum Einsatz kommen.

Präsident Macron hat das Flugtaxi-Projekt sehr im Auge

„Präsident Macron hat das Projekt sehr im Auge“, betont Brandl. Was aus Sicht seines Ingolstädter Wahlkreises nicht immer gut sein mus. Brandl weiß das nur zu gut. Er gehört in der Region zu den Initiatoren der europaweiten Urban Air Mobility Initiative (UAM). Die hat zum Ziel, die Mobilität der Zukunft zu erforschen. An diesem Netzwerk sind Ingolstadt, die Landkreise Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt und Pfaffenhofen, Hochschulen, Unternehmen wie eben Airbus, aber auch Audi oder Institutionen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt beteiligt. Der UAM gelingt es, immer wieder Schlagzeilen und sich international einen Namen zu machen. Das Flugtaxi von Airbus ist ein zentrales Objekt dieser Initiative. Für die politische Unterstützung wichtig bleibt, wie Brandl betont. Denn es gibt Konkurrenz, was in München und Berlin, bei Staats- und Bundesregierung bekannt ist. Denn es gibt Konkurrenz. Frankreich, Präsident Macron, fördert die Luftfahrtindustrie traditionell sehr und dieses Projekt bekommt deutlich mehr als die rund 13 Millionen Euro, die Ingolstadt bisher an Fördergeldern hat einsammeln können. Airbus hat in Toulouse sein Frankreich-Werk. Es ist also kein Selbstläufer gewesen, dass der CityAirbus nun in Manching Probe fliegen darf. Dahinter steckt viel politischer Wille.

Was auch für das brigkAIR, einem Außenstandort des Digitalen Gründerzentrums Ingolstadt brigk, gilt. Das brigkAIR hat in diesem Hangar im Feilenmoos auch einen Sitz. Es soll die Digitalisierung der Luftfahrtindustrie vorantreiben und eine, so hofft man, wachsende Zahl von Start-ups im Markt der sogenannten „Unmanned Aerial Vehicles“ fördern. Es geht hier letztlich um die Arbeitsplätze der Zukunft. Die Autoregion Ingolstadt steckt – auch ohne Corona – mitten in einem schwierigen Strukturwandel.

Rechts vom Hangar sieht man die alten Transrapid-Testgleise im Nirgendwo verschwinden. Der City Airbus kann da sicher drüber schweben. Er muss jetzt üben.

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